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05. November 2011 lex

„Isfahan“ in Darmstadt

Die Restaurantkritik: Das Darmstädter Lokal „Isfahan“ beschert persische Gaumenfreuden mit edlen Aromen aus Tausendundeiner Nacht

| Vergrößern | Paradies an der Ecke: Das Bessunger Restaurant „Isfahan“. Foto: Claus Völker
DARMSTADT. 

Die Sternstunde der persischen Stadt Isfahan begann, als Schah Abbas I. ums Jahr 1600 seine Hauptstadt dorthin verlegte. Aus allen Teilen des Reiches ließ er Künstler und Handwerker zur Verschönerung der Stadt berufen. Mit ihren großzügigen Plätzen und Gartenanlagen, wohlgestalteten Brücken, Palästen und Moscheen galt Isfahan bald als eine der schönsten Städte der Welt. Dies können Gäste des vor gut einem Monat eröffneten Restaurants Isfahan in der Speisekarte lesen. Das erklärt nicht nur den Namen, sondern auch das Selbstverständnis, das hier zelebriert wird: Der Geist des Geschmackvollen ist so präsent, dass man als Gast kleine, kulinarische Sternstunden erlebt.
Das deutet sich schon an beim Betreten des von außen festlich angestrahlten Lokals in einem alten sanierten Eckhaus in Bessungen: In einem kleinen Vorraum ist eine gemütliche und stilvoll dekorierte Sitzecke wie aus Tausendundeiner Nacht eingerichtet. Dort können Gäste bei vollem Lokal auf einen freien Tisch warten. Das steigert die Vorfreude: Dass es lecker wird, lässt sich schon beim Einatmen der edlen Aromen ahnen, die die Raumluft zum Raumduft machen.
Schon der Gruß aus der Küche ist eine vielversprechende Vorhut. Die Kombination aus frischen Kräutern, Radieschenstücken und mildem Schafskäse, eingerollt in hauchdünne Fladenbrotblätter, sind ein erfrischender Starter. Ein besonderes Geschmackserlebnis bescheren die dazu gereichten grünen Oliven in einer süßlich-herben Kräuter-Marinade. Schade, dass es nur zwei sind.

Visitenkarte

Restaurant Isfahan
Heidelberger Straße 96a
Darmstadt
Telefon: 06151 6602420

Montag bis Freitag 11.30 bis 14.30 Uhr
und 17 bis 23 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertag
11.30 bis 23 Uhr

Raucherbereich: nein,
Barrierefrei: nein


Schlicht mit einem Hauch feiner Raffinesse – dieser geschmackvolle Faden zieht sich nicht nur durch die Speisen, er zeigt sich auch im Einrichtungsstil: Die Wände in einem Pastellton zwischen Pistazie und Senf gehalten und dekoriert mit einigen altertümlichen Darstellungen in Metall oder Stein, auf den dunkelbraunen Holztischen je ein rötlich-glitzerndes Platzdeckchen mit einer Vase frischer Blümchen, Kerze und einiger Streuer zum Nachwürzen.
Dass die Aromatisierung des Essens indes keine Nachhilfe braucht, wird beim nächsten Gang klar: Die gemischte Vorspeisenplatte (zwölf Euro) ist hier kein buntes Allerlei, sondern bietet je zwei fein aufeinander abgestimmte Variationen eines Gerichts: Da kommen die Auberginen einmal gedämpft als mild-fruchtiges Mousse und einmal rauchig gegrillt mit viel Würze und einer zerlaufenden Ziegenkäsecreme daher. Dazu gibt es angemachten Joghurt einmal mit Minze und Gurke und einmal mit Spinat.
Dazu schmeckt prima ein großes, kühles Glas herb-fruchtiger Granatapfelsaft (3,90 Euro), der vor allem mit der Minze eine schöne Verbindung eingeht. Unbedingt empfehlenswert ist aber auch einer der ausgesuchten Weine. Ob bei dem wunderbar weichen Chianti (4,50 Euro) oder dem etwas kräftigeren Syrah (4,50 Euro) oder dem vollmundigen persischen Khayyam (3,90 Euro): Hier beweisen die Wirte nicht minder guten Geschmack.
Gaumenfreuden halten auch die Hauptgerichte bereit: Eine fein-zitronige Note verströmen die als Kebabspieß gegrillten und dennoch sehr saftigen Hähnchenbrustfiletstücke (11,90 Euro), scharf und fruchtig schmeckt das Pendant aus Lamm in einer Knoblauch-Chili-Soße (15,90 Euro). Dazu gibt es einen Haufen äußerst lockeren Safranreis und eine ganze Grilltomate, was beides Salz vertragen kann und auch als Beilage etwas karg anmutet.
Die abschließende Überraschung bietet das Glasnudeleis (3,90 Euro), eine von vielen hausgemachten Eisvariationen. Es entpuppt sich als eine Art Limettensorbet mit bissfesten Glasnudeln und nicht zu viel Rosenwasser – der würdige Abschluss für einen geschmackvollen Wohlfühlabend voller schmeichelnder Aromen. Kein Wunder, dass man reservieren sollte, um sich eines Platzes sicher zu sein.

 
 


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