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02. November 2007 aka

„Ye Babam Ye“ in Darmstadt

Mehr als bloß ein Imbiss für zwischendurch

Ye Babam Ye
| Vergrößern | Treffpunkt am Marktplatz bis in die Nacht hinein: Das Darmstädter Lokal „Ye Babam Ye“. Foto: Günther Jockel
Döner mögen die Deutschen. Der Fladen mit dem Fleisch von der Rolle gehört zur Imbisskultur – im Vorübergehen eingekauft, schnell gegessen und meist auch schnell vergessen. Um die Geschichte des schichtweise vom großen Drehspieß geschnittenenen Fleisches wird man sich dabei nicht kümmern: Sie ist ein guter Beleg für die Integration der Türken in Deutschland. Denn die hier im Straßenverkauf übliche Variante eines aufgeschnittenen Fladenbrots (Pide) mit Fleisch, Salat und einer Joghurt- oder Mayonnaisesauce wurde vermutlich Anfang der siebziger Jahre in Berlin-Kreuzberg von türkischen Einwanderern erfunden.

Es ist die Variante eines Gerichts, das auch in Istanbul erst seit etwa 1960 zu kaufen ist: Die üblichen Ergänzungen dort sind Tomatensauce, Pommes frites, Gewürzgurken und grüne Paprika. Dabei gibt es den Dönerkebab in der Türkei schon weit länger: als Hauptgericht, bei dem nur Hammel- oder Lammfleisch verwendet wurde, und mit mancher Beilage. Heute sind – zumindest außerhalb der Türkei – auch Kalb- und Rindfleisch nicht ungewöhnlich.

Was ist also original, was völkerverbindend im Angebot deutsch-türkischer Gaststätten? Die Frage scheint ziemlich egal bei „Ye Babam Ye“ am Darmstädter Marktplatz. Man kann hineingehen und rasch mitnehmen. Man kann sich aber auch hinsetzen an einen der hölzernen Tische drinnen oder im Sommer draußen auf die Terrassenstühle, und es sich schmecken lassen. Denn bei „Ye Babam Ye“ gibt es mehr als die Imbisstheke mit den großen Angebotstafeln darüber.

Der Blick zum Schloss und auf den Marktplatz ist Ur-Darmstädtisch geblieben, die Räume jedoch wecken gerade mit ihrer Internationalität Erinnerungen an längst vergangene Kinderzeiten. Damals war hier „Kaiser’s Kaffeegeschäft“, der Lebensmittelmarkt, zu dem die Oma zum Einkaufen geschickt hat und wo man auch hinging, denn da gab’s die Rabattmarken fürs Heftchen – und wenn das voll war und es Geld zurückgab, durfte die Enkelin sich die Schokolade dafür gleich kaufen.

Jetzt sollen die Wände mit den türkischen Deko-Szenen und den nur vorgeblich freigelegten Mauersteinen in die Ferne versetzen. Das klappt nicht. Aber das Essen scheint für die Deutschen so original, dass es die schöne Illusion nährt, gerade so hätte man es auch beim Mittelmeerurlaub erleben können. Selbst der große Bildschirm mit dem türkischen Sänger-Clip, dessen unverständlich-heimatlichen Songs über Lautsprecher im Raum verteilt werden, wirkt da so authentisch, wie es nur sein kann.

Die Dippegucker haben ihr Essen gemocht. Es war bei weitem kein Luxus, aber üppigst und mit schönen Beilagen – dabei lecker gekocht und gebraten, eine Empfehlung, ein paar Minuten dranzuhängen an den Döner in der Hand und sich vom Einkauf kurz zu entspannen.

„Beyti i Kebap“ heißt die riesige Platte mit Lammfleisch, das in dünnem Teig eingerollt und gebraten wurde. Das Fleisch bekam zusätzlich scharf-kräftige Würze durch die Tomatenpaste mit den Kräutern darauf; der Bulgur daneben war eine schöne Beilage genau wie der Salat vorab, dem es an Frische nicht mangelte, sondern nur an Essig und ein paar Gewürzen. Schon hier wurde der exzellente türkische Jogurt zum gelungenen Widerpart der Würze (11,90 Euro).

Jogurt gehört auch beim zweiten Gericht dazu, dem Spezialteller des Hauses für 8,90 Euro. Auf diesem Teller liegt (in der Fülle kaum zu bewältigen) neben- und aufeinander, was zur türkischen Küche gehören kann: die Kebab-Stückchen über dem Bulgur, anbei die gebratenen Auberginen, Paprika und Tomatenstücke sowie die Tomatenwürze, obendrauf Jogurt-Klackse und eine Rolle Börek. Im Mund werden daraus spannende Mischungen.

Bleibt das dritte Gericht. Das obligatorische Schnitzel musste es sein für den Sohn, das war den Eltern vorab bewusst. Was tun, wenn es das gebratene Schweinefleisch nicht gibt? Auch hier erwies sich „Ye Babam Ye“ als kultur- und religionsverbindend: In der braunen Schnitzelpanade steckte eben leckeres Hähnchen (5,90 Euro).


Visitenkarte

Kebap und Grillhouse Ye Babam Ye
Marktplatz 14
64283 Darmstadt
Telefon: 06151 6012345

Montag bis Mittwoch 10 bis 1 Uhr,
Donnerstag bis Samstag 10 bis 5 Uhr
und Sonntag 13 bis 1 Uhr.

Raucherbereich: nein


Internet: www.ye-babam-ye.de
 
 


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