Im Suppenteller schwimmt die Erinnerung an den Urlaub – Frittatensuppe, Brühe also mit Pfannkuchen-Streifen, das gibt es ja meist nur in den Ski- oder Sommerferien für Gäste in Österreich. Oder für 3,20 Euro im „Holzwurm“ in Bensheim-Auerbach. Gut ist sie allemal, obwohl die Suppe hier wie da optisch nicht viel hermacht.Vielleicht ist das symptomatisch für das kleine Nachbarland oder genauer: für die Sicht auf das kleine Nachbarland. Man neigt dazu, dieses Als-ob-Bayern zu unterschätzen. Das Gasthaus an der B 3 mit Fachwerk und Biergärtchen ist schon insofern ein Stück Österreich; es liegt nicht gerade im Prunk-Abschnitt dieser Straße und scheint mit nichts auf außergewöhnliche Gastronomie hinzuweisen.Martina und Alois Ramsauer, sie aus Bensheim, er aus Österreich, setzen in ihrem „Holzwurm“ freilich auf ein Angebot, das mit dem Thema Landesküche spielt. Eindruck wird damit nicht geschunden, aber hinterlassen. Auch bei der Einrichtung des kleinen Gastraums wurde auf Austria-Krimskrams verzichtet. Die österreichische Botschaft ist woanders zu suchen, obwohl es bei den Speisen auch mal etwas von nebenan sein darf.
„Zum Holzwurm“
Darmstädter Straße 183
64625 Bensheim
Telefon: 06251 987583
Öffnungszeiten:
täglich außer Mittwoch
von 11.30 bis 14.30 Uhr
und von 17.30 bis 23.30 Uhr
Barrierefrei: nein,
Raucherbereich: nein
Solche Begleiter braucht die rosa gebratene Entenbrust in Pfefferkirschsoße mit Röstis (16,80 Euro). Sie besticht mit süß-pikanten Noten, das Fleisch ist ziemlich zart, und salzen kann man ja selbst. Kurz kommt der Piefke-Hochmut auf, als der Kümmelbraten mit Bratenjus, Semmelknödel und Salat (9,80 Euro) aufgetragen wird. Den Speckrand gibt es anderswo, in München zumal, in aller Regel knusprig, doch Würze und Gesamteindruck sind zu gut, um sich mit einem Detail aufzuhalten.
Apropos aufhalten: Der Küchengruß, eine Espressotasse Brokkolicremesuppe, ist in Windeseile auf dem Tisch, die Frittatensuppe schon zu dem Zeitpunkt, an dem der Esser noch dem Bündnerfleisch zugetan ist.
Reibungsloser läuft es bei den kleinen Gästen, die hoch zufrieden sind. Das imposante Wiener Schnitzel für 15,80 Euro wird im Nu eine Nummer kleiner gemacht. Und schmeckt’s? „Jaja.“ Zum Holzwurmpfännchen – Schweinemedaillons mit Pilzen und Eierspätzle in Sherryrahmsoße für 13,80 Euro fällt dem Tester mehr ein: „saftiges Fleisch, zart, ein paar Stellen nicht ganz so, aber trotzdem sehr gut“.
Zum Schluss folgt eine kleine Überdosis Österreich: Marillen- (3,50) und Nusspalatschinken (4,20 Euro) sind geradezu betörend, in ihrer Üppigkeit jedoch bedienen sie das Klischee von der Kalorien-Küche. Und dann noch das: „Haiders Tresterbrand“ (3,50 Euro) soll den Magen versiegeln. Eine kurze Recherche ergibt, dass zum Geschmack kein Geschmäckle kommt. Nicht Jörg, sondern Heinrich und Thomas haben ihn gebrannt in Neusiedl am See.

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