Frankfurt. Je näher Menschen an einem Flughafen wohnen und je lauter es ist, umso häufiger erkranken sie. Das ist das Ergebnis einer bisher weltweit einmaligen Studie für das Umfeld des Köln/Bonner Flughafens, die der Bremer Professor Eberhard Greiser vom Institut für Public Health und Pflegeforschung an der Universität Bremen heute in Frankfurt vorgelegt hat. Greiser wertete in seiner Studie die anonymisierten Daten von mehr als einer Million Patienten, die in acht gesetzlichen Krankenkassen versichert sind, aus. Wichtig dabei: Greiner verglich seine Daten mit denen von Menschen, die nicht in der Nähe eines Flughafens wohnen.
Bereits bei bescheidenen 40 Dezibel Fluglärm häuft sich die Zahl bestimmter Erkrankungen. Herzinfarkte, Schlaganfälle, hoher Blutdruck, Depressionen und bei Frauen Brustkrebs nehmen mit der Nähe zum Flughafen im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung deutlich zu, teilweise bis zu 100 Prozent, wenn der Schallpegel zwischen 52 und 56 Dezibel liegt. Dies trifft für einen großen Teil des Flughafenumlands in Frankfurt zu, wo zum Beispiel in Raunheim der Dauerschallpegel zeitweise sogar bei 63 Dezibel liegt. Vor allem in der zweiten Nachthälfte reagierten Menschen sehr sensibel auf Lärm. Je älter die Menschen sind, umso empfindlicher fallen die Reaktionen aus.Bei nur 50 Dezibel Dauerschallpegel am Tag steigt nach Greisers Studie die Gefahr, an Brustkrebs zu erkranken für Frauen um 100 Prozent. Koronare Herzkrankheiten nehmen im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung um 60 Prozent zu, Schlaganfälle um 75 Prozent und Herz-Kreislauferkrankungen um 50 Prozent.Da Lärm Stress verursache und dieser zu hohem Blutdruck führe, lebten im Umfeld vom Flughäfen laut Greiser deutlich mehr Menschen mit Bluthochdruck als im Durchschnitt. Stress durch Schlafentzug führten schon innerhalb kürzester Zeit zu einer deutlichen Minderung der Killerzellen im menschlichen Körper. Außerdem nehme deren Aktivität rapide ab.Rund um den Frankfurter Flughafen sind vom Lärm zwischen 42 und 62 Dezibel rund 1,724 Millionen Menschen betroffen. Im hoch gefährdeten Bereich zwischen 52 und 56 Dezibel leben mehr als 180 000 Menschen, Lärm zwischen 57 und 62 Dezibel müssen mehr als 38 000 Personen ertragen (Stand 2005).Wie sehr Fluglärm und Krankheitsrisiko zusammenhängen, habe sich am Flughafen München-Riem gezeigt. Kaum sei dieser Flughafen stillgelegt worden, habe die Zahl der oben genannten Erkrankungen drastisch abgenommen.Als Konsequenz aus seiner Studie fordert Eberhard Greiser eine umgehende Nachbesserung des Fluglärmschutzgesetzes und eine periodische Untersuchung der Menschen im Umfeld von Flughäfen. ,,Die Politiker müssen gut abwägen zwischen den zusätzlichen und teilweise lebensbedrohenden Erkrankungen und dem wirtschaftlichen Nutzen", sagte Greiser mit Blick auf das derzeit in Frankfurt diskutierte Nachtflugverbot.Mehr zum Thema Fluglärm gibt es auf einer Sonderseite in der Dienstagausgabe (15.12.2009) der ECHO-Zeitungen.Dazu der Kommentar

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