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26. Februar 2007 aka

„Cubana“ in Darmstadt

Viele gute Zutaten auf einmal auf dem Tisch

„Der Genuss steht im Mittelpunkt, weil jeder Mensch ein Recht darauf hat“, lautet eine der Maximen von „Slow Food“, der internationalen Vereinigung von Gerne-gut-Essern, die sich in Reaktion auf „Fast Food“ das langsame Essen in die Statuten geschrieben hat. Denn bei „Slow Food“ ist man überzeugt: „Qualität braucht Zeit“, beim Kochen wie beim Speisen.

Das will geübt sein, wie viele wissen, die gern gut essen, dafür auch einige Zeit in der Küche oder bei der Fahrt zum Lieblingsrestaurant investieren – und dann im Schwuppdiwupp fast so schnell alles vertilgt haben wie mittags in der Kantine.

Schade nur, dass das Schuldbewusstsein der Gesundheit, den Geschmacksnerven oder dem guten Essen gegenüber so schnell verfliegt wie die Erinnerung an ein solches Mahl – beim nächsten Mal wird’s selten besser.

Dem modernen Menschen fehlt es ringsum an der Zeit, deshalb nimmt er sie sich selbst, wenn es zu Tisch geht. Das sollte auch den Köchen in der Gastronomie und ihren Chefs keine Freude machen: Die Arbeit der einen wird nicht gewürdigt, die anderen verkaufen das zweite oder gar dritte Schöppchen nur selten in der Hetze.

Umso eigentümlicher, dass die Dippegucker ausgerechnet im Darmstädter „Cubana“ das Gefühl bekamen, irgendwie gegen die Uhr zu essen. Nichts da von tropischer Gelassenheit.

Die Vorstellung, Ernest Hemingway (1899-1961), der auf vielen Fotos an den Wänden in der bis ins Detail auf Havanna getrimmten Gaststube mit den großen Windrotoren zugegen ist, hätte sich hier kaum zu Tode trinken können, weil ihm die Zeit dafür gefehlt hätte, ist gut für ein Grinsen – und ungerecht.

Denn an vielen Tischen, an denen nur das Bierchen, der Wein oder der Cocktail getrunken wurde, ging es gemächlich zu, und die jungen Leute an den Nachbartischen rechts und links haben sich ihr Tempo für Pizza, Lasagne oder große Tapas-Platte schließlich selbst gewählt. Sie wussten wohl, was sie wollten aus der riesigen Karte mit den lateinamerikanischen Spezialitäten hier, dem italienischen Pizza-Pasta-Standard da.

Die Dippegucker entschieden sich nach längerem Studium dieses überwältigenden Angebots für den Mojito (7,40 Euro) und den „Virgin“-Mojito (6,80) zum Start, für „Queso de Oveja“ (7,90) und „Povo Enpanado“ (7,20) aus dem riesigen Vorspeisenangebot, schließlich Rollero Cubanito (8,20) und Ropa Vieja (16,30) entschieden hatten.

Hemingways Mojito: die geniale Mischung aus weißem Rum, frischen Limetten und ihrem Saft, gerade gepflückten Minzeblättern, weißem Zucker und Sodawasser ist ein Cocktail ohne Schnick und Schnack, der im Cubana auch mit ebenso guten Zutaten auf den Tisch kam wie die alkoholfreie „jungfräuliche“ Version.

Doch zum sanften Eisstoßen mit dem Holzstäbchen, zum leisen Schlürfen mit dem breiten Trinkhalm blieben leider viel zu wenige Minuten: Kaum hatte die nette, bemühte Bedienung die Gläser auf den Tisch gebracht, kamen die Vorspeisen und (am schlimmsten!) der Weißwein und das Wasser auf den Tisch.

Was also tun? Die Cocktails aufgeben und zu Eiswasser mit Geschmack werden lassen? Oder erst einmal nichts essen, die Tapas kalt, den Wein dafür warm werden lassen? Es kam, wie es wohl bisweilen kommt in solchen Situationen: Die Dippegucker zeigten zu wenig Entscheidungskraft und nahmen sich so wohl manche Freude.

Vom Mojito zum Wein, dazwischen schnell ein Haps „Queso de Oveja“ – einer Komposition aus gebratenem Schafskäse mit Kräuterbutter und Pilz-/Pepperoni-/Zwiebel-Beigaben, die beim nächsten Besuch im „Cubana“ sicher wieder bestellt wird.

Nicht so überzeugend fiel dagegen die Komposition des „Povo Empanado“ aus. Den Putenbruststreifen im Curryteigmantel fehlte es an charakteristischer Würze genauso wie der allzu mild geratenen Chilisauce.

Alles war da wie von der Karte versprochen, so viele gute Zutaten haben Kubaner in den letzten Jahrzehnten des US-Embargos unter Castro wohl nur selten auf einmal auf den Tisch bekommen – noch immer wird dort abseits der großen Touristenhotels gegen die Not gekämpft.

Doch wurde auch beim „Rollero Cubanito“ aus Schweinefleischstückchen, Schafskäse, Spinat, Lauch, Paprika, Knoblauch, Joghurt- und Chilisauce sowie dem Käse vom Überbacken kein echtes sinnliches Vergnügen – in dieser Rolle gingen die guten Sachen kein geniales Miteinander ein.

Bleiben die Rindfleischstreifen mit Zwiebeln, Tomate, Paprika, Limettensaft, Wein – und Kartoffelrösti. Ob es diese Tiefkühl-Kartoffel-Dreiecke mittlerweile auch gibt in den Hotels von Varadero?

Den Dippeguckern erschienen sie jedenfalls so wenig original wie die braune Sauce, in der das Fleisch und all die anderen Sachen schier ertränkt wurden. Schade drum, denn Kuba ist in seiner fast vergessenen kolonial-lateinamerikanischen Küche allemal auch für gastronomische Entdeckungen gut.


Visitenkarte

Restaurant und Cocktailbar Cubana
Donnersbergring 20
64295 Darmstadt
Telefon: 06151 3911999

Raucherbereich: nein


Internet: www.cubana-darmstadt.com
 
 


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