So ist das „Empanada“ auch gemeint – jedenfalls im Erdgeschoss, wo an kleinen Tischen die berühmten Leckereien serviert werden, die ursprünglich wohl als Deckel (spanisch Tapa) zum Schutz vor Insekten auf Sherrygläser gelegt worden waren. Wer seinen Appetit nicht nur anregen, sondern gleich stillen will, geht nach oben ins Restaurant. Der Besucher wird hin- und hergerissen, doch es ist in jedem Fall eine gute Wahl.
Fast 30 Tapa-Varianten werden feilgeboten: Die Spanne der Happen reicht von klassisch (Jamon Serrano zu 3,30 Euro) über üppig (zwei Empanada-Teigtaschen, die dem Haus den Namen geben, zu vier Euro) und mutig (gegrillte Garnelen mit äußerst aromatischem Knoblauch-Dip für fünf Euro) bis hin zu raffiniert (ein pikant und zugleich süß abgeschmeckter gegrillter Maiskolben mit Chili-Sauce für 3,60 Euro). Sie sind allemal gut zur Anbahnung einer Hauptspeise – etwa das Sepiaspießchen mit Aioli (3,70 Euro) zum Fisch; ab drei Tapas kann es aber auch ein guter Esser gut sein lassen. Und für ein abendfüllendes Getränk muss man nicht eigens nach oben gehen.
Der Sherry Marke Osborne sollte schon vor den Speisen genossen werden, etwa ein gediegener Fino oder ein edelfirniger Amontillado (3,50 Euro). Zu den Tapas selbst empfiehlt sich ein Wein, dessen Auswahl im „Empanada“ von Kennerschaft zeugt. Der Tempranillo (0,2 Liter: 4,20 Euro) offenbart alle Vorzüge eines mittelschweren Rotweins spanischer Herkunft: Er setzt Akzente, ohne zu dominieren. Sein Landsmann mit Namen „Viña Maerquesa Monastrell Crianza“ erweist sich für zehn Cent weniger als vollmundiger wie komplexer Tropfen. Ein dritter Spanier („Marqués de Balestar Macabeo“, 0,2 Liter: 3,60 Euro) drängt sich ohne Säure, aber mit Frische als Begleiter zum Fisch auf. Zur Not tun es auch ein Radeberger Pils (0,4 Liter: 2,90 Euro) oder ein Apfelsaft (0,2 Liter: zwei Euro). Wasser gehört einfach dazu, auch wenn die 0,75-Liter-Flasche Selters mit 4,50 Euro teuer ist.
So kann der Spanien-Träumer mitten in Heppenheim sein kleines Glück finden, und doch verpasst er etwas. Denn unter dem Vorspeisen-Deckel hat die Küche noch etwas zu bieten. Eine Steinpilzrahmsuppe mit glacierten Maronen etwa (3,90 Euro), die keinen exzentrischen Teller gebraucht hätte, um aufmerken zu lassen. Was sich so liest: Red-Snapper-Filet auf Kirschtomaten-Limonen-Ragout mit gegrillten Scampi und roten Tagliatelle (22,50 Euro), muss nur halb so gut schmecken, wie es klingt; tatsächlich verdient die Zubereitung des auf einem Nudel-Scheiterhaufen gereichten Fischs großes Lob: zartes, aber festes Fleisch, exzellente Kruste.
In einer Art irdenen Wasch-Schüssel hat der Kaninchentopf Mallorquina (14,50 Euro) seinen Auftritt: in Olivenöl geschmorte Kaninchenteile mit Thymian, Tomate, Zwiebel, Wurzelgemüse, (viel) Knoblauch und Kartoffel – üppig und appetitlich, aber nichts für empfindliche Mägen. Spanien-Verweigerer können auf ein Wiener Schnitzel mit Pommes frites zurückgreifen, das mit 14,80 Euro zwar nicht billig, aber gelungen ist.
Für den unwahrscheinlichen Fall, dass dann noch jemand Hunger hat, steht die Creme Catalana (5,80 Euro) bereit, ein kandierter Vanillepudding. Der doppelte Espresso zum Finale (drei Euro) hält nicht ganz das Niveau, stört aber auch nicht weiter.
Einzelne Besucher, so verrät das elektronische Gästebuch, haben sich dagegen am Service im „Empanada“ gestört. Ganz bestimmt nicht gemeint ist die Bedienung am Test-Abend: Den Kindern zugetan und zuvorkommend macht sie ihre Arbeit. Weil sie auch noch fix ist, muss man anderweitig Zeit schinden, um zu den Klängen der Gypsy Kings und von Marquess das Ambiente einzusaugen: Gedeckte Farben bewahren gemeinsam mit dem Licht trotz der großen Fenster im Erdgeschoss die Intimität; reizvoll korrespondiert das Fachwerk mit Azulejos, den oft in Blautönen gehaltenen spanischen Kacheln. Wer dieses Haus vor zehn Jahren gesehen hat, mag den Architekten ein „olé“ entbieten.
Dann kommt doch noch ein schlimmer Moment. Irgendwann ist der gastronomische Kurzurlaub nämlich vorbei. Dann tritt der Besucher hinaus auf den Großen Markt, und ihn empfängt ein März-Wetter, das ihm spanisch vorkommt.
Tapas-Bar & Restaurant Empanada
Großer Markt 6
64646 Heppenheim
Telefon: 06252 689471
Geöffnet montags bis freitags ab 18 Uhr,
samstags und sonntags ab 10 Uhr.
Raucherbereich: nein
Internet: www.empanada-heppenheim.de

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