Mit dem Landhaus Baur hatte der Fischbachtaler Ortsteil Lichtenberg einst eine michelinbesternte Gourmetadresse. Mancher Gast mag beim ersten Mal auf der Suche nach dem versteckten Schlemmerparadies durch die Dorfgassen geirrt sein. Endlich an der Burg angelangt, wird er mit Blick auf die unscheinbare Kneipe zu ihren Füßen festgestellt haben: „Das isses nicht.“ Nein, wirklich nicht. Dennoch ist ein Besuch des „Alt Lichtenberg“ sehr zu empfehlen. Auswärtige Autofahrer haben dabei allerdings ein Problem, denn der einzige Parkplatz im Ortskern gehört zwar zu einem Restaurant, aber einem anderen.
Das ist eine überraschende Kombination aus deftigem Handkäs’ mit mediterraner Küche, eher bäuerlich-deftig denn Haute Cuisine, aber wie diese frischen Zutaten, saisonalen Rezepten und regionalen Lieferanten verschrieben. Knoblauch, Kräuter und Olivenöl tauchen immer wieder auf. Sie verschaffen beispielsweise der Zucchinisuppe (4,50 Euro) eine Vielfalt von Aromen, auf die das Kürbisgewächs von alleine niemals käme. Apart ist auch die Idee, Tomatensuppe (4,80 Euro) einmal nicht mit Sahne aufzupeppen, sondern mit Mascarpone und Brennesselpesto – wieder eine fast verwirrende Aromenmenge. Das vorzügliche Öl wertet auch den kalten, mit Parmesan überbackenen Spinat (6,10 Euro) deutlich auf.
Nichts für zarte Gemüter, aber für jeden, der solche Haus-Tiere zu schätzen weiß, ist das Schneckenragout nach spanischer Bauernart (6,60 Euro). Das Fundament bilden Tomaten, und wo der Katalane eine Butifara negra nimmt, kommt hier die sämige Bindung durch eine Odenwälder Blutwurst zustande. Zu dieser wuchtigen Vorspeise passt so ziemlich jeder Wein, und man ist auch kein Barbar, wenn man sie mit Bier oder Äppler runterspült. Die Beilagensalate (bis auf ein paar Maiskörner nur frisches Blattwerk und Gemüse) überzeugen mit erstklassigem Öl und mildem Essig.
Gasthaus Alt Lichtenberg
Landgraf-Georg-Straße 9
64405 Fischbachtal
Telefon: 06166 8432
Geöffnet Montag und Dienstag ab 17 Uhr,
Donnerstag bis Samstag 11.30 bis 14
und ab 17 Uhr,
Sonntag von 10.30 bis 21 Uhr.
Barrierefrei: nein,
Raucherbereich: nein
Nicht alltägliches Lokal für den schnellen Abendausflug, ausgefallene Speisen.
Internet: www.alt-lichtenberg.de
Auch mit Fleisch können sie dort umgehen. Die Rindersteaks sind ordentliche Stücke und wunschgemäß blutig oder medium gebraten, dabei zart wie selten. Dazu gibt es vorzüglich knusprige und nicht fetttriefende Bratkartoffeln. Der konservative Gast wählt die Variante mit Balsamico-Pfifferlingen (15,90 Euro), der wagemutige lässt sich das Steak mit Handkäs’-Zwiebel-Mus überbacken. Der saure Geruch, der viele vom Handkäse abhält, ist völlig verflogen, die Zwiebeln geben Struktur, und wer hätte gedacht, dass man zum Handkäse Rotwein trinken darf. Hier geht’s, der offene Zweigelt (3,80 Euro) ist die perfekte Ergänzung.
Überhaupt ist die Getränkelage recht erfreulich. Den Liter Mineralwasser gibt es für 3,40 Euro, und für 14,50 Euro pro Flasche wird ein angenehmer, leichter Rosé aus dem französischen Département Var serviert.
Die Lachspiccata in Parmesanhülle (16,50 Euro) mit Auberginen und Tomaten-Basilikum-Nudeln- entpuppt sich als ein gut zwei Daumen dickes Trumm. Die Käsekruste hält den Fisch saftig, ohne ihn mit Bitteraromen zu erschlagen. So ähnlich ist das auch bei der Hühnerbrust im Cornflakesmantel (13,90 Euro), doch weicht die knusprige Hülle in der Kokossoße schnell wieder auf. Gut passt dazu das gebackene Obst.
Der kräftige warme Schokoladenkuchen (sechs Euro), mit noch ganz leicht flüssigem Kern präzise gebacken, schließt sich da wunderbar an. Das Himbeertiramisu (5,60 Euro) mit weißer Schokolade und Maraschino ist im Prinzip sehr delikat und keineswegs so durchmatscht, wie die Beschreibung vermuten lässt. Nach einem Handkäse-Steak hat es allerdings einen schweren Stand. Dann doch lieber das Handkäse-Honigparfait (7,20 Euro), bei dem vom mitunter plumpen Käse-Aroma nur ein freundlicher Hauch Odenwald zurückbleibt.

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