Wer seinen Gästen keine Gartenterrasse bietet, hat in Zeiten des viel beschworenen Klimawandels schlechte Karten. Zwischen Darmstadt, Ried, Bergstraße und Odenwald gibt es viele lohnende Ziele.
Ganz egal ob man dort nur ein Bier zu sich nimmt oder das vielfältige Speiseangebot ausprobiert, steht doch eines fest: Draußen schmeckt fast alles eine Spur besser. Einige der Lokale, in denen die Dippegucker sich im Frühjahr und Sommer am liebsten niederlassen, zeigt die folgende subjektive Auswahl. (nb)
Käsekuchen zum Wild
Regen vorm heimischen Balkonfenster: kein Hinderungsgrund. Die Kapuzen auf und los zum Kühkopf.
Denn dort wartet nicht nur die ursprüngliche Landschaft des Naturschutzgebiets zwischen Altrhein und Rhein mit den Wander- und Radwegen längs der Sumpfeichen, dem wilden Rhabarber, den Wiesen mit dem Urgetreide.
Dort wartet bei jedem Wind und Wetter das Forsthaus mit seiner Gaststätte. Der Hirsch am historistischen Wohnhaus grüßt, und hinein geht es.
Draußen müssen die Gartentische unter den hohen Bäumen heute links liegen bleiben – bei Sonnenschein lässt sich hier genauso lustvoll schmausen wie hinterm Haus mit dem Blick auf die hohen Garben. Mittag, Nachmittag, Abend: Im Forsthaus fühlt man sich immer zur rechten Zeit am rechten Platz.
Und drum geht es bei der Einkehr ins geschmackvoll eingerichtete Lokal auch ein wenig drunter und drüber bei der Bestellung. Einmal als frisch geschossen angepriesener Rehrollbraten mit hausgemachten Kartoffelklößen und Rotkraut (15.10 Euro) wünscht der eine, einen Wurstsalat mit Bratkartoffeln der zweite (6.30 Euro), das Schnitzel von der langen Schnitzelkarte der dritte.
Alles ist da, was einen langen Gaststättentag begleiten kann, und es mundet. Kurz nach der wahren Mittagszeit eingekehrt? Also wird als Test der Küche auch noch der Käsekuchen probiert – wenn man beim nächsten Mal zwei, drei Stunden später kommt, ist der bei dem einen Besucher sicher wieder ein Favorit bei der Bestellung, während beim anderen der hausgemachte Kochkäse mit Musik (5.30 Euro) den Vorzug erhält.
Denn wiederkommen wird man bestimmt, weil hier einfach alles stimmt zur guten Laune in wunderschöner Umgebung. Es ist stimmungsvoll, gemütlich und genügt von der kulinarischen Qualität auch den anspruchsvolleren Restaurantbesuchern. (aka)
Forsthaus Kühkopf
64560 Riedstadt,
Telefon 06158 3068.
Geöffnet mittwochs bis samstags ab 11 Uhr, sonntags ab 10 Uhr, montags und dienstags geschlossen.
Die Maß unter Kastanien
„Schatzi, einmal die Würstel“, ruft die Blonde im Dirndl vom Tresen in die Küche und die Bestellung ist nicht das einzig Zünftige, das den Gast im Bayerischen Biergarten in der Darmstädter Kastanienallee erwartet.
Weißblaue Servietten liegen auf den eichenbeplankten Tischen, und auf der Karte steht manche bayerische Spezialität: Schweinebraten mit Knödel für 8,50 Euro, Schweinshaxe vom Grill mit Senf und Brot für 7,50 Euro oder eben die Rostbratwürstel mit Brot für 4,50 Euro.
Für 6,20 Euro gibt es die Maß Weißbier und für 2,40 Euro den Krautsalat dazu – der ist hausgemacht und richtig lecker. Zwei Senfsorten stehen aus dem Spender reichlich bereit: der scharfe und der würzig-süße von Luise Händlmaier. Die sechs kleinen Schweinswürstel sind knackig, gerade wer sie fein und milde mag, wird glücklich.
Die jungen Kastanienbäume legen ein gemütliches Blätterdach über das riesige Areal. In der Voliere zwitschern Vögel, der Spielplatz bietet mit Rutsche und Karussell Abwechslung für Kinder. Im Festzelt werden Fußballübertragungen gezeigt.
Wenn Sonne und Bier locken, kommt auf den 1300 Plätzen Rummelstimmung auf – ein Hauch der Münchner Wiesn am Rande des Bürgerparks. (dpg)
Bayerischer Biergarten
Kastanienallee 4,
64289 Darmstadt.
Telefon 06151 711163
Geöffnet täglich von 11 bis 23 Uhr.
