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12. Februar 2011 bet

Osteria „Culatello“ in Darmstadt

Restaurantkritik: Darmstädter „Osteria Culatello“ überzeugt mit bodenständiger italienischer Küche auf sehr solidem Niveau - Tisch-Reservierung empfiehlt sich

| Vergrößern | Monika Dentamaro, Chefin der „Osteria Culatello“, stellt die Kreidetafel mit den Gerichten des Tages auf den Gehsteig im Darmstädter Martinsviertel. Foto: Günther Jockel

An diesem Samstagabend gibt es einige lange Gesichter: Mehr als ein Paar ist hungrig wieder aus der Darmstädter „Osteria Culatello“ herausgegangen. Wer nicht reserviert hatte, für den war einfach kein Platz frei. Und diejenigen, die so schlau waren, hatten eigentlich auch nicht viel Platz zum Essen. Unser - rechtzeitig reservierter - Dreiertisch war wohl eher für zwei Personen gedacht. Ärgerlich, wenn dann die Bedienung versäumt, leere Gläser abzuräumen. Aber das ist auch das einzige, das an diesem Abend negativ auffiel, um es vorwegzunehmen.

Monika Dentamaro und ihr Mann haben die „Osteria Culatello“ im September eröffnet und bereits ihr Publikum gefunden, so scheint es. Unerfahren sind die beiden nicht in dem Gewerbe: Zuvor hatten sie ein Restaurant in Reinheim geführt.Der Gastraum ist nicht groß, also wird jeder Winkel zum Sitzen genutzt. Vor der Bar am Eingang stapeln sich beispielsweise Kisten mit Limetten. Der - vornehmlich italienische - Wein, der dort auch verkauft wird, ist in einem riesigen Regal gelagert. Eng, aber gemütlich, so könnte man die Räume beschreiben, und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Keramik-Teller zieren die Wände, auch ein Bild des Schweinchens vom Außenwerbeschild fehlt nicht, man ist ja im Watzeviertel zu Gast. Die große Anrichte, auf der Weißbrot und Schinken geschnitten wird, lässt Wohnstuben-Atmosphäre aufkommen. Schwarze Kreidetafeln ergänzen die kleine Speisekarte. Offene Weine werden hierauf aufgelistet sowie die frischen, tagesaktuellen Speisen.

Der Prosecco mit hausgemachtem Bratapfelpunsch (vier Euro) sticht sofort ins Auge. Eine Aperitif-Variante, die bestens in den Winter passt und mit einem aromatischen Apfelstückchen versehen ist. Acht Gerichte stehen auf der Tafel, wobei sich die Küche flexibel zeigt, ob man den Gang als Vor- oder Hauptspeise wählt.
Wir starten mit Winter-Salaten mit Orange, Walnüssen und geräucherter Gänsebrust (7,50 Euro). Besonders gut gefallen hat uns hierbei die fruchtige orangen-Vinaigrette. Die Gänsebrust entpuppt sich als ultra-zart.

Auch der Gemüsesalat mit Meeresfrüchten in Ingwer-Limetten-Vinaigrette (9 Euro) ist eine Geschmacksentdeckung: Tomaten, Bohnen, Erbsenschoten, Paprika dazu Garnelen mit Tintenfisch, eine Kombina tion, die ihren Kick durch die süß-saure Sauce erhält. Der Fenchel hat glücklicherweise nicht die Oberhand. Ein besonderer Genuss ist der Kokos-Lauch-Sud, der zu den knackigen Miesmuscheln hervorragend passt (zehn Euro). Dazu wird frisches Weißbrot mit köstlich zitronigem Olivenöl und grobem Meersalz gereicht.

Zur Vorspeise haben wir einen Sauvignon Bottega Vinai (0,2 Liter zu fünf Euro) gewählt. Der kommt bereits, als der Aperitif noch auf dem Tischchen steht, und ist noch immer nicht getrunken als die Hauptspeise kommt, zu der wir einen ausgezeichneten Primitivo aus dem apulischen Weingut Feudi di San Marzano (4,50 Euro) geordert haben. Das geht uns zu schnell, gerne hätten wir eine längere Verschnaufpause zwischen den Gängen gehabt. Um der voll ausgelasteten Küche die Arbeit an diesem Abend zu erleichtern, hätten wir das vielleicht schon bei der Bestellung erwähnen sollen. Andere Gäste, offensichtlich nicht das erste Mal hier, ordern nach und nach.

Die sizilianischen Kalbs-Involtini in Marsala-Soße mit Kartoffelpüree (14 Euro) zeigen, dass hier bodenständig gekocht wird, ohne Schnickschnack, aber auf einem sehr guten Niveau. Das Fleisch ist so zart, dass es bald auf der Zunge zerfällt, und das grob gestampfte Kartoffelpüree so sahnig, dass man auf die Soße eigentlich verzichten könnte, wäre sie nicht so raffiniert abgeschmeckt. Auch das Bistecca piccante mit Rosmarin-Kartoffeln gibt keinen Anlass zur Klage. Mit Wohlwollen wird das Steakmesser der Marke Laguiole zur Kenntnis genommen. Einzig die Ofenkartöffelchen haben kein Rosmarin abbekommen, der liegt auf dem gut medium gebratenen Steak. Überzeugt haben auch die selbstgemachten Paccherie mit frischem Tuna in einer pikanten Pizzaiola (11,50 Euro). An diesem Tag ist dies übrigens das einzige Nudelgericht auf der Tafel.

Trotz ordentlicher Portionen wird auf ein Dessert (jeweils vier Euro) nicht verzichtet, die Waage vorsichtshalber ein paar Tage ignoriert. Es lohnt sich. Als ein tolles Geschmackserlebnis entpuppt sich der geeiste Espresso mit Sahne. Was als „Käsekuchen“ angekündigt wird, ist eine Schichtfolge im Glas von Kekskrümeln, Mascarponecreme und Mango-Püree obenauf. Fruchtig, nicht zu süß, eine gelungene Mischung, die zudem noch toll aussieht. Beim halbgefrorenen Torrone mit Mandelstückchen wurde der Kalorienzähler ausgeschaltet, die Glückshormone dafür aktiviert. Ein Espresso (1,50 Euro) sowie ein weicher Grappa die Langa von Bocchino (5,50 Euro) runden das Essen trefflich ab.

Visitenkarte

Osteria Culatello
Mauerstraße 6
64289 Darmstadt
Telefon: 06151 9615333

Geöffnet ab 18 Uhr,
Sonntag und Montag Ruhetag.

Kein Raucherbereich,
kein barrierefreier Zugang.

Solider Italiener mit fairen Preisen bei kleineren Schwächen im freundlichen Service.

 
 


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