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14. Januar 2012 aka

„Havana“ in Darmstadt

Restaurantkritik – Das Darmstädter „Havana“ verbindet Küche und Cocktails

| Vergrößern | Kuba liegt gleich um die Ecke: Das „Havana“ in der Lauteschlägerstraße in Darmstadt. Foto: Claus Völker
DARMSTADT. 

Genauso laut, eng und ganz schön piefig muss es allerorten in den deutschen Gaststätten gewesen sein, damals, als Che Guevaras Gesicht noch viele Wohnungen schmückte und auf dem Poster an der Wand von der Gesinnung der Bewohner zeugte. Damals, als die Dippegucker noch weit jünger waren und selbst dicker Zigarettenqualm (den es heute dort nicht mehr gibt) sie vom Besuch eines Lokals wie des Darmstädter „Havana“ niemals abgehalten hätte.
Weil nun aber in der eigenen Restaurant-Erfahrung zwischen diesen Tagen und heute schon einige Jahre liegen, lautet die innere Mahnung schon an der Tür dieser Cocktailbar: Alles auf Anfang und anerkennende Blicke hin zum markanten Helden der Revolution, der hier gleich mehrfach mahnend von den karibisch geschmückten Wänden schaut. Schließlich ist das „Havana“ mindestens genauso ein In-Restaurant für die jüngere Generation wie für die mittlere.
Den Blick zurück in Ehren kann schließlich keiner verwehren – zumal Che ja gerade wiederkehrt auf den T-Shirts einer unbelasteten Teenager-Generation, die nicht mehr weiß, wer der Typ mit dem roten Stern auf der Mütze eigentlich war. Und zumal das „Havana“ mit seinen dunklen Tischen den Einbruch der Che- und Latino-Begeisterung wohl völlig unbeschadet überstanden hat. „Hauptsache chic“, ist der Kommentar der jugendlichen Träger zum Shirt, „Hauptsache hier“, könnte es im „Havana“ heißen – wenn dort im Gedränge an einem der vielen Tische noch Platz zu finden ist.

Visitenkarte

Havana Bar Darmstadt
Lauteschläger Straße 42
64289 Darmstadt
Telefon: 06151/710459

Öffnungszeiten:
sonntags und montags 11 bis 1 Uhr,
dienstags bis donnerstags 17 bis 1 Uhr,
freitags 17 bis 2 Uhr,
samstags 11 bis 2 Uhr.
Warme Küche bis 24 Uhr.

Raucherbereich: nein.
Für Rollstuhlfahrer nicht geeignet.

Internet: www.havana-bar-restaurant.de


Aber gilt auch: „Hauptsache, es schmeckt?“ Vielleicht war Che ja ein Liebhaber der karibischen Küche und würde nicken, wenn er denn könnte. Teils, teils, lautet eine gutwillige Antwort auf diese Frage. Bereits wenige Minuten nach der Bestellung bei einer ausnehmend freundlichen Bedienung verzückt eine exzellente Vorspeisenplatte gleich drei Esser auf einmal: Üppig sind die Portionen im „Havana“, und von den großen, milden Oliven und Paprika über den mild-sahnigen Schafskäse bis zum Joghurt-Dip und den frischen Salatblättern mit raffinierter Soße stimmte hier alles (8,60 Euro). Aber eben leider nur hier. Bei den Hauptgerichten sah das – nach nun langer Wartezeit – anders aus. Die Pizza Margherita (5,20 Euro) hatte als feste Teigplatte mit ebenso fester und geschmacklich wenig differenzierter Tomaten-Käse-Decke mit dem italienischen Original nur wenig zu tun. Selbst dran schuld, eine Pizza beim Kubaner zu bestellen, ließe sich einwenden. Eher gen Südamerika und Argentinien in die Karibik wies dagegen das zweite Hauptgericht: Mittwochs stehen 200-Gramm-Rumpsteaks für 9,90 Euro auf der Angebotsliste des Hauses. Das Fleischstück, das auf den Tisch kam, überragte trotz dieses Gewichts den Tellerrand nicht, weil es nicht idealtypisch flach war, sondern kräftig in die Höhe ging. Die Folge: Beim Esser wurden schnell die kräftig gebackenen, leckeren Kartoffelschnitze aus dem Ofen zum Zentrum des Mahls.
Blieb das letzte Hauptgericht – auch dies erwies sich als Stilgemisch, freilich mit eindeutig karibischem Einschlag. Denn hier wurde ein flacher, mexikanischer Wrapteig zum straff gewickelten, riesigen und käseüberbackenen „Rollo“ aus dem Ofen. Hühnerfleisch, Krautsalat, Zwiebeln, Salat, Joghurt- und Chilisoße waren sein Inhalt laut der Speisekarte – und es verbarg sich das nach Augenschein auch alles in der Teigrolle.
Geschmacklich war dies jedoch nicht mehr festzustellen. Der Dippeguckerin, in deren Gewürzschrank Tabasco und Chilischoten durchaus ihren Stammplatz haben, nahm die Schärfe dieses (vor allem wegen des Hünhnerfleisches) milde erwarteten Gerichtes jede Chance dazu.
Macht nichts. Der (gute!) Mojito-Cocktail (vier Euro) versöhnte an diesem Abend mit manchem Patzer.

 
 


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