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24. Dezember 2010 kl

„Taormina“ in Griesheim

Die Restaurantkritik: Das »Taormina« in Griesheim bietet gehobene italienische Küche zu meist moderaten Preisen - Frische Nudeln mit kuriosen Namen

| Vergrößern | Ein Stück Italien am Rande von Griesheim: Das Ristorante Taormina. Foto: Günther Jockel

Ein bisschen unscheinbar, fast am westlichen Ortsausgang von Griesheim, liegt das Ristorante »Taormina«. Alberto Grida und Gino Batilde bekochen hier seit Jahren ein treues Stammpublikum - natürlich italienisch. Auf der Qualitäts- und Preisskala ist das »Taormina« irgendwo in der Mitte zwischen einfacher Pizzeria und Edel-Italiener angesiedelt - wobei die Qualität der Küche größere Ambitionen verrät, die Preise jedoch die Bodenhaftung nicht verlieren. Dies dürfte den regen Zuspruch der Kundschaft erklären. Auch unter der Woche ist es ratsam, sein Kommen anzukündigen. An einem Donnerstagabend in der Vorweihnachtszeit waren jedenfalls alle Tische rasch besetzt.Die Karte im »Taormina« ist umfangreich, dank des Baukastenprinzips der italienischen Küche ist das auch kein Hexenwerk. Ein sizilianischer Schwerpunkt - die namensgebende Stadt liegt an der Ostküste dieser Insel - ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Bei den Nudelgerichten etwa kommt auch die fleisch- und sahnereiche Küche des Nordens zu ihrem Recht.

Wohltuend fällt auf, dass im »Taormina« neben aufwendigen und entsprechend höherpreisigen Fisch- und Fleischgerichten auch die schnelle Pizza angeboten wird, für die sich manche italienische Gastronomen leider zu fein sind. Deshalb an dieser Stelle zuerst ein Extralob für die vorzügliche Pizza Napoli (sechs Euro), die dampfend mit knusprig-dünnem Boden aus dem Ofen kam. Eine erfreulich milde Tomatensoße und reichlich Mozzarella - genau so wünschen wir uns eine gute Pizza. Die überschaubare Salzfracht der Grundzutaten ist wichtig, weil der Teigfladen dann auch noch intensiv gewürzte Beigaben wie Sardellen, Salami oder Kapern verträgt.

Bei den Vorspeisen fiel die Wahl auf zwei Variationen mit Meeresfrüchten. Der Fischsalat (elf Euro) war klassisch mit Zitronensaft und Olivenöl angemacht, wodurch die Tintenfischstücke und Shrimps ihr frisches Aroma entfalten konnten. Auch der obligatorische, fein geschnittene Staudensellerie fehlte nicht. Etwas fade erschien uns der Rucola, auf dem das Meeresgetier gebettet war. Ein paar Blätter Radicchio, der auch im Winter Saison hat, wären eine Alternative gewesen.

Absolut nichts zu beanstanden gab es bei den Scampi in Kräutersoße (acht Euro). Die Soße auf Tomatenbasis mit Zwiebeln und Petersilie war wunderbar leicht und frisch, die Garnelen auf den Punkt gegart. Beides harmonierte prächtig, und die Portion war so großzügig bemessen, dass sie locker als Hauptgericht durchginge. Der vom sehr aufmerksamen Service empfohlene Chardonnay (3,70 Euro für 0,25 Liter) passte gut.

Bei den Hauptgerichten konnte die Küche das gute Niveau halten. Aus dem Angebot der frischen Nudeln wählten die Tester zum einen die »Paglia e fieno« mit Pfifferlingen (zehn Euro). »Heu und Stroh«, so die Übersetzung, sind meistens grüne (mit Spinat gefärbte) und helle Bandnudeln oder Spaghetti, so auch im »Taormina«. Die Nudeln hatten einen schönen Biss, für die richtige Verbindung mit den edlen Pilzen sorgte eine milde Soße auf Sahnebasis.

Auch die »Strozzapreti« mit Radicchio (8,70 Euro) waren frisch zubereitet. Die knapp fingerlangen Nudeln erinnern an eine eingedrehte doppelte Kordel und tragen den schönen Namen »Pfaffenwürger« - in Italien ein Klassiker. Ungewöhnlich für die deutsche Küche ist die Kombination mit der roten Zichorie, die hierzulande praktisch nur als Salat auf den Tisch kommt. Der zunächst in der Pfanne mit Zwiebeln gebratene und Sahne versetzte Radicchio gab dem Gericht dank der Bitterstoffe eine schöne feinherbe Note - eine interessante Variation nicht nur für Vegetarier.

Dass die Küche des »Taormina« auch mit Fleisch umzugehen weiß, hat sie an diesem Abend mit dem Rinderfilet mit grünem Pfeffer (19,50 Euro) bewiesen. Das Fleisch war wie bestellt innen schön rosa, zudem außerordentlich zart und gut im Geschmack. Die Pfeffersoße verbreitete ihr kräftiges Aroma, ohne zu sehr zu dominieren. Nur die als Beilage gereichten grünen Bohnen erschienen etwas blass. Die fehlende Farbe steuerte dafür der Gaudium Rosso Borgo Santo bei. Der kraftvolle Sizilianer aus der Traube Nero d'Avola lag mit 4,70 Euro für 0,2 Liter preislich zwar an der Schmerzgrenze, doch war er sein Geld allemal wert.

Visitenkarte
Ristorante Taormina
Hintergasse 12
64347 Griesheim
Telefon: 06155 828277

Geöffnet täglich von 11.30 bis 14.30 Uhr
und 17.30 bis 23.30 Uhr.
Mittwoch Ruhetag.

Barrierefrei: nein,
Raucherbereich: nein

Sehr gute italienische Küche zu vergleichsweise moderaten Preisen, angenehme Atmosphäre, überaus freundlicher Service.
 
 


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