Das „Ristorante Riviera“ gehört zu den italienischen geführten Traditionslokalitäten, die man fast schon unter Denkmalschutz stellen könnte. Es ist ein Ort, der für die Gastarbeiter-Integration durch deutsch-italienische Gastronomie steht. Wo das Reklameschild einer örtlichen Bierbrauerei über der Espresso-Maschine hängt und sich das Jägerschnitzel neben dem Piccata Milanese auf der Karte tummelt.
Im Sommer sitzt es sich gesäumt von mediterran-knallblau getünchten Außenwänden auf der großen überdachten Terrasse nahe des Woogs in der Tat ein bisschen wie an der Riviera in den siebziger Jahren. Da kann man nach Feierabend im Kreise der Familie oder mit Freunden ein bisschen Urlaubsstimmung tanken. Wenn es dafür wie zurzeit zu kalt ist, nimmt man drinnen Platz an Tischen, die mit weiß gestärktem Tuch bedeckt sind und auf hellem Kachelboden stehen im leicht ungemütlichen Deckenlicht.
Die berühmte italienische Gastfreundschaft wird einem hier nicht um die Ohren gehauen, sondern ganz unprätentiös gelebt. Das fängt bei den frischen Röschen in der Vase an und zieht sich über das ganze umfassende Speisenangebot, das für jeden Geschmack etwas bereithält. Allein die Schnitzelvariationen – von bewährt bis verspielt – füllen Seiten. Und dass es Spezialportionen für Senioren oder Kinder gibt, ist hier eine Selbstverständlichkeit.
Trotz der Riesenauswahl bleibt die Qualität der Küche nicht auf der Strecke. Der Rucola-Salat (5,60 Euro) ist frisch und angereichert mit würzigen Parmesanhobeln und wunderbar fruchtigem Olivenöl, das Geschichten aus Italien erzählt. Dazu gibt es warmes Pizzabrot frisch aus dem Ofen. Das schmeckt auch zu der Fleischbrühe mit Tortellini (4,20 Euro), die dank des Verzichts auf überbordenden Salzeinsatz eine feine Vorspeise ist.
Eine tolle Kombination ist die laut Wochenkarte aus der Backröhre stammende Seezunge mit Oliven und Kapern in Tomatensoße, Spinat und Kartoffeln (13,50 Euro). Oliven und Kapern bilden einen interessanten Kontrast zu dem milden Fisch in fruchtiger Soße. Sehr außergewöhnlich dazu ist der in einem Schüsselchen extra gereichte Blattspinat, der fast besser noch zu den mit Mozzarella gefüllten Gnocchi mit frischer Tomatensoße (9,50 Euro) passt. Die aus Kartoffelteig geformten Klößchen sind größer als üblich und von optimaler Konsistenz, zartschmelzend und fest. Aber ein bisschen größer hätte die Portion zu dem Preis schon sein können.
Eine süße Krönung zum Abschluss ist das Tiramisu (4,50 Euro), das selbst gemacht schmeckt und auf der Zunge zergeht. Zum gleichen Preis gibt es eine große Kugel Tartufo-Eis, deren schoko-vanilliges Inneres von einem knusprigen Schokoladenmantel umhüllt ist. Ganz im Sinne deutsch-italienischer Gastro-Freundschaft passt dazu hervorragend ein Glas Apfelsaft – stilecht serviert im gerippten Glas. So schmeckt Tradition mit Integrationskraft.

Merken
|










