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30. April 2011 kl

„Karagöz“ in Darmstadt

Restaurantkritik: Das „Karagöz“ am Theater in Darmstadt überzeugt mit traditionsverbundener, sorgfältig zubereiteter Küche

| Vergrößern | Die schlichte Fassade verbirgt Gastlichkeit mit Tradition: Das „Karagöz“ in der Darmstädter Sandstraße. Foto: Günther Jockel
DARMSTADT. 

Seit 1987 führt die Familie Caliskan das „Karagöz“ in der Darmstädter Sandstraße, mittlerweile in der zweiten Generation. Damit gehört das türkische Restaurant zu den Traditionshäusern des guten Geschmacks in Darmstadt. Und es nennt sich Theater-Kasino: Dank seiner Nähe zu Staatstheater und Halbneun-Bühne treffen sich Künstler und Publikum vor und nach den Vorstellungen gerne im „Karagöz“. Jedoch hat es sich nie als Künstlerklause verstanden, sondern in erster Linie als Familienrestaurant.Die Einrichtung ist auf sympathische Weise in die Jahre gekommen: Typisch deutsches Gastronomie-Mobiliar verbindet sich mit türkischen Wandteppichen, orientalisch schweren Tischdecken und Fots der prominenten Gäste zu einem besonderen Stilmix. Die türkische Folklore aus den Musikboxen bleibt dezent.
Zwei Mal schon waren Dippegucker bei Familie Caliskan zu Besuch, zuletzt vor sieben Jahren – Zeit also für eine Auffrischung der Eindrücke. Und wie schon bei den früheren Besuchen verließen die Tester das Lokal auch diesmal sehr zufrieden. Nach wie vor steht das „Karagöz“ für eine traditionsverbundene, mit Sorgfalt zubereitete Küche, und das zu sehr annehmbaren Preisen.
Was das Team am Herd zu leisten vermag, lässt sich am besten mit der Vorspeisenplatte (sieben Euro) erkunden. Sie bietet eine kleine Welt der orientalischen Genüsse: schlanke Teigröllchen mit Käse gefüllt, gebratenes Gemüse, aromatisches Kicher erbsenmus, leicht rauchige Auberginenpaste, minzig-frisch gefüllte Weinblätter, mehrere Salate, Schafskäse und natürlich reichlich Joghurt. Alles ist fein abgeschmeckt und erkennbar frisch zubereitet. Zusammen mit der großzügigen Portion Fladenbrot und dem Villa Doluca, einem süffigen Roten (0,25 Liter für 3,90 Euro), ergibt das allemal ein schönes Abendessen.

Visitenkarte

Karagöz – Türkisches Spezialitäten-Restaurant
Sandstraße 32
64283 Darmstadt
Telefon: 06151 21068 oder 154220

Geöffnet täglich von 17.30 bis 1 Uhr.

Barrierefrei: nein,
Raucherbereich: nein


Internet: www.karagoez.com

Klassische türkische Küche, mit Sorgfalt und frischen Zutaten zubereitet, gastfreundliche Preise.

Ein besonderes Lob verdienen die Blätterteigröllchen (Böregi), die es mit Spinat, Käse und Hackfleisch gefüllt gibt. Die Tester wählten die gemischte Vorspeisen-Portion (sechs Stück) mit Salat und Joghurt (6,90 Euro) und waren von allen drei Füllungen sowie dem knusprig ausgebackenen, hauchdünnen Teig sehr angetan. Die anatolische Brautsuppe mit gelben Linsen und Gewürzen (Ezo Gelim Corbasi, 3,90 Euro), erwies sich als gehaltvolles, rötlich-braunes Geheimnis, das lange auch kleiner Flamme geköchelt haben dürfte. Der Geschmack war angenehm, wenn auch eher dezent; ein wenig Kreuzkümmel, Koriander oder Minze zusätzlich wäre nicht schlecht gewesen.
Bei den Hauptspeisen bietet das „Karagöz“ eine reichhaltige Auswahl an Lammgerichten. Gekocht, geschmort, gebraten, gegrillt – in allen Varianten wird dieses so aromatische wie gesunde Fleisch offeriert. Zum Beispiel im Tontopf mit viel Gemüse aus dem Backofen (Kuzu Tandir, 12,90 Euro). Dabei wird das Fleisch zunächst gekocht und anschließend mit dem Gemüse (Auberginen, Zucchini, Tomaten) im Backofen kurz weiter gegart. Das Fleisch ist danach überaus zart, zerfällt aber nicht in seine Bestandteile wie beim langen Schmoren, der Lammgeschmack bleibt intensiv und passt sehr gut zur von den Tomaten dominierten Gemüsesoße. Das Gericht verlangt nach einem schönen Roten, der vom Haus empfohlene gehaltvolle, aber erstaunlich weiche Yakut (4,50 Euro) war eine gute Wahl.
Das lässt sich auch über die Lamm-Auberginen-Spieße (Kars Kebab, 13,30 Euro) sagen. Das gegrillte Fleisch war überaus zart, das Gemüse (neben Auberginen auch Paprika und Zwiebeln) schön kross gegrillt. Dazu der frische, sahnige Joghurt – köstlich. Dagegen fiel der Gemüseeintopf mit Knoblauchjoghurt (8,70 Euro) für den Geschmack der Dippegucker merklich ab. Ein wenig lieblos zusammengeworfen wirkte das Gemüse, darunter wohl industriell geschälte Mini-Möhrchen, wie man sie aus Kantinen kennt.
Und die Pide, die länglichen, mit diversen Zutaten belegten Teigtaschen, die zur türkischen Küche gehören wie die Pizza zur italienischen? Sie sind im „Karagöz“ absolut empfehlenswert: frische Zutaten, guter Teig, großzügige Portionen. Die gewählte Variante mit Putenfleisch und Schafskäse (8,90 Euro) kam knusprig-appetitlich an den Tisch – und schmeckte sogar noch am Folgetag im häuslichen Ofen aufgewärmt.



 
 


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