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27. November 2010 lex

„Tuana“ in Darmstadt

Die Restaurantkritik: Das »Tuana« an der Darmstädter Heinrichstraße bietet eine Vielfalt an türkischen Speisen in einem stilvollen Ambiente ohne Döner-Imbiss-Atmosphäre

| Vergrößern | Der Blick in die Küche gehört im „Tuana“ dazu. Foto: Günther Jockel

Manchmal sind es Geräusche, die den Gaumen anregen. Da lassen ein saftiges Brutzeln oder ein kantiges Kräuterhacken schon das Wasser im Munde zusammenfließen und klappernde Teller Vorfreude aufkommen. Das alles bekommt der Gast unmittelbar zu hören in dem Ein-Raum-Restaurant mit integrierter Küche »Tuana«, in dem auch noch Satzfragmente in Türkisch und Deutsch und lichte orientalische Musik die Tonkulisse bestimmen. Bis das vehemente »Ping « von der Thekenklingel signalisiert, dass es jetzt so weit ist.Was man hingegen so gut wie gar nicht hört in dem vor rund einem Jahr eröffneten türkischen Restaurant, ist der Lärm von der Heinrichstraße - und das, obwohl die Autos nur wenige Meter vom Gast entfernt an bodentiefen Fenstern vorbeirauschen. Im gediegenen Ambiente sperrt gutes Dämmglas unliebsamen Krach aus. Einen Schimmer von Luxus verstrahlen ein in Glas gefasster Wasservorhang als Raumtrenner sowie eine Art quadratisches Deckenmobilé mit hängenden Glaskugeln, die wie Diamanten anmuten. Abgerundet wird die stilvolle Einrichtung durch indirekte Lichtquellen, die dem Lokal viel Wärme geben - ganz zu schweigen von dem lodernden Feuer im Steinofen.

Dass dies zu sehen ist, liegt an der offenen Küchenzeile, die sich über die komplette Stirnwand des an einem Wochentag gut besuchten Restaurants zieht. Hinter blitzsauberem Glas arbeiten dort gleich mehrere Männer. Das erinnert an einen der vielen türkisch-arabischen Fast-Food-Imbisse, wo man sich mal eben einen Döner für auf die Hand mitnimmt. Das geht zwar hier auch - aber mit Blick auf die große Auswahl an türkischen Speisen und die geschmackvolle Einbettung muss man doch eher von einem Restaurant sprechen.

Bleibt die Frage, ob sich das Essen ähnlich stark abhebt von einer Döner-Bude. Positiv beantwortet werden muss das schon mal mit Blick auf das noch warme Fladenbrot (ein Euro) frisch aus dem Steinofen, das eine wunderbar rustikale Rauchnote hat. Ein Geschmackserlebnis ist auch die rote Linsensuppe (drei Euro), bei der eine deftige Würze schön zusammentrifft auf die Frische von Minze. Ein Glas türkischer Tee (ein Euro) passt dazu hervorragend.

Ebenfalls auf höherem Niveau siedelt der gemischte Vorspeisenteller (8,60 Euro) allein schon wegen seiner dekorativen Anrichtung auf dem weißen Keramikquadrat: Darauf befinden sich mehrere unterschiedlich gewürzte Gemüsepasten, wobei vor allem die aus Paprika ein herrliches Grillaroma mitbringt - wie gemacht zum Streichen auf das Steinofen-Fladenbrot. Enttäuschend hingegen sind die gummiartigen Blätterteigröllchen. Und schön wäre auch gewesen, wenn die eine oder andere Creme warm dahergekommen wäre.

Das gilt leider auch für den arg abgekühlten Reis und Bulgur, der zum Hauptgang serviert wird. Dafür umso heißer, weil direkt vom Grill sind die kleinen Frikadellen aus Lamm und Rind, die als »Izgara Köfte« (7,50 Euro) darauf liegen neben einer knackigen Salatbeilage mit einem erfrischend süßlichen Dressing. Als Pendant für Vegetarier gibt es einen Falaffel-Teller (sieben Euro), wobei sowohl die Kichererbsen-Frikadellen als auch die Joghurtsoße ein wenig Skepsis aufkommen lassen, ob sie selbst und frisch zubereitet sind. Der Dönerspieß indes, wird in der Karte betont, stamme aus Eigenproduktion.

Das gehobene Niveau und die edle Anmutung bei der Gestaltung findet nicht bei allen Speisen auch eine kulinarische Entsprechung. In jedem Fall aber kann man hier in angenehmer Atmosphäre türkische Küche genießen - und sich über eine große Vielfalt freuen, angefangen von diversen Salaten und Teigtaschen über Grill- und Pfannengerichte bis zur Steinofenpizza als Gruß aus Europa.

Und ein Restaurant, in dem es sechs verschiedene Nachspeisen gibt, ist auch nicht so einfach zu finden - wenn auch das gewünschte »Kadayif« an dem Abend aus ist. Als Alternative empfiehlt die patente weibliche Bedienung »Künefe« (4,90 Euro), das in einer Art Mini-Radkappe warm auf den Tisch kommt: Eine Schicht teilgeschmolzener Käse, der von filigranen, teils kross gebackenen Teigfäden ummantelt ist und in Zuckerwasser schwimmt. Eine triefende Süß-Bombe ist das, die aber deutlich mehr Finesse mit sich bringt als befürchtet. Dennoch ist das oppulente Dessert auch zu zweit nicht zu schaffen nach einem vollwertigen Menü. »Sollen wir's einpacken?«, fragt die nette Bedienung. Nee, lieber noch mal kommen und mehr probieren.
Visitenkarte
Tuana
Heinrichstraße 48,
64283 Darmstadt
Telefon: 06151 3681924

Geöffnet: Sonntag bis Donnerstag von 11.30 bis 22.30 Uhr,
Freitag und Samstag bis 23.30 Uhr.

Barrierefrei: ja.
Raucherbereich: nein

Große Vielfalt an türkischen Speisen in geschmackvollem Ambiente, das direkten Einblick in die Zubereitung bietet.


 
 


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