Für die deutschen Dippegucker ist „Pulcinella“ mit dem kleinen Raum drinnen und der größeren Terrasse draußen dagegen zunächst im Sinne des Wortes der „Italiener an der Ecke“ – hier dank der markanten Lage im Seeheimer Straßenbild kaum zu übersehen.
Die Karte verspricht viel, vielleicht zu viel: Weit über 100 Posten sind gelistet, eine Menge für dieses eher kleine Haus. Darunter sind die üblichen Salate, Pizzen, Pasta, Risotto.
Aber da sind auch Angebote, die beim Kartenstudium aufmerken lassen. Mehrere Kalbslebergerichte beispielsweise, die in Italien weit häufiger serviert werden als hierzulande. Oder „Involtini alla Sorrentina“: Fleischröllchen, die Gorgonzola in sich bergen sollen.
Das Lammfilet Balsamico (13,50 Euro) ist sicher ebenfalls etwas Besonderes: Schon beim Lesen des Angebots wurde der Mund wässrig. Denn Lammfilet findet sich selten im Restaurant-Angebot, obwohl es eine Delikatesse sein kann, und die Sauce, die vom Balsamico-Essig geprägt wird, gibt es wohl noch seltener.
Zart soll beides im Idealfall sein, das Fleisch auf den Punkt mit rosa Innerem gebraten, die Fond-Sauce dazu von einem fruchtigen weichen Essig nicht erschlagen. Ein Traum, der sich im Ristorante-Tagesgeschäft aber wohl kaum erfüllen lässt. Beim Essen musste das sehr leckere Lamm aus der Sauce gerettet werden, damit seine Qualitäten zur Geltung kamen. Und am Ende blieb für den Geschmack der Dippegucker viel Säure im Mund.
Ganz anders bei der gebratenen Seezunge in Butter (18 Euro). Ihr fehlte der letzte geschmackliche Pfiff (feine Kräuter vielleicht?), und die sehr dunkle Kruste machte den Eindruck, als sei der schöne Fisch zu harsch gegrillt worden.
Hier zu viel Würze, dort zu wenig, alles in allem zum Wiederkommen aber durchaus anregend. Denn beides würden die Dippegucker wiederbestellen, mit der Hoffnung, dass es dann auch in den Details besser gelingt. Schließlich ist die gemischte Vorspeisenplatte (9,50 Euro) nicht nur reizvoll in der Mischung. Sie lockt vor allem mit einem Meeresfrüchtesalat, der den Tintenfischstückchen dank passend milder Würze den Eigengeschmack lässt.
Dazu erlebt der erfahrene Schnitzelesser am Tisch, wie groß, fein geklopft, gewürzt und paniert ein angeblich kleines Schnitzel aus der Kinderkarte sein kann (6,50 Euro).
Beim nächsten Mal kann alles klappen im „Pulcinella“, und auch der ansonsten aufmerksame und liebenswerte Kellner wird dann nicht übersehen, dass das Tablettchen mit Essig, Öl und Gewürzen für ein Salatdressing auf dem Tisch fehlt.
Das Gefühl scheint sich da sicher. Schließlich plaudern ja auch die Italiener am Nebentisch angeregt und essen ganz offensichtlich mit Laune und Lust.

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