Heute ziert den Giebel des traditionsreichen Gasthauses in Jugenheim immer noch das „Drei Mohren“-Schild. Ein Stockwerk darunter aber kündet „Vino Vita“ von der Neuausrichtung als Weinrestaurant. Und drinnen? Da empfängt die Gäste ein durch viel dunkles Holz dominiertes Ambiente, samtrot bezogene Bänke und Kissen, Hängelampen im Tiffany-Stil und eine geschmackvoll dezente Dekoration, die dem Ganzen eine heimelige Atmosphäre verleiht. Dass man sich rundum gemütlich fühlt, ist auch der freundlichen, aufmerksamen aber unaufdringlichen Bedienung zu verdanken. Sie hatte allerdings an diesem Abend keinen allzu großen Gästeandrang zu verkraften.
Weinrestaurant Vino Vita
Pauerweg 2
64342 Seeheim-Jugenheim
Telefon: 06257 5062366
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 17 bis 1 Uhr,
Montag Ruhetag.
Raucherbereich: nein.
Für Rollstuhlfahrer schlecht geeignet.
Gemütliche Einrichtung. Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Freundlicher Service.
Die herzhaft deftige Suppe plus frische, lockere Baguette-Scheiben könnten nicht so hungrige Gäste beinahe schon zufrieden satt machen. Andere Gäste ließen sich als knusprige Begleiter zum Wein einen Flammkuchen schmecken. Auf uns warteten aber schon die Hauptgerichte: eine Keule von der Gans und ein Hirschfilet.
Das vorweihnachtliche Gansgericht (19,20 Euro), das als aktuelle Tagesempfehlung nicht auf der Karte stand, bestand aus einer ordentlich dimensionierten Keule, die zu unserer Überraschung zwar nicht kross gebraten war, aber dennoch alle Aromen hatte, die man erwarten konnte, und die ausgesprochen zart war. Dazu wurden die klassischen Beilagen serviert: eine kräftige Portion Rotkohl, ein in Rotwein gegarter Apfel und zwei Kartoffelklöße, deren Konsistenz und Geschmack mehr an ein fein gewürztes Püree erinnerte als an so manchen Kloß, der seine Verwandtschaft mit Tennisbällen kaum leugnen kann. Für Gäste, denen der feine Bratenjus nicht genug Flüssigkeit bot, gab es eine gut gefüllte Terrine mit einer hellen Pilzsahnesoße.
Das Hirschkalbfilet (19,80 Euro), genauer: zwei solide Stücke bestes Fleisch, waren auf den Punkt gebraten, butterzart und ein Muster für perfektes Wild, begleitet von mit Speckwürfeln gewürzten Rosenkohlröschen, einem vorzüglichen Kartoffelgratin mit genau dem richtigen Maß an Knoblauchduft, der zu Wildgerichten immer passenden Birne mit Preiselbeeren und einer eleganten Soße. Schade, dass die Magenkapazität nicht für beide Filets ausreichte. Das Pseudoproblem, sich ein Dessert auswählen zu müssen, hatte sich von selbst erledigt.

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