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21. Januar 2009 jdh

„Shahi“ in Rüsselsheim

Genüsse mit Variationen

Rüsselsheims Stadtviertel erinnern manchmal an längst Vergangenes: Im „Dicken Busch“ sucht man das namensgebende Grünzeug ebenso mühsam wie im seit 1990 entstandenen „Eichsfeld“ die Bäume mit dem Skatblattumriss. Stattdessen prägen Betonburgen die vorgeblich zweckmäßige Städtebauarchitektur. Dass sich inmitten von Büros und Wohneinheiten, kaum hat man das Restaurant betreten, eine orientalische Insel auftut, überrascht dann doch jene Besucher, die sich ihr Vorurteil über die hässliche Autostadt nicht so leicht nehmen lassen wollten.

Die Möblierung mit kunstvoll ornamentreichen Stühlen, viele handgearbeitete Details und mit dezenter Farbigkeit gemalte Bilder lassen an Tausendundeine Nacht denken. Das Wohlbefinden der Gäste wird durch einen rundum freundlichen und aufmerksamen Service aufs Angenehmste befördert.

Die Karte ist auf den ersten Blick erschreckend umfangreich und erinnert an die ersten chinesischen Restaurants in Deutschland: Um eine riesig erscheinende Vielfalt vorzugeben, multipliziert man die Anzahl der Fleisch-Grundbestandteile – Huhn, Lamm, Rind, Fisch und Meeresfrüchte – mit den verschiedenen Saucen und Zubereitungsarten, im „Shahi“ selbstverständlich auch mit dem besonders schonenden Garen im Tandoor, dem traditionellen Lehmofen. Die Vielfalt ist auch im „Shahi“ kaum überschaubar und noch weniger essend und probierend zu bewältigen.

Da trifft es sich gut, dass sich für Einsteiger in die hier praktizierte indische Küche eine Seite des Angebots mit den Thalis (17,50 Euro) befasst. Thali nennt man die indischen Servierplatten für Reisgerichte. Man hat so die Gelegenheit, jeweils vier verschiedene Variationen eines Fleischthemas zu probieren. So bietet das Fisch-Thali ein sahnemildes Curry, herzhaft gegrillte und ebenso gewürzte Riesengarnelen, mittel-scharfe Stücke vom Pangasius und als Gemüsebeilage nicht zu weichgekochten Blattspinat.

Den gibt es auch beim Lamm-Thali zu mal gebratenem und mal gedämpften ausgesprochen zarten Filetwürfeln, wieder mit sehr verschiedenen Saucen über die große Bandbreite von sanft bis – zumindest für europäische Gaumen – kräftig scharf .

Und wem die von der Küche vorgegebene Würzung nicht ausreicht, möge sich von den in Schälchen bereitstehenden Chutneys und Pickles bedienen, um der reinen Lehre der indischen Küche nahe zu kommen. Sechs Geschmackscharaktere sollen bei einer harmonischen, wohlschmeckenden Mahlzeit vertreten sein: sauer, süß, scharf, bitter, herb und salzig.

Mit den probierenswerten Beilagen kann man auch den zu Beginn gereichten hauchdünnen Fladenbroten weitere Geschmacksrichtungen verleihen. Oder vielleicht auch der Mulligatawny, die entgegen ihrem Ruf als „very spicy“ im „Shahi“ als eher gemäßigt gewürzte sämige Linsensuppe daherkommt (3,50 Euro).

Als Nachtisch probierten wir „Ras Malai“ (vier Euro), das sind durch Mehl und ein bisschen Backpulver kompakt geknetete Quarkbällchen in einer Pistazien-Rahm-Sauce, die durch karamelisierten Zucker eine angenehme, nicht aufdringliche Süße erhält und eine schmeckbare Verwandtschaft zur englischen clotted cream nicht verleugnen kann. Angeblich streiten sich die Bengalen und die Bewohner des Panschab um die Ehre, dieses nach Aussage von Kennern der indischen Küche eleganteste Dessert des Subkontinents erfunden zu haben.

Zu den oft kräftig gewürzten Gerichten passen die angebotenen offenen Weine ganz gut: vom Rauenthaler Steinmächer bis zu südafrikanischen Chardonnays und Sauvignons (4 bis 5 Euro für 0,2 Liter).

Insgesamt bietet das „Shahi“ in angenehmer Atmosphäre wohlbekömmliche Speisen zu angemessenen Preisen, werktags sogar einen Mittagstisch mit Gerichten zwischen sechs und 11,50 Euro.

Kleiner Tipp fürs nächste Mal und Mahl: Gerade bei den verschiedenen Gerichten eines Thali wäre ein Stövchen nicht verkehrt. Trotz ordentlich angewärmter Teller waren gegen Ende Saucen und Fleischstücke ebenso lau wie der deckellos servierte Basmati-Reis. Aber das kann man ja ändern. Oder?

Visitenkarte

Tandoori Restaurant Shahi
City-Forum Eichsfeld
Ferdinand-Stuttmann-Straße 10
65428 Rüsselsheim
Telefon: 06142 6 22 63

Geöffnet täglich von 11.30 bis 14.30 Uhr
und von 18 bis 23.30 Uhr.

Raucherbereich: nein


Internet: www.shahi-ruesselsheim.de
 
 


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