Den Stift in der linken Hand: Einen schreibenden Linkshänder erkennt man auf den ersten Blick. Aber wie sieht es mit einem musizierenden Linkshänder aus? Die meisten Instrumente sind nicht symmetrisch gebaut, sondern kommen den Bedürfnissen von Rechtshändern entgegen: Das gilt für die Bohrung oder Ventilklappen von Blasinstrumenten wie auch für die Bespannung von Saiteninstrumenten.
Wie gehen linkshändige Musikschüler mit diesem Nachteil um? Nach den Erfahrungen von Olaf Würtele, Inhaber der „Peperoni-Music-School“ in Darmstadt, macht es in der musikalischen Praxis keinen Unterschied, ob die linke oder rechte Hand die dominante ist. Unterrichtet werden bei „Peperoni“ neben Gitarre und Bass auch Klavier, Keyboard, Saxofon und Schlagzeug. „Linkshänder greifen diese Instrumente genauso wie Rechtshänder, und sie werden auch genauso unterrichtet“, erklärt Würtele.
Ob das so richtig ist oder ein kapitaler Fehler, darüber gehen die Meinungen unter den Linkshändern auseinander. In Diskussionsforen im Internet tauchen beide Meinungen auf: Die einen erklären, seit Jahren erfolgreich mit derselben Technik wie ihre rechtshändigen Kollegen in Orchestern zu spielen, ohne aufgrund ihrer abweichenden Händigkeit irgendwelche Probleme zu haben. Andere beklagen die motorischen Schwierigkeiten dabei, etwa einen Geigenbogen mit der „falschen“ Hand führen zu müssen, was besonders feine Modulationen schwierig bis unmöglich werden lasse.
Harald Frey, Leiter des musikalischen Zweiges an der Viktoriaschule in Darmstadt, kennt solche Bedenken nicht. In jedem Jahrgang gibt es eine Bläser- oder eine Streicherklasse, in der jeder Schüler ein Instrument zu spielen lernt. „Es kommen aber nur selten Eltern zu mir, die Bedenken haben, weil ihr Kind als Linkshänder andere Ansprüche haben könnte“, berichtet Frey. „Da ist schon eher die Behinderung durch Zahnspangen ein Thema.“ Zwar gibt es auch spezielle Linkshänderinstrumente. „Sie sind aber teuer und schwer zu bekommen, weil sie nicht so gefragt sind“, sagt Musiklehrer Würtele. Das bestätigt Jörg Dorn vom Darmstädter Musikhaus Crusius. Dort gibt es beispielsweise Blockflöten mit linkshänderoptimierter Bohrung. Sie kosten rund 20 Prozent mehr als normale Blockflöten.
Der Schwerpunkt liegt ohnehin anderswo: Vor allem Linkshänder-Gitarren werden nachgefragt. Eine normale Gitarre einfach umzudrehen, funktioniert nämlich nicht. Die dickeren Bassseiten, die eigentlich oben liegen sollten, sind dann unten, wodurch die üblichen Griffe auf den Kopf gestellt sind. „Und bei einer E-Gitarre sind zusätzlich die Anschlüsse für die Kabel im Weg“, erläutert Dorn. Die befinden sich dann nämlich genau unter dem Handgelenk des Gitarristen.
Bei einer Linkshänder-Gitarre besteht dieses Problem nicht. Allerdings hat der Komfort seinen Preis. „Es gibt keine so große Auswahl“, erklärt der Fachhändler. „Vor allem einige niedrigpreisige Hersteller haben sich darauf spezialisiert, solche Gitarren herzustellen.“ Das ist für Einsteiger von Vorteil. Wer sich ein besonderes Instrument wünscht, der muss aber häufig tief in die Tasche greifen. „Da wird dann viel von Hand gemacht.“ So eine Sonderanfertigung kostet einige tausend Euro.
Oder man macht es wie Jimi Hendrix. Der amerikanische Gitarrist war Linkshänder und sah es nicht ein, wie ein Rechtshänder zuzugreifen. Daher drehte er sein Instrument trotz aller Nachteile auf den Kopf. Mit dem Effekt, dass er sämtliche Akkorde umgedreht greifen musste. „Das ist quasi, als ob man rückwärts spielt“, so Dorn. Und das muss man erst einmal hinbekommen.
Spielen mit links: Akkorde auf den Kopf gestellt
Musik mit links: Instrumente für Linkshänder sind selten und oft teuer – Jimi Hendrix drehte seine Gitarre einfach um
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