Von der perfekten Performance solcher moderner mediterraner Küche ist das „Restaurant Trautheim“ zwar noch ein Stückchen entfernt, doch was Familie Chrisidis seit einem Dreivierteljahr aus dieser Traditionsgaststätte in Mühltal-Trautheim macht, ist gerade angesichts der sehr volkstümlichen Preise beachtlich.
Den gründerzeitlichen Fachwerkbau kann nicht übersehen, wer sich vom Darmstädter Böllenfalltor nach Trautheim begibt. Das Prunkstück entdeckt jedoch nur, wer die elegante, hell geflieste und mit dunklen Möbeln eingerichtete Gaststube durchquert: Hinterm Haus, vor dem Lärm der Bundesstraße einigermaßen geschützt, liegt eine große Terrasse, mit Pflanzkübeln und ein paar Gipsstatuetten sehr dezent dekoriert. Soweit der launige Sommer das zulässt, ist dieser Platz die erste Wahl.
Neben griechischen Klassikern und deren neuer Interpretation finden wir auf der dennoch nicht überladenen Speisekarte auch Pizza und Pasta, diverse Scaloppine und italienische Dauerbrenner wie Carpaccio und Caprese. Die Tafel mit den Angeboten des Tages fehlt natürlich nicht. Beim Aperitif – zum Beispiel Kir, Weißwein mit Johannisbeerlikör – für nur 2,60 Euro kann man darüber brüten. Interessant ist vorneweg auch ein Mavrodavne (2,50 Euro), ein roter Likörwein, der mit einem Port aber weniger gemein hat als der freundliche Ober stolz verkündet.
Der Service ist überaus aufmerksam und erläutert kompetent die wenigen Fragen, die die anschaulichen Beschreibungen der Karte offen lassen. Nach harter Arbeit kann man sich die „Vorspeisenvariation Trautheim“ (10,50 Euro) zutrauen: dick geschnittener Schinken mit nicht zu süßer Melone, ein Häufchen Fischsalat, mit Öl und Zitrone ordentlich angemacht, und dazu einige jener Leckereien, die in südlichen Antipasti-Vitrinen so herumzuliegen pflegen. Der Durchsatz im Lokal scheint groß, denn alles ist tadellos frisch. Leichter sind ausgebackene Scheiben von Zucchini oder Auberginen (je 6,50 Euro) mit sehr zurückhaltend geknofeltem Zaziki; das Gemüse dürfte aber etwas dünner geschnitten sein. Den preislichen wie geschmacklichen Gipfel der Vorspeisen markieren die Garides (11,60 Euro), große Gambas in kräftig gewürzter Tomatensoße mit viel Kräutern.
Ein Grieche ohne Grillteller ist kaum denkbar, doch in Trautheim spielt der eine Nebenrolle. Unter den üblichen Verdächtigen – Souvlaki, Gyros etc. – überzeugt die gut gewürzte Frikadelle noch am ehesten. Die Rinderleber auf dem „Trautheimteller“ (13,90 Euro) dürfte saftiger sein. Eindrucksvoll sind die großen und fleischigen Lammkoteletts (14,90 Euro), doch der wahre Höhepunkt ist die langsam geschmorte Lammhaxe (14,40 Euro). Jede Wette, dass der Koch hier selbst zur Tat geschritten ist und keinen Convenience-Beutel aus dem Gastroservice aufgeschlitzt hat. Das Fleisch butterzart, zwischen den Muskelsträngen lugt ein Lorbeerblatt hervor, im würzigen, gut reduzierten Wein-Tomaten-Sud schwimmen weiche Möhrenscheiben. Weil das halt dauert, so der Kellner auf Nachfrage, werden jeden Morgen auf Verdacht ein paar Haxen angesetzt – wenn die letzte weg ist, gibt’s eben keine mehr. So muss das sein.
Wer griechische Nudeln nicht mag, trifft mit Bratkartoffeln eine gute Wahl: Man ahnt das Fett, in dem sie gegart wurden, doch sie triefen nicht davon, und sie sind reichlich mit Zwiebeln durchsetzt. Die Beilagensalate, das vertraute Potpourri aus Möhrenraspel, Weißkraut, diversen Blättern, Tomaten und Gurke, sind zwar knackig-frisch, doch statt des Sahnedressings hätten sie eine mediterrane Vinaigrette verdient.
Mit den abwechslungsreichen Speisen kann die sehr kleine Weinauswahl leider nicht mithalten, doch dafür sind die Preise – um vier Euro fürs Glas, um 17 für die Flasche – günstig. Vom Pinot Grigio halbtrocken (!) haben wir lieber die Finger gelassen, den Roditis rosé empfanden wir als unkomplizierte Massenware, der wuchtige Nero d’Avola passte gut zum Lamm. Als nichtssagender „Wein mit geografischer Herkunftsbezeichnung“ machte er zugleich deutlich, dass das alte Weinrecht der EU auch nicht besser war als das neue.
Eine umfangreiche Eiskarte bietet zwar alles, was die Truhe hergibt. Unbedingt probieren sollte man jedoch die Pfannkuchen (5,60 Euro), lauwarm angerichtet, mit Himbeermark und einer Panna-Cotta-Creme gefüllt, deren breiige Konsistenz auf einen erfreulich sparsamen Einsatz von Gelatine schließen lässt. Der Halvas (für Nicht-Griechen: türkischer Honig) ist bröselig-trocken, was durch frisches Obst und einen Klacks Schlagsahne wohltuend ausgeglichen wird (3,80 Euro).
Einen Verdauungsschnaps brauchten wir danach nicht mehr, denn der Ober war schon während des Menüs zweimal mit kleinen Gläschen auf Kosten des Hauses aufgekreuzt. Ein Mokka ist aber unverzichtbar, und die Diskussion darüber, was den griechischen Mokka vom türkischen unterscheidet, klammern wir lieber aus.
Restaurant Trautheim
Am Trautheim 1
64367 Mühltal
Telefon: 06151 5014545
Geöffnet täglich außer Montag
von 11 bis 14.30 Uhr
und 17 bis 24 Uhr,
an Sonn- und Feiertagen durchgehend.
Raucherbereich: ja
Internet: www.restaurant-trautheim.de
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