Einkaufen macht hungrig. Nicht immer aber hat man Zeit und Lust, gleich ein Restaurant aufzusuchen. Ein kleiner Happen auf die Hand wäre recht. Aber wo kann man etwas Ordentliches erwarten? In der Darmstädter Innenstadt hat sich in letzter Zeit oberhalb des Langen Ludwigs und rund um den Weißen Turm eine vielfältige Imbiss-Szene etabliert, der diesmal unsere Stichprobe galt. Wir suchten jene Anbieter auf, bei denen man im Stehen eine Kleinigkeit zu sich nehmen kann.
Beginnen wir den Spaziergang an der „Pizza-Bar“, die sich auf der südlichen Seite gegenüber dem Mini-Café befindet. Hier kann man sich runde Pizzen nach Wunsch belegen lassen. Unser Interesse gilt jedoch dem Pizza-Rechteck vom Blech, eine überschaubare Portion, gerade so groß wie der Pappteller. Für zwei Euro gibt es die „Margherita“-Variante mit ansehnlich geschmolzenem Käse, für fünfzig Cent mehr diverse Belag-Variationen.
Broccoli und Mais haben wir bei unserem Besuch gesehen oder Pilze, uns dann aber doch für gekochten Schinken und scharfe Salami entschieden. Das Rechteck wird mit dem Messer gedrittelt, was den besteckfreien Verzehr ungemein erleichtert. Der Geschmack ist ordentlich, die Konsistenz so weich, dass man gar nicht recht weiß, wo der Käse endet und der hefig weiche Teig beginnt. Hinterher fühlt man sich satt, aber nicht zu schwer: keine schlechte Wahl.
Wer einen Pavillon weiter bei „Tante Herta“ einkehrt, sollte größeren Hunger mitbringen. Und etwas Neugier, was sich denn hinter dem Begriff „Imbiss de luxe“ verbirgt. Drei Eigenschaften haben wir festgestellt, die dieses Etikett rechtfertigen könnten. Erstens gibt es zur Currywurst auf Wunsch Prosecco. Ob das nun passt oder nicht – irgendwie klingt es luxuriös.
Zweitens sind die Schälchen, in denen die Currywurst normalerweise daherkommt, nicht von Pappe, sondern aus Porzellan. Und drittens legt man für ein ziemlich schlichtes Menü zu zweit – zweimal Wurst, einmal Pommes, einmal Kartoffelsalat, dazu ein kleines Glas mit vielen Eiswürfeln und wenig Mineralwasser – 12,50 Euro auf den Tisch. Luxus ist das Gegenteil von billig.
Dass der Gegenwert fair ist, erscheint bei unserer Stichprobe eher zweifelhaft. Die grobe Brat- und die feinere Rindswurst sind nicht weiter auffällig, die Pommes nahezu ungewürzt, der aus sehr kleinen Stücken zusammengesetzte, breiig wirkende Kartoffelsalat für stolze 2,80 Euro ist so kalt, dass ein Geschmack sich nicht feststellen lässt. Umso mehr kann man sich auf die Currywurst konzentrieren, denn der Name „Tante Herta“ erinnert an Herta Heuwer, der dieses Rezept zugeschrieben wird.
Die rote Soße, dunkel eingekocht und würzig, ist tatsächlich überdurchschnittlich gut. Im Übrigen riecht es auch in der Luxus-Wurstbude so, wie es eben in einer Bude riecht, in der Würste gebraten werden und Pommes im siedenden Fett den Verzehr erwarten. Für den klebrigen Boden vergeben wir einen Minuspunkt, für das reichhaltige Medienangebot – zwei Zeitungen, während Fernsehen und Radio um die Wette senden – hingegen ein Extralob.
Schräg gegenüber bietet „Eis-Friedel“ im ehemaligen Kassenhäuschen der Schlossgarage neben dem Eis auch Bratwürste an. 1,60 Euro ist der mit Abstand günstigste Preis in dieser Gegend, die Qualität ist nicht zu beanstanden: Die Bratwurst – hier von der feinen, vorgebrühten Sorte – schmeckt so, wie sie auf Weihnachtsmärkten und Volksfesten zu schmecken hat. Außerdem haben wir an diesem Stand das knusprigste Brötchen in unserer Testrunde bekommen.
Wenden wir uns nun zum Weißen Turm und schauen kurz rechts hinein in die Filiale des Brezelbäckers „Ditsch“, der ja nicht nur Laugenbrezeln verkauft, sondern auch eine Reihe weiterer Snacks, die mit ihrer weichen und warmen Wesensart dem Gaumen schmeicheln wie beispielsweise das mit Schinkenwürfeln und einer Käsesoße gefüllte Croissant.
Ein paar Schritte weiter hat „Panissimo“ seinen Schalter eröffnet: Hier gibt es die italienische Variante des belegten Brötchens, das von beiden Seiten so getoastet wird, dass es außen leicht knusprig und innen warm ist. Diese Technik und die Beläge (die Kombination aus Parmaschinken, Tomate und Rucola zum Beispiel oder die Thunfisch-Variante) sind tatsächlich eine schöne Bereicherung der Imbiss-Möglichkeiten an dieser Ecke. Allerdings ist 1,80 Euro für ein halbes Brötchen (das ganze kostet drei Euro) nicht gerade ein Schnäppchenpreis.
Neben dem normalen Panino gibt es auch die etwas luftigere Focaccia, am angenehmsten ist bei unserem Versuch das Vollkorn-Panino mit gegrillten Auberginen, getrockneten Tomaten und etwas Mozzarella. Es ist würzig und seiner flachen Form wegen auch manierlich zu verzehren. Dabei helfen auch die Stehtische, die bei unserem Besuch wegen des möglicherweise drohenden Regens leider abgedeckt sind. Ohne Tisch in der Gegend zu stehen und zu essen, ist ein seltsames Gefühl, aber das hat man an den meisten Imbissen.
Wieder ein paar Schritte weiter, am Schalter der Metzgereikette „Schlemmermeyer“, ist das nicht anders. Dort probieren wir den ausgezeichneten, zart rosafarbenen Krustenbraten, der pro 100 Gramm mit 2,70 Euro berechnet wird, eine deftige Alternative zu Wurst, Panino und Pizza.
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