Entspannung unter dem Blätterdach
Früher soll hier das Eisen für eine Schmiede geschmolzen worden sein. Aber gerechterweise könnte die „Schmelzmühle“ ihren Namen auch vom Kochkäse-Schnitzel (mit Bratkartoffeln und Salat 10,50 Euro) beziehen. So sanft ist der würzige Käse über den zwei zarten Schnitzelscheiben geschmolzen, dass es eine Freude für die Augen und den Gaumen ist.
Am Rande des Weges zwischen Ober-Klingen und Hassenroth werden kräftige Genüsse in bemerkenswert guter Qualität geboten. Nachmittags stärkt man sich mit Hausmacher Wurst, Salaten oder Kochkäse, ab 18 Uhr ist die größere Karte an der Reihe, auf der insbesondere Schnitzel- und Rumpsteakvariationen stehen.
Wer das langweilig findet, kann sich auf das wechselnde Tagesangebot verlassen, das zeigt, dass die Ambitionen dieser Küche über den Standard des Ausflugslokals hinausgehen. Die Sorgfalt zeigt sich übrigens auch daran, dass beim Jägerschnitzel zwischen der natur gebratenen und der panierten Variante gewählt werden kann.
Der Anblick der Teller ist so erfreulich wie der Geschmack der Speisen, wenn auch bei unserem Besuch alle Teilnehmer der Runde nach dem Salzstreuer griffen. Was die Schmelzmühle besonders auszeichnet, ist indes die Atmosphäre: Das üppige Grün der Umgebung reicht bis ins dichte Laubdach über der Terrasse, das bei Hitze Schatten spendet und selbst einen kleineren Nieselregen abhalten kann.
Andere Wirte hätten diese Lage zu einem Biergartenpalast genutzt, hier aber ist die Umgebung angenehm familiär geblieben und ländlich dazu. Dass das Anwesen nicht aussieht, als sei es für ein Postkartenfoto aufgeräumt worden, macht das Idyll nur noch echter: Hier lassen sich schöne Ausflugstage verträumen. (job)
Schmelzmühle
Bachstraße 43,
64853 Ober-Klingen
Telefon 06162 72913
Geöffnet täglich von 15 bis 23 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen ab 11.30 Uhr, Dienstag Ruhetag.
Der Berg ruft
Irgendwo zwischen den Erkenntnissen „Der Weg ist das Ziel“ und „Auf rauhen Wegen zu den Sternen“ liegt die Wahrheit des Kirchberghäuschens. Der Aufstieg zum Bensheimer Wahrzeichen, zumal der direkte vom Stadtpark aus durch die Weinberge, ist kurz, aber steil.
Ein Blick dabei über die Schulter genügt jedoch für dieses Gefühl, der Welt ein wenig abhanden gekommen zu sein. Irdische Genüsse wiederum bietet das über 150 Jahre alte Ausflugsziel mit seinem charakteristischen Portikus. Bei schönem Wetter ruft der Berg die Massen dorthin; Sitzplätze sind dann nur schwer zu ergattern.
Am atemberaubenden Ausblick über die Rheinebene kann man sich nur in der Redensart sattsehen. Zuverlässiger sind da die „Kirchberg-Weinvesper“ mit drei Probiergläsern aus den angrenzenden Lagen und – wahlweise – Wurst oder Käseplatte für 9,50 Euro, das Paar Bratwürste für 5,20 Euro, der Handkäse (4,50 Euro) oder der Kochkäse (4,80 Euro).
Das Kochkäseschnitzel zu 8,10 Euro ist eine Bensheimer Legende, die Getränkepreise sind annehmbar: 0,4 Liter Weizenbier vom Fass kosten 2,70 Euro, 0,2 Liter naturtrüber Apfelsaft 1,50 Euro, eine große Flasche Mineralwasser 3,10 Euro.
Was dann unweigerlich folgt, ist ein Abstieg, doch bieten sich dafür einige der schönsten Wanderwege der Bergstraße an. (cris)
Kirchberghäuschen
Außerhalb 2
64625 Bensheim
Telefon 06251 3267.
Geöffnet - von weitem zu sehen an der gehissten Fahne - ab 11 Uhr je nach Witterung.
Montag Ruhetag.
Reggaemusik und Rastafarben
Warum eigentlich immer nur Idyll? Das kennt man aus der Werbung: Die glückliche Zweikindfamilie radelt fröhlich durch die Natur zur ländlichen Ausflugsgaststätte, um dort an rot-weiß gedeckten Tischen unter Bäumen die rustikalen Köstlichkeiten der Region zu genießen. Haben wir das nicht alle schon mal geträumt? Oder sogar gemacht?
Es geht aber auch anders, jedenfalls in Roßdorf. Wer unternimmt schon einen Ausflug ins Industriegebiet? Reifengeschäft, Baumaschinenverleih, Autoniederlassung, Werkstätten – alles würde man dort vermuten, aber gewiss keinen beschaulichen Biergarten.
Doch gegenüber der Dachziegelhandlung, gleich neben der Gastankstelle liegt er, versteckt hinter einer tiefen Einfahrt. Und inmitten des zeitgenössischen Gewerbetreibens sind wir urplötzlich in einem grün-gelb-roten Anti-Idyll gelandet.
