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06. Februar 2010  | dpa/db/e

Winter setzt deutschen Straßen zu

Verkehr: TÜV Rheinland: Bis zu 40 Prozent der Verkehrswege weisen größere Schäden auf - Beseitigung wird viele Millionen kosten - Sperrungen und Tempolimits - Darmstadt: Wir haben bisher zu wenig getan

HAMBURG/DARMSTADT. 
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Schlagloch an Schlagloch: die Landgraf-Georg-Straße in Darmstadt. Foto: Claus Völker

Das eisige Winterwetter hat die Straßen vielerorts in Deutschland stark beschädigt. Bis zu 40 Prozent der Verkehrswege wiesen größere Schäden auf, schätzte der TÜV Rheinland am Freitag. ,,Eintretendes Wasser ist der Feind aller Straßen und Wege", erklärte Dieter Straßberger vom TÜV. Weiter sagte er: ,,Bereits durch kleinste, kaum sichtbare Risse dringt Wasser an vorgeschädigten Stellen ein und weicht den Untergrund auf." Verstärkt würden die Schäden durch eine hohe Verkehrsbelastung, etwa durch Lkw.

Die Kraftfahrzeugversicherer rechnen für diesen Winter mit rund 230 Millionen Euro Mehrkosten aufgrund witterungsbedingter Unfälle. Meist gehe es um Blechschäden.

In Darmstadt gilt seit Freitag auf der Landgraf-Georg-Straße, einer Hauptschlagader in Ost-West-Richtung, wegen des miserablen Zustands bis auf weiteres Tempo 30. Auf der Autobahn 1 in Schleswig-Holstein wurde die rechte Spur in Fahrtrichtung Süden auf sieben Kilometer Länge gesperrt. Dort hat der Frost Löcher bis zu einem halben Meter Durchmesser in die Straße gefressen.

Allein im Stadtgebiet Hamburg rechnet der ADAC mit mehreren zehntausend Schlaglöchern. Sprecher Matthias Schmitting sagte, der Wechsel von Frost und Tauwetter habe den Straßen massiv zugesetzt. Für Hamburg und Schleswig-Holstein rechnet der ADAC mit einer Reparatursumme in zweistelliger Millionenhöhe.

In Nordrhein-Westfalen mussten mehrere Straßen gesperrt und Tempolimits verhängt werden. Der Landesbaubetrieb Straßen-NRW zählte 15 Abschnitte von Autobahnen mit größeren Schäden. ,,Es wird teuer", sagte Sprecher Bernd Löchter.

In Darmstadt flicken Reparaturtrupps die größten Schlaglöcher provisorisch mit sogenanntem Kaltmischgut, da wegen der niedrigen Temperaturen nicht asphaltiert werden kann. Das Ausmaß der Schäden könne aber nicht allein mit Schnee und Kälte erklärt werden kann, räumte Verkehrsdezernent Dieter Wenzel (SPD) ein. ,,Was wir bisher für die Straßensanierung getan haben, war zu wenig", sagte der Politiker. Künftig müssten Magistrat und Stadtparlament mehr Geld für den Erhalt von Straßen vorsehen.

Auch im Landkreis Darmstadt-Dieburg und andernorts in Südhessen kommen auf die Kommunen erhebliche Kosten zu, um Straßenschäden zu beseitigen - und das in Zeiten leerer Kassen. Genaue Zahlen liegen den Gemeinden sowie dem Amt für Straßen- und Verkehrswesen, das für Kreis-, Landes- und Bundesstraßen zuständig ist, noch nicht vor.

Das Land Niedersachsen riet zum Verzicht auf Autofahrten am Wochenende. Weil Streusalz fehlt, werde der Winterdienst selbst auf Autobahnen eingeschränkt.

Als Ausgleich für den wochenlangen Winterstress und Technikprobleme bei der Bahn fordern die Gewerkschaften Transnet und GDBA einen Extra-Urlaubstag für betroffene Mitarbeiter. ,,Unsere Kollegen im Zugbegleitdienst wurden oft als Blitzableiter missbraucht, wenn Züge verspätet oder gar nicht fuhren", erklärten die Gewerkschaftsvorsitzenden Alexander Kirchner und Klaus-Dieter Hommel. Arbeiter am Gleis hätten bei Minusgraden Weichen und Bahnsteige eisfrei gehalten.

Nach Tauwetter am Wochenende wird es nach Angaben der Meteorologen schon bald wieder winterlich. Bereits ab Montag sollen die Temperaturen auch tagsüber unter dem Gefrierpunkt liegen.


 
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