Völlig überflüssig sind die Anführungszeichen. Die hätte manches Gasthaus „Bergblick“ verdient,von wo nur ein Adlerauge das Ende der Ebene erspähen kann, oder jener Typ „Waldschenken“, bei dem nur ein paar einsame Bäumchen ums Haus stehen. Die Pizzeria „Am Kloster“ liegt dagegen wirklich am Kloster Lorsch – so nah, dass es vom Außenbereich auf dem Benediktinerplatz zur berühmten Königshalle nicht einmal des sprichwörtlichen Steinwurfs bedarf. Zum Alten Rathaus sind es durch das Fußgängerzönchen 100 Meter, zum Museumszentrum keine zehn. Innen ist es ein Minilokal; außen atmet alles Großzügigkeit, und das passt ganz gut zu den Preisen.
Während andere Gasthäuser mit spektakulärer Umgebung den Genius loci zur Geldvermehrung anrufen, ist Inhaber Luca Giacomuzzo bei benediktinischer Bescheidenheit geblieben. Donnerstags wechselt jede Pizza für drei Euro den Besitzer; an Wochenenden, wenn die Touristen wuseln, zahlt der Besucher 2,50 Euro mehr für eine Pizza mit Schinken, Salami und Champignons. Der junge Testesser findet sie „lecker“. Dass der Käse zum Schluss draufkam und alles weitere zudeckt, ist allenfalls ein Problem für Augenmenschen.
Die Vielfalt der Zutaten zur Gemüsesuppe hat wohl dazu geführt, dass sie fast so viel kostet wie ein Hauptgericht: vier Euro – dafür ist auch alles so frisch wie beim Salat, der zum Seehechtfilet (11,50 Euro) gereicht wird. Die Fisch-Scheiben sind knusprig gebraten und dabei saftig geblieben.
Über die Pommes gehen die Meinungen auseinander. Knuspriger dürfte die Hecht-Beilage schon sein, heißt es – Einspruch vom Pommes-mit-Nichts-Verzehrer: Die zwei Euro seien gut angelegt, denn „das muss man schon so können“. Gegeizt wird jedenfalls nicht, wie beide Parteien an der großen Pommes-Halde ablesen können.
Ristorante Pizzeria „Am Kloster“
Nibelungenstraße 37
64653 Lorsch
Telefon: 06251 987176
Geöffnet Montag bis Samstag von 11 bis 14.30 Uhr
und von 17.30 bis 23 Uhr,
Sonntag von 11 bis 23 Uhr.
Innen kein Raucherbereich,
barrierefreier Zugang: ja.
Ein Italiener wie anderswo auch, mag ein nicht leicht zu begeisternder Mensch über dieses Lokal sagen. Luca Giacomuzzo aber könnte sich zwischen ihm und dem Weltkulturerbe aufbauen und entgegenhalten: Hier ist aber nicht Anders- und schon gar nicht Irgendwo.

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