Wer in Darmstadt von Rüsselsheims Gastronomie erzählte, wurde – lange Zeit nicht ganz zu Unrecht – milde belächelt. Das hat sich geändert. In die Opelvillen zog außer der überregional beachteten Kunsthalle „Mimmo“ Paride Nicoli mit seiner anspruchsvollen italienischen Küche ein. Im Restaurant „Navette“ im Hotel Columbia versuchte Volker Drkosch einen Michelin-Stern zu erkochen, den er dann im Düsseldorfer „Victorian“ zugesprochen erhielt. Und im Bauschheimer „Ambiente Italiano“ folgte Riccardo Re mit Koch Pedro Fernandes auf den Elsässer Christian Rubert mit seinem „L’herbe de Provence“.
Buer, 33 Jahre alt, hatte nach nur einem Jahr dem Restaurant Schellers im Bad Homburger Hardtwald-Hotel einen Michelin-Stern erkocht und wird wohl in Rüsselsheim nach ähnlichen Auszeichnungen streben. Ab 2012 soll deshalb ein Raum für kulinarische Höhenflüge eingerichtet werden. Erste optische Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten sind schon erkennbar.
Aktuell versucht Buer, sich auf mehreren Schienen dem Bekanntheitsgrad zu nähern, den er in und um Bad Homburg schon hatte. Da ist zum einen die Zusammenarbeit mit der künstlerischen Leitung der Kunsthalle. Hier könnte, so die Vorstellung, das Küchenangebot mit den jeweiligen Ausstellungsthemen eine Symbiose eingehen. Inzwischen wird das Restaurant auch zunehmend von Gruppen, Firmen und Institutionen gebucht. Außerdem versucht Buer, mit einem dreigängigen Mittagsmenü (24,50 Euro) auch während der Woche die lokalen und regionalen Feinschmecker mit seiner Küche vertraut zu machen.
Restaurant Christian Buer in den Opelvillen
Ludwig-Dörfler-Allee 9
65428 Rüsselsheim
Telefon 06142 8347239
Fax: 06142 8347248
Geöffnet Dienstag bis Samstag 12 bis 14.30 Uhr
und 18 bis 22 Uhr,
Sonntag 12 bis 14.30 Uhr.
Barrierefrei: nein,
Raucherbereich: nein
Internet: www.christian-buer.de
Um es vorwegzunehmen: Das könnte bei den Menschen gelingen, denen sehr gutes Essen wichtiger ist als ein rasch sättigender Imbiss, der nicht mehr als zehn Euro kosten darf. Das sonntägliche Drei-Gang-Menü gibt es für 39 Euro. Die Tageskarte ist überschaubar: eine Suppe, vier Vorspeisen (elf bis 15 Euro), drei Zwischen- und vier Hauptgänge (13 bis 28 Euro) und drei bis vier Desserts (acht bis 9,50 Euro).
Die Qualität entspricht den gehobenen Preisen. Das gilt für die Grundprodukte ebenso wie für die Zubereitung. Der marinierte Wildlachs wird mit verschiedenen Aggregatzuständen von roter Bete, grünem Apfel und Meerrettich so serviert, dass sowohl die einzelnen Aromen betont werden als auch das Zusammenspiel funktioniert. Der Methode, den Apfel als Geleewürfel oder den Meerrettich als Minihalbkugel aufgeschäumt zu präsentieren, begegnen wir auch bei Hauptgerichten mit Kokosschaum oder einer Birne Hélène, die man gleich drei Mal in verschiedenen Formen entdeckt: als Frucht, als konzentrierter Zwischenbelag auf einem Tortenriegel und halbgefroren.
Der halbe Hummer (22 Euro) steht mit sautiertem Blattspinat, Mango, jungen Kartoffeln (mit einem nicht zu definierenden Beigeschmack) und Koriander als Zwischengang auf der Karte, kann aber auch als kleine Hauptspeise dienen. Ähnliches gilt für das Maishähnchen (elf Euro), das nicht nur der Farbe wegen seine besondere geschmacksfördernde Aufzucht verrät. Es wird begleitet von Kopfsalat und erhält durch Erdnuss und Sesam eine ganz spezielle Aromenerweiterung. Das ist – wie alle probierten Gerichte aus Buers Küche – trotz manchmal ungewohnter Aromen ohne jede Effekthascherei.
Für die Desserts ist Patisserie-Chef Sebastian Straub zuständig, laut Selbstdarstellung im Internet maßgeblich am Erkochen des Sterns an Christian Buers vorheriger Wirkungsstätte beteiligt. Die schon erwähnte Birne Hélène, die einem Mittagsmenü zum köstlichen Abschluss verhalf, beweist sein Können ebenso wie beispielsweise eine Crème brûlée von Valrhona-Schokolade mit glacierten Bananenwürfelchen und Bourbon-Vanilleeis (neun Euro).
Der Weinkeller scheint gut bestückt zu sein und hält – für Leute, die dafür die richtigen Papillen und das gefüllte Portemonnaie haben – Flaschen bis 550 Euro bereit (1999 La Mondote, St. Emilion). Aber keine Sorge: Uns hat auch ein Vini et Vita vom Weingut Joachim Flick aus Flörsheim-Wicker geschmeckt, ein gaumenschmeichelnder Riesling, der als einer der angebotenen Tagesweine offen ausgeschenkt wird (4,50 Euro).
„Essen ist ein Bedürfnis. Genießen eine Kunst“ lautet Christian Buers Motto, dem er mit seinem handwerklichen Können und einem Sinn für harmonische Zusammenstellungen jederzeit gerecht wird. Ob allerdings sein Anspruch und die daraus folgende Preisstruktur das Lokal zu einem Restaurant für Rüsselsheim machen, darf bezweifelt werden. Schon „Mimmo“ Paride freute sich vor allem über Gäste aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet. Buer müsste sich einen ähnlichen oder noch weiter verstreuten Klientelkreis erkochen, um das angestrebte Niveau sich und den Opelvillen leisten zu können.

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