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06. November 2010 kl

„GioCa“ in Groß-Umstadt

Restaurantkritik: Italienische Küche von erlesener Qualität - Frische Pasta, seltene Pilze, gute Weine

| Vergrößern | Schaufenster des guten Geschmacks: Das Ristorante GioCa in Groß-Umstadt. Foto: Günther Jockel

Die Konkurrenz in der italienischen Gastronomielandschaft ist auch oberhalb der Pizza-Niederungen groß. Deshalb gehört Klappern in der Szene zum Handwerk. »Besondere Kreationen der gehobenen italienischen Küchenkultur« sowie »ein kreativ-kulinarisches Angebot für Gourmets und solche, die es werden wollen« verspricht das »GioCa« in Groß-Umstadt seinen Besuchern. Eigenwerbung dieser Art hat man schon öfter vernommen, und nicht immer wird das Versprechen eingehalten. Doch das ist beim »GioCa« nicht zu befürchten. Am Rande der Altstadt gelegen, fällt es schon durch seine ansprechende Gestaltung auf. Die Fassade ist fast komplett aus Glas, so dass man von der Straße wie durch ein Schaufenster auf das Treiben im Innern schaut. Der Gastraum ist funktional-modern in hellen Farbtönen gehalten und kommt ohne die übliche Italiener-Folkore aus.

An dem Freitagabend des Testbesuchs waren rasch sämtliche Tische besetzt. Wer zu spät kommt, kann die Wartezeit in der abgetrennten Weinbar überbrücken, die ebenfalls zum »GioCa« gehört. Der Name ist übrigens eine Kombination aus den Vornamen der beiden Gastgeber: Giordano Frigerio hat der Service unter sich, Carmelo Fogliani die Küche.

Die Karte ist recht schmal: ein paar Vorspeisen, drei Suppen, ein bisschen Fisch und Fleisch, dafür recht viele Pasta-Gerichte. Meist werden Klassiker offeriert, die Handschrift der Küche soll sich wohl in den Details zeigen. Außerdem gibt es eine Tageskarte, die an diesem Abend stark auf das Thema Trüffel ausgerichtet war.

Pizza findet sich nicht auf der Karte, es gab sie bei unserem Besuch aber doch: ein streichholzschachtelgroßes Stückchen auf einem Teller kombiniert mit einem Büschel Feldsalat, einem Bröckchen Parmesan und einer Artischocken-Creme, dazu Weißbrot und ein Schälchen Olivenöl. Diese erste Visitenkarte der Küche ließ Freude aufkommen.

Das Carpaccio vom Odenwälder Rind wählten die Tester in der bescheidenen Variante, also mit Balsamico, Parmesan und Rucola (9,50 Euro), aber ohne die weißen Trüffel aus Alba (25 Euro). Die hauchzarten rohen Filetscheiben waren ein Genuss, die klassischen Beigaben taten ein Übriges. Ebenso gefielen der Feldsalat in Himbeerdressing mit Apfelstreifen und geröstetem Speck (6,80 Euro) sowie die Parmesansuppe mit Croûtons (fünf Euro).

Nicht recht überzeugen konnten hingegen die Garnelen im Speckmantel an einem Salatbouquet und exotischem Dip mit Ingwer (12,90 Euro). Zwar waren die drei großen Garnelen von erlesener Frische und perfekt gebraten; doch wurden ihre feinen Aromen vom Speck fast ganz übertönt. Auch die aparte Soße, die kaum nach Ingwer, aber intensiv nach frischen Cherrytomaten schmeckte, hatte kaum eine Chance sich zu entfalten.
Eine große Rolle spielen im »GioCa« die Pasta-Varianten. Gedacht als Zwischengang, taugen sie auch zum Hauptgericht, weil die Portionen entsprechend gestaltet sind. Die meisten Nudeln, so verspricht es die Karte, werden in der Küche frisch zubereitet, und es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln. Die Spaghetti Carmelo (8,90 Euro) waren hervorragend - und ein Beleg für den Charme der einfachen Küche. Frische Pasta, ein gutes Olivenöl, Knoblauch und reichlich grob verkleinerter Parmesan; dazu ein guter Roter, in diesem Fall ein kraftvoller Primitivo del Salento (4,50 Euro): Mehr braucht es nicht für ein gutes Essen.

Und doch gab es noch eine Steigerung: Die mit Schmorbratenragout gefüllten Tortelli in Herbsttrompetensoße (13 Euro) waren die Entdeckung des Abends. Dieser etwas unheimlich aussehende Pilz wächst in Buchenwäldern und findet sich nicht auf jeder Speisekarte. Soßen gibt die Herbsttrompete eine fast schwarze Farbe und ein kräftiges, sehr typisches Aroma. In Kombination mit den lecker gefüllten Nudeln und dem Montepulciano d'Abruzzo (4,50 Euro) wurde daraus ein kleines Fest für den Gaumen.

Auch der Kalbsrücken mit Tagliatelle in Tomatensoße und gebratenem Gemüse (19,90 Euro) - wieder so ein Klassiker - überzeugte. Das zarte Fleisch war rosa gegart, die Soße natürlich-dezent, die Tagliatelle ein weiterer Beleg für die Pasta-Kompetenz der Küche.

Wer noch ein Plätzchen im Magen hat, sollte das Dessert-Angebot im »GioCa« nutzen. Die Panna Cotta mit Himbeermousse (sechs Euro) war tadellos, der Salat aus exotischen Früchten mit Ananas-Sorbet (7,50 Euro) ein erfrischend-leichtes Finale. Nicht nur die Qualität der Früchte (Ananas, Melone, Mango und filetierte Orangenscheiben) fiel auf. Seine besondere Note verdankte der Früchtereigen dem wunderbar scharfen Zitronen-Ingwer-Sirup, den es dazu gab. Dass das Ananas-Sorbet eines aus Pfirsich war, war da leicht verziehen.

Visitenkarte

Ristorante GioCa
Carlo-Mierendorff-Straße 2
64823 Groß-Umstadt
Telefon: 06078 913115

Geöffnet sonntags bis freitags
von 12 Uhr bis 14.30
und 18 bis 23 Uhr,
samstags von 18 bis 23 Uhr.

Barrierefrei: nein; Raucherbereich: nein

Geschmackvoll eingerichtetes italienisches Restaurant mit ambitionierter Küche. Gehobenes Preisniveau, das der gebotenen Qualität jedoch angemessen ist.


Internet: www.gio-ca.de
 
 


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