Ein nettes Nachbarschaftsabkommen: Die junge Kellnerin tritt mit einem Pizzakarton in der Hand aus dem Restaurant auf die Straße und läuft damit zur benachbarten Eckkneipe. Der Begriff des ,,Bringdienstes" erfährt durch seine Ausführung per pedes hier eine besonders sympathische Bedeutung.
Später hörte man auch ein paar skeptische Stimmen. Unsere Besuche förderten ein recht ausgewogenes Ergebnis zutage. Der Service bekommt schon mal allein wegen der Bringdienst-Einlage einen Extra-Punkt und präsentiert sich auch sonst beim Besuch kurz nach der abendlichen Öffnung an einem Tag unter der Woche als freundlich und zuvorkommend.
Und das Essen? Die ,,Insalata Europa" (7,50 Euro) kommt in einer großen Schüssel daher, die sehr ordentlich gefüllt ist mit verschiedenen frischen Blattsalaten, Gurkenscheiben, Tomatenvierteln, dunklen Oliven, Möhrenraspeln und Käsehobeln. Nicht sehr fein, sondern eher deftig ist das Balsamico-Dressing. Dazu gibt es einige Scheiben goldbraun angeröstetes Baguette. Die passen auch zum Caprese (sieben Euro), das schlicht kredenzt ist: Große Scheiben aus saftigen Tomaten und festem Mozzarella wechseln einander ab, befeuchtet mit leckerem Olivenöl. Leider ist das rot-weiße Ensemble statt mit frischem Basilikumblättern mit getrockneten Kräutern recht aromaarm begrünt, wurde aber dafür mit Salz und Pfeffer etwas zu reichhaltig bestäubt. Da heißt es öfters Durstlöschen mit dem halben Liter sauergespritztem Apfelwein (3,30 Euro) oder einer großen Spezi (3,20 Euro).
Die ,,Piccata Milanese" (zwölf Euro) im Hauptgang besteht aus zwei zarten Kalbsschnitzelchen in einem zugleich sehr luftigen und butterigen Paniermantel mit Parmesan, was eine feine Deftigkeit mit sich bringt. Dagegen eher lasch schmecken die etwas zu weichen Spaghetti in Tomatensoße, die das Bett für das Fleisch bilden. Dekoriert ist das Gericht abermals mit Trockenkräutern.
Die ,,Pizza Funghi" (7,50 Euro) hingegen weiß auch ohne Dekoration zu überzeugen: Frische Pilze ruhen hier auf einer perfekten Mischung aus einer fruchtig-würzigen Tomatensoße und Mozzarella-Käse, wie Wirt Fabio Panzarin schon vor der Eröffnung betont hat mit Verweis auf die Originalität der Rezeptur. Der schön dünne und knusprige Teig schmeckt erfreulicherweise etwas rauchig und schlägt am Rand die Blasen, die auf eine professionelle Steinofenhitze schließen lassen.
Das Speisenangebot ist klassisch italienisch bis zum Dessert - in dem Fall ein Tartufo-Eis (4,50 Euro) aus Vanille- und herbem Schokoladeneis, umrahmt von Sprühsahne und süßer Schokoladensoße. Das fügt sich ins Gesamtbild: ein Italiener in Deutschland, wie er auch in den achtziger Jahren hätte eröffnen können mit seinen Geranien auf der Fensterbank und den grün-weiß karierten Wolldecken auf den Tischen.
In die Einrichtung des schmalen Ecklokals wurde nicht besonders viel Liebe gesteckt. Dafür sitzt man draußen am Rande des Riegerplatzes an einem der mediterransten Orte, die Darmstadt zu bieten hat. Es würde einen nicht wundern, wenn im nächsten Moment das Kabarettisten-Duo Gerhard Polt und Gisela Schneeberger wie in ihrer Filmsatire ,,Man spricht deutsh" auf deutsche Urlaube in Italien vorbeikämen und mit Strandutensilien geschultert das Meer suchen. Ließen sie sich hier bei ,,Da Fabio" nieder, würde Polt in seiner Rolle als Grantler mit Sicherheit auch etwas zum Meckern finden. Um am Schluss trotzdem zu entscheiden, wieder zu kommen.
Ristorante Da Fabio
Heinheimerstraße 53
64289 Darmstadt
Telefon: 06151 9678248
Geöffnet täglich von 11 bis 14.30
und 17.30 bis 1 Uhr.
Barrierefrei: nein,
Raucherbereich: nein
Klassisch italienische Küche mit sagenumwobener Steinofenpizza und einigen Schwächen, im Sommer Freiluftterrasse an einem der mediterransten Orte Darmstadts.

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