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Italienische Gastlichkeit in der Mehrzweckhalle von Spachbrücken: Das Ristorante Sicilia. Foto: Karl-Heinz Bärtl
Wir geben es zu: Gelegentlich sind auch die Dippegucker voreingenommen. Ristorante ,,Sicilia", Mehrzweckhalle Spachbrücken, lautete der jüngste Auftrag. 20 Kilometer Anfahrt? Für Pizza und Pasta, die man doch eigentlich an jeder Ecke bekommt? Aber dann meinte ein Kollege aus Reinheim, dem wir beiläufig von unserem Termin erzählten: ,,Den wollte ich dir schon immer mal empfehlen. Das ist ein Geheimtipp." Anfängliche Skepsis wich einer gewissen Erwartung, zumal dieser Kollege eine durchaus verlässliche Quelle ist, was Essen und Trinken angeht. Und auch in diesem Fall hat er, das sei vorweggenommen, sich nicht geirrt.
Bequeme Stühle mit Korbgeflecht und hohen Lehnen, dunkles Holz, cremefarbene Tischwäsche, geschmackvolles Ambiente - schon der erste Eindruck erhärtete unseren Verdacht, dass dem Gast im Ristorante ,,Sicilia" mehr geboten werden soll als italienische Durchschnittsgastronomie. Der Blick auf die Karte bestätigt das. Die enthält natürlich all die Klassiker, die man überall findet: Pizza Mista, Spaghetti Bolognese oder Tortellini Panna. Darüber hinaus sind aber auch Nudel- und Fleischgerichte aufgeführt, die vom Standard etwas abweichen. Und es gibt eine sehr schöne Zusatzkarte mit Empfehlungen der Küche, hauptsächlich frisch gemachte Pasta.
Zur Vorspeise jedoch blieben die Dippegucker schon des Vergleichs wegen eher traditionell: ,,Prosciutto e Melone" (8 Euro), ,,Vitello Tonnato" (9 Euro) und ,,Tortellini in Brodo" (4 Euro). Zunächst erfreute uns die Küche aber mit Weißbrot und einem Schüsselchen eingelegter Oliven, die uns mit ihrem zarten Knoblaucharoma gut gefallen haben - nicht übermäßig originell, aber doch eine angenehme Abwechslung zur sonst unvermeidlichen Bruschetta.
Die nach angemessener Wartezeit servierten Vorspeisen haben uns gut geschmeckt: Das Kalbfleisch war zart und ebenso wohltemperiert wie die dazugehörende Thunfischcreme. Die überzeugte uns zudem mit einem zwar würzigen, aber nicht zu deftigen Geschmack. Statt Weißbrot wurden dazu schmal geschnittene Pizzabrotstreifen geboten.
Handwerklich sehr solide und appetitlich waren auch Parmaschinken und Melone sowie Tortellinisuppe. Alle drei Vorspeisen wurden zudem optisch ansprechend auf hübschem Geschirr serviert - die Küche legt erkennbaren Wert auf die Präsentation.
Beim Hauptgang entschieden sich die Dippegucker für ein Fleischgericht von der Hauptkarte - Filetto al Pepe zu 16,50 Euro - sowie zwei Empfehlungen der Küche: Tagliolini ai cantarelli (8 Euro) und Rettangoloni ai crostacei (12,50 Euro).
Das Kalbsfilet kam wie bestellt medium gebraten und saftig-zart auf den Tisch. In der Soße hätten wir uns ein paar Pfefferkörner weniger gewünscht, aber das ist reine Geschmackssache. Als Beilagen hatten wir Pommes frites und einen Salat, der mit seiner etwas lieblosen Zusammenstellung und dem eher geschmacksarmen Dressing gegen den Rest des Gerichts abfiel.
Sehr gut gefielen uns die beiden Nudelgerichte. Die dünnen Bandnudeln (Tagliolini) kamen in einer sehr leckeren Rahmsoße mit vielen kleinen, zarten Pfifferlingen. Auf dem zweiten Teller fanden sich vier große schwarze Teigtaschen, die mit einem Mus aus Krustentieren gefüllt waren. Eine Weißweinsoße mit Tomatenstückchen, dazu gebratene Garnelen und Rucola ergaben eine ausgesprochen schmackhafte Komposition.
Schließlich noch der Nachtisch: Hier entschieden sich die Dippegucker für Vanilleeis mit heißer Schokolade (3,60 Euro) und eine Macedonia con gelato (4 Euro). Gerade letztere ist in Italien ein Klassiker an heißen Sommertagen - in Deutschland findet man sie hingegen eher selten auf der Speisekarte. Das mag daran liegen, dass Obstsalat zwar eigentlich nicht besonders kompliziert ist, aber doch Arbeit macht, sofern er wirklich frisch ist und nicht aus der Dose stammt. Daher kam der, den wir genossen haben definitiv nicht: die dünne Ananasscheibe als Unterlage ebenso wenig wie rote Johannisbeeren, Melonenstücke und die anderen Früchte. Zusammen ergaben sie genau jene Kombination aus Süße und Fruchtsäure, die einen guten italienischen Obstsalat ausmachen. Die Schokolade auf dem Vanilleeis, der anderen Nachspeise, war allerdings nicht heiß, sondern eher lau.
Knappe 80 Euro hatten die drei Dippegucker zum Ende des Abends auf der Rechnung - für drei Gänge und inklusive Kaffee und Getränken, wobei wir mit Rücksicht auf den Führerschein allerdings bei Cola und Apfelschorle geblieben waren. Dieser Betrag hat die Dippegucker auch im Verhältnis zur gebotenen Küchenleistung zusätzlich gefreut.
Visitenkarte
Ristorante Sicilia
Lessingstraße 2
64354 Reinheim-Spachbrücken
Telefon: 06162 1442
Montag bis Samstag 11 bis 14
und 17 Uhr bis 24 Uhr,
Sonntag 11 bis 14 und 18 bis 24 Uhr.
Dienstag Ruhetag.
Barrierefrei: ja,
Raucherbereich: nein
Italienisches Restaurant mit freundlichem Service, sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis, gute Küchenleistungen.
Internet:
www.ristorante-sicilia.de
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