Hat eigentlich mal jemand gezählt, wie viele italienische Restaurants es in und um Darmstadt gibt? Von der billigen Stehpizzeria angefangen bis hin zum Nobeletablissement für die dicke Geldbörse? Das wäre eine ziemlich langwierige Angelegenheit mit einem mutmaßlich dreistelligen Ergebnis. Nichts essen die Heiner offensichtlich so gern wie Pizza und Pasta.
Wer zusätzlich in diesen Markt drängt, muss sich also genau überlegen, wie er es schaffen kann, dass die Gäste ausgerechnet seine Spaghetti um die Gabel wickeln wollen. „Alleinstellungsmerkmal“ heißt das im neudeutschen Business-Sprech.
Ein solcher Neuling ist seit ein paar Monaten das „Vicino“ am Darmstädter Mathildenplatz. „Vicino“ kann man etwas frei mit „um die Ecke“ oder „beim Nachbarn“ übersetzen, ein Lokal also, wo man mal eben nach dem Einkauf oder zum Feierabend vorbeischauen kann. Das haben die Dippegucker jetzt getan.
Ristorante Vicino
Mathildenplatz 8
64283 Darmstadt
Telefon: 06151 9186957
Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag 11 bis 15
und 17 bis 22 Uhr.
Barrierefrei: nein,
Raucherbereich: nein
Internet: www.vicino-darmstadt.de
Italienisches Restaurant in zentraler Innenstadtlage. Erfreuliche Küchenleistung. Insgesamt gutes Preis-Leistungsverhältnis.
Ein Blick auf die Homepage verrät, dass sich das Restaurant als „City-Italiener“ versteht. Wer durch die großen Schaufenster blickt, ahnt, was damit gemeint ist: Bei der Einrichtung wurde auf toskanische Tontöpfe, steinerne Pizzawerfer und gemalte Sonnenuntergänge verzichtet. Statt dessen sorgen strenge Formen und dunkles Holz für ein modernes Ambiente, ein bisschen Restaurant, ein bisschen Lounge. Dazu passt, dass der Service auf die Kellnerkluft verzichtet und in gepflegter Alltagskleidung bedient.
Dem Auftakt folgte ein insgesamt ebenso erfreulicher Hauptgang. Die mit frischen Zutaten – Cocktailtomaten, Parmaschinken, Rucola – belegte Pizza (8 Euro, mittlere Größe) hat uns gut geschmeckt, ebenso die Scaloppina Romana (14 Euro) mit ihrer würzigen Weißweinsoße. Die dünnen Fleischscheiben waren sehr zart, als Beilagen hatten wir Tagliatelle und Gemüse (Brokkoli und überbackenen Spinat) gewählt. Auch beim medium gebratenen Rumpsteak in Barolo-Sauce (16,50 Euro) überzeugte uns die Fleischqualität, in der Soße hätten wir das Rotweinaroma allerdings gern etwas deutlicher geschmeckt. Die Spaghetti Carbonara hoben sich positiv von vergleichbaren Angeboten ab, weil wir den Schinken nicht mit der Lupe suchen mussten und die bissfesten Nudeln auch nicht in Sahnesoße ertränkt waren.
Auf der Speisekarte steht als Dessert lediglich das klassische Tiramisu (4,50 Euro). Das lohnt eine Kostprobe. Ebenso lohnend ist aber die Frage nach einer Alternative, die bei unserem Besuch mit tagesfrischer Panna cotta (4,50 Euro) beantwortet wurde, dazu wahlweise Frucht- oder Karamellsoße.
Ein Wort noch zu den Getränken: Sieben Euro beispielsweise für ein Glas Lugana empfanden wir als überzogen, auch wenn uns der Wein gut geschmeckt hat. Solche Beträge passen nicht zum insgesamt angemessenen Preisgefüge. Unseren positiven Gesamteindruck hat das zwar an jenem Abend nicht getrübt, einen Hinweis ist es den Dippeguckern aber dennoch wert.
Die offiziellen Öffnungszeiten übrigens sollte man nicht so genau nehmen. Beim Besuch der Dippegucker und auch an anderen Tagen herrschte nach 22 Uhr noch reger Betrieb, und auch die Küche hatte ihren Dienst noch nicht eingestellt.

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