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16. Dezember 2011 jdh

„Vino Vita“ in Jugenheim

Die Restaurantkritik – Im Zeichen der drei Mohren: Das Lokal ist mehr als nur ein Weinrestaurant

| Vergrößern | Freundlicher Empfang in gemütlicher Atmosphäre: Mitarbeiterin Julika Rehn im „Vino Vita“. Foto: Alexander Heimann

Als vor beinahe elf Jahren der Dippegucker die „Drei Mohren“ besuchte, war sich Familie Singh Saini anscheinend noch nicht so sicher, ob sie das bis dahin italienische Angebot wirklich streichen oder wenigstens übergangsweise neben der bevorzugten indischen Essensvielfalt beibehalten sollte.
Heute ziert den Giebel des traditionsreichen Gasthauses in Jugenheim immer noch das „Drei Mohren“-Schild. Ein Stockwerk darunter aber kündet „Vino Vita“ von der Neuausrichtung als Weinrestaurant. Und drinnen? Da empfängt die Gäste ein durch viel dunkles Holz dominiertes Ambiente, samtrot bezogene Bänke und Kissen, Hängelampen im Tiffany-Stil und eine geschmackvoll dezente Dekoration, die dem Ganzen eine heimelige Atmosphäre verleiht. Dass man sich rundum gemütlich fühlt, ist auch der freundlichen, aufmerksamen aber unaufdringlichen Bedienung zu verdanken. Sie hatte allerdings an diesem Abend keinen allzu großen Gästeandrang zu verkraften.
Gibt es im Weinrestaurant nur Wein? Oder höchstens ein bisschen Knabbergebäck? Selbstverständlich ist das Team der Familie Althaus, die im Stettbacher Tal auch den „Brandhof“ und im Hof Gräbenbruch bei Gernsheim das dortige Golfclub-Restaurant betreibt, stolz auf ihren nach eigenen Angaben „wohlsortierten Weinkeller“. Und in der Tat: Die Karte bietet zahlreiche offene Weine aus Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und Südafrika im unteren und mittleren Preissektor. So kostet ein duftig frischer Ventoux 2,95 Euro, ein volumenreicher Bordeaux vom Château Lagrange 4,95 Euro – beide Weine passend zu unseren gewählten Gerichten vom Service empfohlen.

Visitenkarte

Weinrestaurant Vino Vita
Pauerweg 2
64342 Seeheim-Jugenheim
Telefon: 06257 5062366

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 17 bis 1 Uhr,
Montag Ruhetag.

Raucherbereich: nein.
Für Rollstuhlfahrer schlecht geeignet.

Gemütliche Einrichtung. Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Freundlicher Service.

Was uns die charmante Dame nicht mit auf den kulinarischen Weg gab: die Mächtigkeit der Portionen. So begannen wir frohgemut mit einer sämigen, würzigen Kürbissuppe (5,90 Euro), zu der zwei Riesengarnelen gehörten, die sich am Tassenrand festhielten, um nicht aufzuweichen. Eine richtige und durchaus schmackhafte Idee, wenn man die kleinen technischen Probleme beim zivilisierten Verspeisen der Krustentiere mal beiseite lässt.
Die herzhaft deftige Suppe plus frische, lockere Baguette-Scheiben könnten nicht so hungrige Gäste beinahe schon zufrieden satt machen. Andere Gäste ließen sich als knusprige Begleiter zum Wein einen Flammkuchen schmecken. Auf uns warteten aber schon die Hauptgerichte: eine Keule von der Gans und ein Hirschfilet.
Das vorweihnachtliche Gansgericht (19,20 Euro), das als aktuelle Tagesempfehlung nicht auf der Karte stand, bestand aus einer ordentlich dimensionierten Keule, die zu unserer Überraschung zwar nicht kross gebraten war, aber dennoch alle Aromen hatte, die man erwarten konnte, und die ausgesprochen zart war. Dazu wurden die klassischen Beilagen serviert: eine kräftige Portion Rotkohl, ein in Rotwein gegarter Apfel und zwei Kartoffelklöße, deren Konsistenz und Geschmack mehr an ein fein gewürztes Püree erinnerte als an so manchen Kloß, der seine Verwandtschaft mit Tennisbällen kaum leugnen kann. Für Gäste, denen der feine Bratenjus nicht genug Flüssigkeit bot, gab es eine gut gefüllte Terrine mit einer hellen Pilzsahnesoße.
Das Hirschkalbfilet (19,80 Euro), genauer: zwei solide Stücke bestes Fleisch, waren auf den Punkt gebraten, butterzart und ein Muster für perfektes Wild, begleitet von mit Speckwürfeln gewürzten Rosenkohlröschen, einem vorzüglichen Kartoffelgratin mit genau dem richtigen Maß an Knoblauchduft, der zu Wildgerichten immer passenden Birne mit Preiselbeeren und einer eleganten Soße. Schade, dass die Magenkapazität nicht für beide Filets ausreichte. Das Pseudoproblem, sich ein Dessert auswählen zu müssen, hatte sich von selbst erledigt.

 
 


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