Vor einer heruntergekommen Industriehalle mit Rasta-Dekor und Dschungelgemälden stehen tropische Kübelpflanzen auf grobem Kies. Auch einige Biertische sind bunt bemalt. Dazwischen Sitzecken unter windschiefen Anbauten, vorne warten Rutsche und Schaukel auf die lieben Kleinen, im Hintergrund tönt sanfter Reggae-Rhythmus.
Auf der – natürlich grün-gelb-roten – Speisekarte sind artig die Lieferanten des Hauses vermerkt, darunter eine Odenwälder Getränkehandlung mit dem hübschen Namen „Die Kastenschlepper“ und ein Hersteller extragroßen Zigarettenpapiers.
Wofür das gut ist, kann mitunter beobachtet werden. Pommes-frites gibt es aus Prinzip nicht, ansonsten alles, was zu einem ordentlichen Biergarten gehört. Wurst jeder Art (Brat-, Rinds-, Curry- etc.) kostet 2,50 Euro, ebenso die selbst gemachten leckeren Salate (Kartoffel, Nudel etc.).
Handkäs’ wird nicht mit Musik, sondern „mit Reggae“ gereicht. Neben Essig, Öl und Zwiebeln bedeutet das viel scharfen Paprika. Daneben gibt es Vegetarisches wie Grünbratlinge und Chutneys. Stammgäste schwärmen zudem vom „Wintercurry“ mit Kartoffeln und Erdnüssen.
Ein Paradies für unbekümmerte Bauwagensiedler und Altfreaks also, Treffpunkt ergrauter Stadtindianer und junger Globalisierungskritiker? Mag sein.
Doch ebenso ist der „Rossdörfer Biergarten“ ein beliebtes Ziel beim Abendspaziergang der Zweikindfamilie aus der Rehbergsiedlung gegenüber oder für rüstige Rentner. Sie alle sitzen dort friedlich vereint unter Palmen – welch ein Idyll. (wow)
Rossdörfer Biergarten
Industriestraße 18,
64380 Roßdorf,
Telefon 06154 83295.
Täglich geöffnet von 17 bis 1 Uhr, sonntags ab 15 Uhr.
Grüne Idylle am Rhein
Ein Bier und ein Imbiss auf dem Tisch, der Rhein mit den vorbeifahrenden Schiffen vor Augen, dazu ein paar weniger bekannte Beatles-Songs, die Ralf Schemeit zum besten gibt, der des öfteren mit seiner Gitarre an einem der Nebentische sitzt – so lässt sich ein freier Tag genießen.
Das Hofgut Langenau liegt auf einer Halbinsel zwischen Rhein und einer Altrheinschleife in der Nähe von Trebur und bietet mit seinem von Efeu und Wildem Wein überwucherten Hausensemble einen malerischen Anblick. Zwischen Scheune, Pferdestall, Glockenturm und Rosenhecken laden Tische und Bänke zu einer längeren Rast ein. Das Anwesen hat eine lange Geschichte.
Die Inselauen waren bis 1510 im Besitz der Mainzer Patrizierfamilie zu den Gensfleischs, zu der auch Buchdruckerfinder Johannes Gutenberg gehörte. Der heutige Hofgutbesitzer Winfried L. Kreuzer betreibt neben der Landwirtschaft im Sommer auch das Gartenlokal.
Zwar ist die Zufahrt auch mit dem Pkw möglich, die meisten Gäste kommen aber zu Fuß oder mit dem Fahrrad entweder von Trebur aus über den Steindamm oder mit der Ginsheimer Altrheinfähre. Am begehrtesten sind natürlich die Plätze mit Rheinblick.
Kinder hält es meist nicht lange an den Tischen. Sie können auf der großen Wiese am Rheinufer herumtollen und die Gänseschar beobachten, die ebenfalls zum Gut gehört. Das Flussufer ist auf der Halbinsel mit Weiden, Sand- und Kiesbänken noch weitgehend naturbelassen.
Die Verpflegung holt man sich selbst an der Theke. Neben Bratwurst und Hähnchen gibt es hier Spundekäs’, Schafskäse, Calamares mit Knoblauchsoße, Baguettes mit Tomaten und Mozzarella und geräucherte Forellen mit Sahnemeerrettich – die Preise dafür liegen zwischen zwei und fünf Euro.
Mitunter wird auch ein Spanferkel am Grill geröstet. Dazu trinkt man Bier vom Fass oder selbst gekelterten Apfelwein, ebenfalls vom Fass. Nachmittags ist Zeit für Kaffee und Kuchen. (nb)
Hofgut Langenau
65462 Ginsheim-Gustavsburg
Telefon 06144 2285.
Geöffnet täglich von 11 bis 23 Uhr, je nach Wetterlage und Gästeaufkommen.

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