Noch am 19. Januar hatte Mitt Romney bei einer Fernsehdebatte der republikanischen Kandidaten erklärt, er werde seine Steuererklärungen „vielleicht“ offenlegen.
Nach dem überraschenden Sieg seines Konkurrenten Newt Gingrich bei der Vorwahl in South Carolina war der Druck auf Romney, dessen Vermögen auf rund 250 Millionen Dollar geschätzt wird, zusehends größer geworden. Laut dem Bescheid von 2010 entrichteten Romney und seine Frau Ann auf ein Jahreseinkommen von 21.7 Millionen Dollar rund drei Millionen Dollar Steuern – was einem Steuersatz von nur 13,9 Prozent entspricht. Damit liegt die Rate der Romneys unter der einer amerikanischen Durchschnittsfamilie mit einem Jahreseinkommen von 50 000 Dollar.
Weil sie ihr Geld aus Vermögen und Investitionen beziehen, müssen die Romneys statt den höheren Einkommensteuern die weitaus niedrigeren Kapitalertragsteuern bezahlen. Der amerikanische Spitzensteuersatz auf Einkommen beträgt 35 Prozent, während Kapitalerträge lediglich mit 15 Prozent besteuert werden. 2011 betrug das geschätzte Einkommen der Romneys 20,9 Millionen Dollar, die Steuerrate steigt laut dem Bescheid auf 15,4 Prozent an.
Aus den Erklärungen geht hervor, dass die Investitionen Romneys weit gestreut sind: Teile des Vermögens befinden sich auf den Cayman Islands und in Luxemburg. Ein Konto bei einer Schweizer Bank wurde allerdings auf Anraten eines Vermögensberaters Anfang 2010 geschlossen, um politische Probleme für Romney zu vermeiden. Der Stab Romneys wies umgehend darauf hin, dass die Investitionen im Ausland sämtlich versteuert worden seien. Laut den Steuererklärungen hat der Kandidat überdies beträchtliche Summen an die mormonische Glaubensgemeinschaft gespendet, der er angehört.
Die Publizierung der Steuerbescheide wird die Diskussion um Romneys Reichtum kaum zum Verstummen bringen: Sowohl Präsident Barack Obama als auch Newt Gingrich, der seine Bescheide bereits offenlegte, führten 2010 mehr als 30 Prozent ihres Einkommens an den Fiskus ab. In einer ersten Reaktion auf Romneys Steuererklärungen verlangte der demokratische Stratege Paul Begala, Romney müsse Bescheide über weitere zehn Jahre offenlegen, da die vorgelegten zwei Erklärungen „geschönt“ sein könnten.
Begala verwies auf Romneys Vater, der 1968 als erster US-Präsidentschaftskandidat Steuererklärungen über einen Zeitraum von zwölf Jahren veröffentlicht hatte. In republikanischen Kreisen in Washington löste die Bekanntgabe der Erklärungen neuerliche Bedenken aus, da sie Romney einmal mehr als Superreichen zeichneten. Im Lager des Kandidaten gilt ein Sieg bei der republikanischen Vorwahl am nächsten Dienstag in Florida nun als unabdingbar: Sollte Gingrich dort erneut gewinnen, könnte das republikanische Establishment Romney abschreiben.
14 Prozent Steuern auf 20 Millionen Dollar
US-Wahlkampf – Der Republikaner Romney sorgt mit seinen Steuererklärungen für Wirbel
WASHINGTON.
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