Man isst elsässisch und französisch. Es gibt aus der traditionell-bürgerlichen Küche Frankreichs das Entrecôte (das Steak) oder auch die Foie Gras – die Stopfleber von Gänsen oder Enten, deren Produktion in Deutschland als Tierquälerei qua Gesetz verboten ist, in Frankreich seit 2005 als „nationales und gastronomisches Kulturerbe“ jedoch im Zusatz zum Landwirtschaftsgesetz von französischen Tierschutzgesetzen ausgenommenen wurde: Die Entscheidung darüber, ob man hier französisch genießt oder deutsch-moralisch bleibt, steht jedem frei.
Es gibt aber auch eine ganze Anzahl kulinarischer Spezialitäten, die an Straßburg, Colmar oder die Vogesen erinnern und damit ans französische Schmausen mit sehr ländlichem: den Baeckeoffe, die Blutwurst auf Apfel-Zwiebel-Confit und manch andere schöne Gerichte, zu denen das Elsässerwein-geschwängerte Sauerkraut gehört (für Deutsche dabei vielleicht ungewöhnlich die Kombination sogar mit Fisch).
Man isst nur am Abend im Gewölbekeller unter dem neuen Bacchus-Hotel, einem Keller, der so rustikal eingerichtet ist, wie die alten Steindecken es vorgeben. Dank der wenigen Tische ist dabei auch in Ruhe zu genießen, zumal die Bedienungen um den Küchen- und Restaurant-Chef Guy Bastian ihr Ding so freundlich wie unaufdringlich gut vollbringen. Ob es geschmeckt hat, will der Chef auch noch selbst von jedem Gast wissen. Er kann sich das leisten. Denn auch auf den Tellern wird das Versprechen eingelöst, das die Karte mit Bergsträßer und vor allem französischen Weinen dem Genießer bietet – eine Karte, die vom qualitätsvollen offenen Viertel bis zu den weltbekannten Châteaux reicht. Diese Lust am Wein offenbart sich dem erstaunten Gast bereits bei den ersten Schritten im Keller: Hinter einem Gitter lagert Flasche um Flasche in beachtlicher Menge.
Das Schwelgen in Kalorien beginnt bereits mit dem netten Gruß aus der Küche im Elsässer Töpfchen. Der Thunfisch bleibt hier zart im mit Sahne angereicherten Aufstrich für die Baguette-Scheibchen. Und es hängt von der Disziplin des Essers ab, ob er rasch mit dem Schmieren aufhört, um als Vorspeise zu würdigen, ohne die Lust aufs Hauptgericht zu schmälern: die Kürbiscremesuppe mit den Buttercroutons (4,60 Euro) ist geschmacklich zart, aber kalorienreich-sahnig dicklich, die Weinbergschnecken stecken in einer Menge der Kräuterbutter, die jeden Hausarzt verzweifeln ließe.
Zackenbarschfilet im Speckmantel auf Orangen-Kumquats-Sauce mit Reis Timbal (20,50 Euro): Das eine Hauptgericht der Dippegucker beweist, dass der Internationalismus in der Küche auch die Franzosen nicht nur bei McDonalds erreicht hat. Auf den Punkt gebraten der Meeresfisch, exzellent die Soße – doch in diesem Fall sollte man die Sauce im Gemisch für den Gaumen wohl mehr dem Reis zuschlagen, damit der geschmacklich eher zarte Fisch zur Geltung kommen kann.
Richtig elsässisch ging es dagegen beim zweiten Hauptgericht zu: Baeckeoffe (18,50 Euro) ist ein Eintopf, für den gemeinhin Rind-, Lamm- und Schweinefleisch in trockenem Weißwein mit verschiedenen Gemüsen und ganz traditionellen Gewürzen wie dem Lorbeerblatt mindestens 12 Stunden mariniert, sagen die Kochbücher. Danach werde alles zwei bis drei Stunden im Ofen zusammen mit Zwiebeln und Kartoffeln gekocht. Und: Die Zubereitung erfolgt original immer in einer ovalen Elsässer Tonterrine. Die Terrine kam mit der kräftigen Rindsbrühe, den üppigen Fleischstücken, Kartoffel- und Karottenscheiben sowie dem Lorbeerblatt auch im Bacchus-Keller auf den Tisch: ein Genuss für die ungewöhnliche Kombination von Löffel, Messer und Gabel.
Das Gericht hat seinen Namen daher, dass früher, wenn die Arbeit wenig Zeit ließ, die Terrinen von den Frauen des Elsässer Dorfes zum Bäcker gebracht wurden, der ihnen für das Kochen seinen Backofen überließ, heißt es im Kochbuch: Die Tradition lebt hier auch im Namen fort.
Ans andere französische Ende, zum Mittelmeer, ging es schließlich mit der Crème brûlée (7,50 Euro). Und auch diese vielgeliebte Süßspeise aus Eigelb, Sahne, Milch und flambierter Karamellkruste (die man seit Jahrhunderten auch in Spanien und Portugal genießt) erfüllte im Bacchus-Keller ihr lukullisches Versprechen.
Restaurant Bacchus-Keller
Rodensteinstraße 30
64625 Bensheim
Telefon: 06251 65972
Geöffnet mittwochs bis montags 18.30 bis 1 Uhr.
Dienstag Ruhetag.
Raucherbereich: nein
Internet: www.bacchus-keller-bensheim.de

Merken
|










