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30. Juli 2011 lex

„Flambée“ in Darmstadt

Restaurantkritik: Das neue Lokal „Flambée“ in Darmstadt-Bessungen stellt den traditionellen Flammkuchen konsequent in den Mittelpunkt

| Vergrößern | Knusprig, würzig, dünn: So wie auf diesem Archivbild soll ein Flammkuchen sein. Foto: Will Bakker

Flammen, in Verbindung mit Essen, sind ein echter Genussanheizer. Als kleine lodernde Einheit in Form von Kerzen oder Teelichtern bringen sie Gemütlichkeit auf den Tisch. Und als Element beim Zubereiten bedingen sie jene rauchigen Aromen und Röststoffe, die so nur Feuer hinbekommt. Vorfreudig vernahm man da die Kunde, dass es nun ein Flammkuchen-Gasthaus in Darmstadt gibt – denn bei dieser Spezialität spielt das heiße Lodern traditionellerweise eine große Rolle. Das lässt sich auch in der kleinen Speisekarte nachlesen, die im „Flambée“ gereicht wird. Demnach war der aus dem Elsass stammende Flammkuchen ursprünglich ein extrem dünn ausgerolltes Stückchen Brotteig, mit dem vor dem eigentlichen Brotbacken die Temperatur des Holzofens getestet wurde. „Wichtig war, dass die Flamme noch hoch loderte, wenn er eingeschoben wurde – daher auch der Name Flammkuchen.“
Lodernde Flammen empfangen einen entsprechend stilecht schon vor Betreten des großräumigen Lokals an der Ecke Bessunger Straße und Donnersbergring, in dem zuvor die rustikale Gaststätte „Alt Bessungen“ zu finden war. Wie eine edlere Variante von Fackeln begrüßen kleine, runde Flackerlichter an langen Stecken den Gast, der die Treppenstufen zum Eingang emporsteigt. Dazu passend in sattem Glutrot leuchtet der „Flambée“-Schriftzug von der weißen Außenfassade.
Das so befeuerte Bild setzt sich im Inneren fort, das mit viel Engagement und Konsequenz durchgestaltet wurde. Relativ dunkel liegt der L-förmige Raum da, der nur an einer Stirnseite mit Fenstern bedacht ist. Licht spenden vor allem Lampenschirme, die auf rustikale und weitgehend naturbelassene Holztische scheinen. Die Wände sind dunkelrot gestrichen und zur Hälfte mit warmen Klinkersteinen oder dunkelbraunem Holz verschalt. An glimmende Gluthitze erinnert der in sattem Rot leuchtende Hintergrund der Theke.

Visitenkarte

Flambée
Bessunger Straße 115
64285 Darmstadt
Telefon: 06151 3070994

Geöffnet täglich 11 bis 14 und ab 17 Uhr,
bis 31. August jeweils erst ab 17 Uhr

Raucherraum: ja,
barrierefrei: nein

Flammkuchen in großer Vielfalt, klares und sympathisches Konzept, kleine Schwächen in der Zubereitung.


Von Konsequenz bestimmt ist auch das Speisenangebot. Es gibt in erster Linie Flammkuchen, in knapp dreißig Varianten von „mediterran“ bis „feurig“. Als Alternative winken Galettes, eine salzige Variation des Crêpes, der quadratisch geklappt und deftig gefüllt wird. Zum Nachtisch gibt es die französischen dünnen Pfannkuchen in der bekannteren süßen Ausgabe mit Zimt und Zucker, Nutella oder Früchten – allerdings ist das nach einer Vor- und Hauptspeise auch für gute Esser kaum mehr zu schaffen.
Ein schöner Ansatz der Küche ist, dass sie laut Karte auf örtliche Produkte setzt. So stamme der Teig von einem Bessunger Bäcker, das Gemüse von einem Griesheimer Bauern, ausgeschenkt wird Bier aus Darmstadt und Apfelwein aus dem Odenwald. Ein netter Kniff ist auch, dass die Speisen in einer offen gehaltenen Küche in der hintersten Ecke des Lokals zubereitet werden, man ihrer Entstehung also zusehen kann.
Allerdings werden die im Vorfeld geschürten Erwartungen nicht auch in aller Konsequenz erfüllt. Der Griechische Salat (8,20 Euro) ist zwar insgesamt sehr knackig-frisch und glänzt vor allem mit feinen schwarzen Oliven und einem geschmacksintensiven Schafskäse. Doch dass zu einer Hoch-Erntesaison wie momentan eher unaromatische Tomaten und ein fade wirkender Eisbergsalat kredenzt werden, ist etwas enttäuschend.
Weiter geht’s mit dem Flammkuchen „Basilikum“ (9,50 Euro), hübsch gereicht auf einem dünnen Holzbrett. Er ist recht üppig belegt mit frischen Tomatenscheiben, auch an feinen Basilikumblättern wurde nicht gegeizt. Doch woran es dem Dippegucker bei seiner Stichprobe mangelt, ist das „Flammende“ an diesem deftigen „Kuchen“. Lediglich die alleräußersten Ränder kommen knusprig daher, ansonsten wirkt das Gebilde eher lappig. Es schmeckte dem Dippegucker nicht so, als habe hier viel Hitze gewirkt. Auch die Tomaten wirken eher erwärmt als gebacken. Ein bisschen mehr Bräune hätten dem Ganzen gut getan.
Die Galette mit Weichkäse, grünen Peperoni und schwarzen Oliven (6 Euro) ist eine schöne Ergänzung. Wegen des Einsatzes von Buchweizenmehl ist der Teig in der Farbe dunkler als ein Crêpe, aber nicht besonders geschmacksintensiv. Das erledigt eher die cremige Füllung mit ihren salzigen Elementen aus mediterranen Gefilden.
Ein ziemlicher Sattmacher ist das, ohne dabei unangenehm zu stopfen. Aber alles in allem gilt: Ein bisschen mehr Feuer könnte nicht schaden.

 
 


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