Noch ein Italiener mit Pizza, Pasta und Pesto? Die Konkurrenz auf diesem Feld ist groß – gerade in Darmstadt und Umgebung. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass Francesco Esposito einen etwas anderen Weg gewählt hat. Seit etwa einem halben Jahr betreibt er in der Seeheimer Straße in Eberstadt seine „Rosticceria Paninoteca Sorrento“ und hat damit ein Stückchen neue Esskultur nach Darmstadt gebracht. In der Rosticceria besorgt man sich normalerweise Vorgegartes oder frisch zubereitete Kleinigkeiten, um sie zu Hause zu genießen. In der Paninoteca gibt es mit allerlei Zutaten veredelte Brötchen (Panini), die am besten gerade erst den Pizzaofen verlassen haben. Und Sorrento ist ein Städtchen in der italienischen Region Kampanien, südlich von Neapel gelegen.
Wenig italienisch ist allerdings das Ambiente des Gastraums. Die klassische Holzmöblierung und die mächtige Theke mit Zapfhahn erinnern an ein deutsches Wirtshaus, einzig die große Fensterfront zur Seeheimer Straße fällt ein wenig aus dem Rahmen; bei gutem Wetter können die Gäste auch an ein paar kleinen Tischen draußen sitzen; allerdings kommt einem dort die Straßenbahn ziemlich nahe.
Eine der feinen Kleinigkeiten, die es in der Eberstädter Rosticceria zu entdecken gibt, sind die sizilianischen Reisbällchen („Arancini“, 2,80 Euro). Hier handelt es sich um ein einzelnes, recht stattliches Exemplar. Eine krosse Kruste umschließt die weißen Körner. Wer sich nach innen vorarbeitet, stößt auf eine würzige Füllung aus Fleisch und Gemüse.
Rosticceria Paninoteca Sorrento
Seeheimer Straße 2
64297 Darmstadt-Eberstadt
Telefon: 06151 9515085
Geöffnet dienstags bis freitags
sowie sonntags 11.30 Uhr bis 14.30 Uhr
und 18 bis 23.30 Uhr;
samstags 18 bis 23.30 Uhr;
montags geschlossen.
Barrierefrei: wenige Stufen am Eingang,
Raucherbereich: nein
Italienische Küche abseits ausgetretener Pfade, reiche Auswahl an kleinen Gerichten, frische Nudeln und hochwertige Fischgerichte zu günstigen Preisen, sehr freundlicher Service.
Nicht ganz überzeugend waren an diesem Abend die Panzarotti, größere, gefüllte Teigtaschen. Die ausgewählte Variante (drei Euro) war mit Käse und Schinken bestückt, doch nicht weiter veredelt, etwa mit frischen Kräutern. Das Ergebnis war geschmacklich ein wenig langweilig. Prima dagegen die Crocche, eine eierförmige große Krokette aus Kartoffelteig mit Mozzarella-Füllung (2,50 Euro).
Die Überraschung des Abends war vielleicht der Kartoffelsalat auf neapolitanische Art (4,50 Euro): Kartoffelstücke, Thunfisch, Oliven, Parmesanraspel, Tomaten, Kräuter und Olivenöl – eine für Mitteleuropäer ungewöhnliche Kombination, die jedoch vorzüglich schmeckt und unbedingt zur Nachahmung empfohlen ist.
Bei den Brötchenvarianten fiel die Wahl auf Focaccia. Das meist auf großen Blechen gebackene Fladenbrot ist eine Säule der italienischen Küche, die man in Deutschland jedoch erstaunlich selten auf der Karte findet. Ursprünglich stammt die Focaccia aus Ligurien, längst gibt es jedoch in allen Regionen des Stiefels zahlreiche Varianten; in Apulien etwa werden dem Teig Kartoffeln zugesetzt, wodurch die Focaccia besonders locker und knusprig aus dem Ofen kommt. Beim Belegen sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt.
In Eberstadt werden die portionsgerechten Fladen aus Pizzateig gebacken, anschließend belegt und dann warm serviert. Beide getesteten Varianten, die Focaccia Marinara mit Tomatenstückchen, Oliven und Sardellen (3,80 Euro) und die Focaccia Ricotta mit einer Tomaten-Käse-Paste (3,80 Euro) waren sehr ordentlich.
Auch jenseits der imbissähnlichen Kleinigkeiten hat die Eberstädter Rosticceria etwas zu bieten. Kalbskoteletts, Lammfilet, Zackenbarsch und eine Dorade fanden sich auf der Tageskarte, außerdem vier Varianten frischer Nudeln. Und alles, was an diesem Abend auf den Tisch kam, überzeugte. Die beiden kleinen Filets der Dorade in Weißweinsoße mit Blattspinat (14,50 Euro) waren butterzart und fein abgeschmeckt. Die Linguine mit Seeteufel (10,50 Euro) wurden in einem leichten Tomatensugo serviert. Dessen Säure und der frische Basilikum harmonierten schön mit dem Aroma des edlen Fischs, der sich reichlich in den Tiefen den Tellers fand. Auch die Agnolotti mit Steinpilzfüllung (8,50 Euro) waren tadellos: außen ein bissfester Teig, innen viel Pilz, dazu eine milde Sahnesoße.
Bei so viel durchaus hochwertiger Küche erscheint das Weinangebot noch ausbaufähig. Der offen servierte Frascati (3,50 Euro 0,2 Liter) erschien ein wenig flach; kräftig, voluminös und vergleichsweise günstig dafür der Primitivo (3,50 Euro). Ein paar höherwertige Flaschenweine wären aber sicher eine Bereicherung der Karte.
Auch einen Nachtisch sucht man dort noch vergeblich. Wer mit etwas Süßem abschließen will, kann jedoch aus einer Reihe kleiner Gebäckvarianten (1,60 Euro das Stück) wählen. Sie sind mit verschiedenen Cremes gefüllt und passen gut zu dem wunderbar kräftigen Espresso (2 Euro), den Francesco Esposito zum Abschluss gerne in dicken Tässchen serviert.

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