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29. Mai 2010 jdh

,,Ambiente Italiano" in Bauschheim

Von der Wachtel zur Praline

| Vergrößern | Das Team des „Ambiente Italiano“: (von rechts) Riccardo Re, Lillo Meli, Pedro Fernandes, Sina Teruneh und Nelson Pinto. ARchivfoto: Frank Möllenberg

Sollte es so etwas wie eine kulinarische Zellteilung geben, wäre sie hier aufs Angenehmste zu beobachten: Seit Anfang des Jahres bietet Riccardo Re im Rüsselsheimer Stadtteil Bauschheim, im ehemaligen Restaurant ,,L'herbe de Provence", italienische Küche der gehobenen Art an. Nach seiner Zeit als Restaurantleiter im inzwischen über die Opelstadt hinaus bekannten ,,La Villa" hat er den Weg in die Selbstständigkeit begonnen: mit Erfolg und zur Freude der Liebhaber guter italienischer Kochkunst.

Das Angebot ist überraschend vielseitig und bietet vom Business-Lunch am Mittag (zwischen zwölf und 24 Euro, je nach Anzahl der Gänge) über Pizzen (acht bis elf Euro, nur abends) und die ,,Wochenempfehlung" ein ,,Menu Degustazione" (drei bis sieben Gänge kosten zwischen 39 und 82 Euro). Obwohl auf der Karte ein bisschen abschreckend formuliert ist, dass dieses Menü nur tischweise serviert werde, versichert Riccardo Re, dass selbstverständlich der eine vier und die andere nur drei Gänge bestellen dürfe.

Doch zuvor dürfen die Kleinigkeiten nicht unerwähnt bleiben. Zum frischgebackenen Olivenciabatta gibt es eine herrlich fruchtig schmeckende Paste aus Oliven und getrockneten Tomaten und kleine, würzige Taggiasca-Oliven aus Ligurien. Schade, dass man sich daran nicht schon satt essen darf. Beim Gruß aus der Küche bleibt nicht nur der hauchdünn gehobelte Fenchel in Erinnerung, der nur mit Olivenöl und einem Spritzer Zitronensaft mariniert schien, sondern auch der zarte Wildschweinschinken und zwei ausgesprochen sorgfältig gewürzte, feingeschnittene Salate.

Dem Rat des Chefs gerne folgend, wählten wir aus dem aktuellen Degustations-Menü beide Vorspeisen: den kleinen Oktopus mit Jakobsmuscheln auf gebratener Blutwurst und Apfel-Gelee und die gebratene Wachtelbrust sowie eine mit Pistazien gefüllte Wachtelkeule auf Kräuterseitling und Brunoise (winzigen Gemüsewürfelchen). Während die Jakobsmuschel durch die Blutwurst eine stimmige Geschmacksergänzung erfuhr, hätte man sich den Mini-Tintenfisch deutlich würziger vorstellen können. Bei den beiden tadellos zubereiteten Wachtelteilen überraschte ausgesprochen positiv die leicht süßliche Füllung der Keule, in der Karte zu Recht nicht nur wegen der Form als ,,Praline" angezeigt.

Ein wahrer Gaumenschmeichler waren die hausgemachten Tortelloni: Gefüllt mit Ricotta und feingehacktem Spinat lagen sie auf einem luftigen Sommer-Trüffel-Schaum - eine Pasta-Variante, die meilenweit von herkömmlichen Nudeln-mit-Sauce-Tellern entfernt war.

Die durchweg frische und aktuelle Zubereitung ließ zum Vorteil unseres Fassungsvermögens genügend Zeit und Spielraum, den Hauptgerichten mit freudiger Erwartung entgegenzusehen. Hier können wir den bissfesten Wildschweinrücken loben, der in einen zarten Wirsingmantel gehüllt und von kräftig-dunkler Sauce umgeben auf wohlschmeckendem Auberginen-Mus lag. Zwei Polenta-Mini-Quader deuteten die Begleitung an.

Leider klappte das Timing der Hauptgerichte wohl nicht perfekt. Während der Wildschweinrücken genau richtig gebraten war, schien es, als sei das gegrillte Petersfischfilet vielleicht ein wenig zu lange warmgehalten worden. Der ansonsten hochdelikate Fisch hatte dadurch schmeckbar an Frische und Saftigkeit eingebüßt. Dem Maßstab, den die Küche durch die anderen Produkte selbst gesetzt hat, konnte dieses Gericht nicht ganz entsprechen. Die vorzügliche Beilage aus gebratenem grünem und weißen Spargel war dagegen auf dem gewohnt hohen Niveau.

Gleiches können wir von der sanft-sahnigen, wohlschmeckenden, mit einem Hauch von karamelisierter Kruste bedeckten Crema Catalana aus Ziegenmilch berichten. Sie wurde begleitet von einem angenehm säuerlichen Ananassalat, gezuckerten Johannisbeeren und einer Erdbeere - ein köstlicher Abschluss.

Das Weinangebot aus allen Regionen Italiens ist vielfältig und bewegt sich in angemessenen Preislagen - von der 20-Euro-Flasche bis zum Guado al Tasso aus dem Jahre 2004 vom Weingut Antinori zu 115 Euro. Der Chef zuckt auch nicht zusammen, wenn zur Pizza Cola light und zur in Rotwein geschmorter Wildschweinschulter ein Radeberger Pils bestellt wird.

Inzwischen hat auch ein zweites "Ambiente Italiano" in Kelsterbach aufgemacht, in der Alten Oberförsterei.

Visitenkarte

Ristorante Ambiente Italiano
Am Weinfass 133
65428 Rüsselsheim-Bauschheim
Telefon: 06142 1617192

Geöffnet Montag bis Freitag
12 bis 15 und 18 bis 24 Uhr.
Samstag 18 bis 24 Uhr.
Warme Küche bis 14 und bis 22 Uhr.
Sonntag Ruhetag.

Raucherbereich: nein


Internet: www.ambienteitaliano.de
 
 


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