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11. Dezember 2010 jdh

„Tandure“ in Rüsselsheim

Restaurantkritik: »Tandure« in im Rüsselsheimer Stadtteil »Dicker Busch« serviert Pikantes und Scharfes aus dem Lehmofen

| Vergrößern | Tandur heißt der traditionelle Lehmofen, der dem Lokal von Tekin Aslan den Namen gibt. Links neben dem Wirt der Ofenbauer Mehmet Mengüs. Archivfoto: Frank Möllenberg

Obwohl ein großer Teil der Rüsselsheimer Bevölkerung türkische Wurzeln hat, musste man in der Opel-Stadt das entsprechende kulinarische Angebot mühsam suchen. Dabei hatte man recht unterschiedliche Erfolge: Die einzigen Konstanten waren schwankende Qualitäten und bemerkenswert kurze Existenzen.

Seit Anfang dieses Jahres gilt das nicht mehr: Tekin und Altun Aslan sind mit ihrem »Tandure« von Frankfurt, wo die Mieten zu hoch wurden, in den Stadtteil »Dicker Busch« gezogen und bieten dort mit sichtbar großem Erfolg anatolische Spezialitäten aus dem Lehmofen an. Die Gäste sprechen deutsch oder türkisch, vor allem an Wochenenden empfiehlt sich eine Reservierung. Die ausgesprochen gemütliche Atmosphäre verdankt der Gastraum mit seinen rund 80 und der Raucherraum mit weiteren 20 Sitzplätzen einer guten Aufteilung für wechselnde Gruppengrößen, den vom Vorgänger übernommenen Strukturputz an den Wänden, zahlreichen Teppichen an der Wand und an der Decke und ein paar rustikal anmutenden Gemälden. Vor allem aber besticht die überaus herzliche Gastfreundschaft, mit der die Gäste willkommen geheißen werden.

Später, am Tisch, ist der Service ebenfalls zuvorkommend und aufmerksam: Auf ein leichtes Zeichen eilt der Kellner fast im Laufschritt herbei, um die Bestellung aufzunehmen. Das mag vielleicht dem einen oder anderen übertrieben erscheinen - wir haben es genossen.

Zum kulinarischen Genuss sortiert das »Tandure« sein Angebot für mitteleuropäische Besucher nicht ganz schlüssig. Da gibt es Vorspeisen und Salate, Hauptgerichte, Gemüsegerichte und Vegetarische Hauptgerichte. Nanu? Ist Gemüse nicht vegetarisch? Bei näherer Betrachtung wird es noch ein bisschen unklarer: Tandure Köfte sind Hackfleischfrikadellen mit Tomaten und Paprika auf einem Tonteller gebraten, mit Knoblauch-Joghurt-Soße und zählen zu den Hauptgerichten. »Türlü« ist Lammfleisch, im Tontopf geschmort, mit Auberginen, grünen Bohnen, Zucchini, Tomaten, Paprika und ein Gemüsegericht. Und nur die vegetarischen Gerichte sind wirklich ohne Fleisch, dafür aber mit würzigen Okraschoten, Paprika, Tomaten, Zwiebeln, Auberginen und Schafskäse.

Weil aber die Speisen für Nichttürken mit ihren wichtigsten Bestandteilen auf der Karte beschrieben sind, stört die eigenwillige Gliederung nicht wirklich. Es wäre auch niemanden geholfen, der Dippegucker würde Karni Yarik oder Tugla Kavurma empfehlen. Ersteres sind gebratene Auberginen mit Lammhackfleischfüllung und Knoblauch-Joghurt, appetitlich angerichtet mit gegrillter Tomate und roter Paprika, einer Bulgur-Halbkugel und einer scharfen grünen Peperonischote (zwölf Euro). Das zweite Gericht ist ein Eintopf aus Lammfleisch, Tomaten, Zwiebeln, Paprika und einer tomatisierten Sahnesoße - in einer rustikalen Tonschale mit ziemlich rauer Innenseite gebraten und so heiß direkt aus dem Tandur serviert, dass man sich genügend Zeit für den ersten Bissen lassen kann (13 Euro).

Wer vor allem Wert auf ordentliche Fleischportionen legt, für den ist der Tandure-Teller (15,50 Euro) gerade richtig. Lammkotelett, Lammspieß, gegrillte Köfte kommen mit einer Schüssel frischen Salats auf den Tisch. Bei allen Fleischgerichten schmeckt man die gute Produktqualität ebenso wie die perfekte Zubereitung. Das Ergebnis sind zarte Stücke mit meist delikat scharfer Würzung, die mit den Gemüsen und dem Bulgur harmonieren. Das sei, erklärte uns der Kellner, dem deutschen Geschmack angepasst. In seiner Heimat würde das gleiche Gericht deutlich schärfer gekocht oder gebraten.

Auch wenn die Portionen für den normalen Hunger längst ausreichen, sollte man sich dennoch die vielfältigen Vorspeisen nicht entgehen lassen. Hier ist es von Vorteil, sich mit Freunden gemeinsam einen Teller mit verschiedenen gebratenen warmen Gemüsen (neun Euro) und einen mit kalten Pasten, Oliven, Gurken, Schafskäse (sieben Euro) vorzunehmen. Dazu gibt es frisch aufgebackenes heißes Fladenbrot, von dem man - außer bei großer Selbstbeherrschung - immer zu viel verspeist.

Zum Trinken könnte man zwar beim Bier bleiben (drei Euro für 0,4 Liter Becks). Im Angebot sind aber auch türkische Durchschnittsweine wie der rote Doluca (mit vier Euro für ein Glas vielleicht ein bisschen überbezahlt). Der Verdauungsraki kostet 3,40 Euro und wird traditionell ebenso mit einem Glas Wasser serviert wie der süße, aromatische Mokka, der wie der Espresso »aufs Haus« ging.

Visitenkarte
Restaurant Tandure
Wartburgweg 6
65428 Rüsselsheim
Telefon: 06142 7952522

Geöffnet täglich 12 bis 14.30
und 17.30 bis 24 Uhr.

Barrierefrei: ja,
Raucherbereich: ja

Gemütliches, angenehm folkloristisches Ambiente, gutes Preis-Leistungsverhältnis, freundlich-herzliche Gastgeber, vielfältige türkische Küche.

Internet: www.tandure.com


 
 


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