Groß-Umstadt ist eigentlich eine Gastronomie-Meile. Exotische Küche, bodenständige Küche, Bioküche, einfache Straußwirtschaften, anspruchsvolle Restaurants, deren Kundschaft weite Wege bis aus dem Taunus in Kauf nimmt: Schon beim Bummel durch den Altstadt-Kern entdecken die hungrigen Dippegucker zahlreiche verlockende Möglichkeiten.
Winzerbrett oder Pasta? Steak oder Schnitzel? Doch diesmal soll es türkisch sein.
Das Restaurant „Gose“ fällt nicht auf den ersten Blick ins Auge, liegt nicht auf der Laufmeile des Stadtkerns, sondern eine Straße weiter, und sein Ruf dringt selten über die Stadtgrenzen hinaus. Durchaus zu unrecht, wie die Dippegucker feststellen.
Am typischen Döner-Straßenverkauf vorbei geht es hinein ins Restaurant. Warme Farben an den Wänden, Kristall-Lampen, in deren Tropfen sich das Licht bricht, dazu noch einige Dekosäulen. Unverbindlich mediterran ist die Einrichtung, erst ein akkurat angeordneter Satz Wasserpfeifen gibt „Gose“ die türkische Note.
Mit „original türkischer Küche“ wirbt dafür die Speisekarte. Und sie ist überraschend vielfältig, weitab vom Döner-Einerlei. Die Dippegucker sehen erfreut die große Auswahl an Vorspeisen, die vor allem im türkischen und arabischen Raum verbreiteten Appetithappen „Meze“.
Acht kalte und fünf warme Häppchen stehen auf der Karte. Mangels Entscheidungsfreude fällt die Wahl auf den gemischten, kalten Vorspeisenteller (6,90 Euro für eine Person, 10,50 Euro für zwei).
Die Entscheidung ist gut, gibt sie doch einen schmackhaften Überblick über die traditionellen kleinen Gerichte. „Cacic“, Knoblauchjoghurt mit Gurken und Dill, ist ebenso dabei wie „Ezme“, das sind scharfe, klein gehackte Tomaten mit Zwiebeln, Paprika, Petersilie.
Die freundliche Warnung des Kellners, es angesichts der noch zu erwartenden Mengen dabei zu belassen, schlagen die Dippegucker in den Wind, und ordern noch „Humus“ (4,90 Euro) dazu, eine traditionelle Sesampaste mit Kichererbsen und Milch.
Eigentlich könnte man sich so den ganzen Abend durchs Vorspeisenangebot testen. Eine lohnende Idee.
Doch auch das Fleisch ist einen Versuch wert. Zum Hauptgang wählen die Dippegucker Lamm. „Sac Kavurma“ (12,50 Euro) aus der Pfanne und „Kuzu Filet“ vom Grill (13,50 Euro).
Die Qualität überzeugt, das feine Fleisch ist zart, nicht faserig und nur leicht durchwachsen – allerdings spätestens nach dem Genuss der pikanten Vorspeisen deutlich zu lind gewürzt.
Der Griff zum Salzstreuer lässt sich auch beim Beilagenreis nicht vermeiden. Eindeutig die bessere Wahl statt Standardreis ist die Weizenspezialität Bulgur, hier als „türkischer Bauernreis“ angekündigt – grob, bissfest und perfekt gewürzt.
Nach Meze und Lamm ist der Platz im Magen für den Nachtisch nicht mehr groß. Der Milchreis aus dem Backofen (3,50 Euro) verlockt zwar ebenso wie die süße Teigspeise mit Mozzarella und Rapshonig (vier Euro), doch die Dippegucker entscheiden sich nur noch für einen Obstteller für zwei (zehn Euro).
Kaum ein Restaurant wird dabei etwas falsch machen, doch dieser kommt noch dazu dekorativ daher, samt Kerzenglas, Fähnchen und Schirmchen, um das die Fruchtstücke herum drapiert sind.
Auch die Getränke runden das positive Bild ab. Die türkischen Weine auf der Karte (um die 3,20 Euro) können sich auch in der Weinstadt Groß-Umstadt durchaus behaupten. Und mit 1,70 Euro für eine kleine Cola oder 1,60 Euro für einen Orangensaft halten sich die Getränkepreise im vernünftigen Rahmen.
Zu „Gose“ wird wohl kaum ein Gast eigens aus dem Taunus anreisen, doch das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, die Qualität ist gut, der Service unaufdringlich und aufmerksam.
Und wenn freitags, wie es die Homepage des Lokals verspricht, Bauchtänzerinnen die Hüften schwingen, kann sich das türkische Restaurant erst recht im Angebot der Gastronomie-Hochburg Groß-Umstadt behaupten.
Restaurant Gose
Karlstraße 2
64823 Groß-Umstadt
Telefon: 06078 783986
Geöffnet montags bis samstags von 12 bis 14 Uhr und 17.30 bis 24 Uhr.
Sonntags durchgehend von 12 bis 24 Uhr.
Dienstag Ruhetag.
Raucherbereich: nein
Internet: www.restaurant-gose.com
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