Mitte Dezember 2011 hatte das soziale Netzwerk Facebook seine umstrittene „Timeline“ (deutscher Name: „Chronik“) eingeführt, die Nutzerprofile in einen interaktiven Lebenslauf verwandelt. Bis jetzt war es aber möglich, auch noch das Layout und die Funktionen des alten Profils zu nutzen. In den kommenden Wochen müssen sich die 800 Millionen Nutzer umstellen: Facebook macht die „Timeline“ verpflichtend für alle Nutzer weltweit.
Diese Entscheidung wurde vergangene Woche in einem Update des Eintrags zur Nutzung der „Timeline“ im Facebook-Unternehmensblog angekündigt. Wann genau der Zeitpunkt der Änderung zum umstrittenen neuen Profil sein wird, steht da nicht, es ist von „in den nächsten Wochen“ die Rede, wie Facebook-Entwicklungs-Mitarbeiter Paul McDonald schreibt.
Des weiteren steht in dem Blog-Update, dass der Nutzer innerhalb von sieben Tagen nach der Aktivierung der „Timeline“ mit einer Vorschau entscheiden kann, welche Einträge und Statusnachrichten aus der Vergangenheit er eventuell löschen oder oder nicht anzeigen will.
Für Facebook-Gründer Mark Zuckerberg lohne es sich nicht, zwei verschiedene Profilseiten weiterzuentwickeln, wie er bereits bei der Vorstellung der Funktion im vergangenen Jahr sagte. Dass dieser Zeitpunkt nun so früh kommt, überrasche, meint Florian Treiß vom Branchendienst „Turi2“, und habe womöglich mit dem geplanten Börsengang zu tun, denn die „Timeline“-Pflicht für alle ermögliche Facebook so massiv wie nie zuvor, Nutzerdaten zu sammeln und zielgerichtet für personalisierte Werbung einzusetzen.
Bereits mit der Einführung der „Timeline“ vor einem Monat hatte Facebook externen Software-Anbietern die Möglichkeit gegeben, sich dort mit ihren Informationen in Form von Apps direkt zu präsentieren. Als erste deutsche Unternehmen haben das bereits die Portale MyVideo, simfy, Soundcloud, tape.tv und Wooga geplant und zugesagt.
Software-Entwickler können eine Schnittstelle nutzen, um Informationen bei der Verwendung von Facebook-Apps direkt in der „Chronik“ der Nutzer zu veröffentlichen. Damit können Facebook-Mitglieder ihre Aktivitäten auf anderen Plattformen wie dem Musikportal Soundcloud auch ihren Kontakten anzeigen. Damit ist es beispielsweise möglich, parallel die gleiche Musik, auch über verschiedene Services und Player, zu hören. Wie bei den anderen Einträgen der „Chronik“ können auch die Einträge von Apps individuell gelöscht werden bzw. ist es den Nutzern möglich, die externen Apps zu deinstallieren.
Den Umgang mit der „Timeline“ erklärt Facebook hier selbst und hier per Video. Die Reaktionen der Nutzer waren bereits im Dezember durchmischt und tendenziell negativ. „Das sieht so aus, als wäre das wie maßgeschneidert für Stalking“, kommentierte etwa ein Nutzer im Facebook-Blog. Innerhalb der letzten Jahre wurde die Darstellung des Profils bereits ein paar Mal verändert und dessen Funktionen erweitert. Bei manchen Nutzern ist daher eine gewisse „Sättigung“ eingetreten, weil man immer, wenn man sich gerade an das neue Profil gewöhnt hatte, schon wieder eine Veränderung hinnehmen musste. Aber das ist wohl der Preis für ein kostenloses Netzwerk.
Mit dem so noch wertvolleren Unternehmen will zuckerberg nun an die Börse: Am späten Mittwoch (01.) veröffentlichte Facebook seinen Börsenprospekt, mit dem es bei Investoren für seine Aktien wirbt. Einen Termin für den eigentlichen Gang aufs Parkett gibt es noch indes noch nicht.
Das Volumen des Börsengangs liegt bei zunächst 5 Milliarden Dollar und damit nur halb so hoch wie ursprünglich erwartet. Allerdings kann sich diese Summe noch erhöhen. Es ist üblich, dass Firmen tiefstapeln, dann die Reaktion der Investoren abwarten und – falls genügend Nachfrage besteht – später den Preis erhöhen.
Wie das Börsenprospekt weiter verrät, wächst Facebook rasant und verdient auch Geld, vor allem mit Werbeeinnahmen: Im vergangenen Jahr blieben unterm Strich 1 Milliarde Dollar übrig, 2010 waren es 606 Millionen Dollar und 2009 immerhin schon 229 Millionen Dollar. Der Umsatz lag zuletzt bei 3,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 88 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Viele Investoren stellen sich aber die Frage, ob diese Zahlen die kolportierte Firmenbewertung von 75 bis 100 Milliarden Dollar rechtfertigen. Facebook selbst lässt in dem Börsenprospekt noch keine Rückschlüsse zu, welchen Wert das Management dem Unternehmen zumisst. Weder wird die Anzahl der auszugebenden Aktien angegeben, noch der Preis für das einzelne Papier.
Bis zum eigentlichen Börsengang, der für das späte Frühjahr oder den Sommer erwartet wird, wird Facebook die Informationen noch nachreichen. Dann wird auch feststehen, von wie vielen Anteilen sich Gründer Mark Zuckerberg selbst trennt. Noch klafft an dieser Stelle im Prospekt eine Lücke.
Zuckerberg hält laut den Angaben gut 28 Prozent der Anteile. Das gesamte Management kommt auf 70 Prozent, der Rest liegt bei Finanzinvestoren. Allerdings haben nicht alle Aktien auch das gleiche Stimmrecht – und der Besitzer damit den gleichen Einfluss auf die Geschicke des Unternehmens.
Zuckerberg selbst hält Aktien der Klasse B mit zehn Stimmen, während Anleger beim Börsengang A-Aktien mit nur einer Stimme erhalten werden. Damit hat Zuckerberg auch künftig das Sagen bei seinem Baby Facebook. Weil andere Anteilseigner ihm ihre Stimmen übertragen haben, kommt Zuckerberg momentan sogar auf 57 Prozent aller Stimmrechte.
Zuckerberg wollte die Kontrolle über sein Unternehmen lange gar nicht aus der Hand geben. Statt eines Börsengangs sammelte er in mehreren nicht öffentlichen Finanzierungsrunden Geld von großen Investoren ein. Mehrfach schlug er milliardenschwere Kaufangebote aus, zuletzt vom Internetriesen Google.
In diesem ARD-Beitrag wird das neue Profil mit der „Timeline“ erklärt:
Über Facebook und das Thema Datenschutz informiert dieser Beitrag des NDR-Medienmagazins „Zapp!“:
Mehr rund um Facebook und den geplanten Börsengang gibt es auch in unserem „Thema des Tages“.

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