Der Satz des Monats fällt beim „Dippegucker“-Gaststubenbesuch im „Hessischen Hof“ in Worfelden. „Das ist aber nichts für Weichesser“, befindet der Teenie-Sohn, denn ihm brennt der Rachen. Bestellt hat der junge Vegetarier Gnocchi, die in der Karte als scharf und mit mit Mozzarella überbacken angekündigt waren (8,40 Euro) – eines von vielen internationalen Einsprengseln in eine Speisekarte, die gutbürgerlich deutsch ausgerichtet ist.
Ebenso international, den Standards moderner Gastronomie ohne Grenzen aber nicht immer genügend, kam bei unserer Stichprobe das Krebsrahmsüppchen mit Shrimps und Kräutern für 4,50 Euro auf den Tisch: Vom Krebs war dank der üppigen Sahnezugabe wenig zu schmecken, und den Shrimps fehlte viel vom möglichen Meeresgeschmack. „Macht nichts“, befanden die Dippegucker, die schon an diesem Punkt im Menü von der Freundlichkeit der Bedienung und der netten Eindeckung des Tischs eingenommen waren. Der „Hessische Hof“ ist eine typische Dorfgaststätte alter Prägung – mit gepflegter Fachwerkfassade, tiefen Decken und passendem hölzernem Interieur im Lokal, daneben führt der Weg entlang bäuerlich gestaffelter, aber frisch renovierter Hausteile zum eher mediterran angelegten Biergarten hinter dem Hotel, das zum Haus gehört.
Hier wird bis hin zu den alten Bierkrügen im Regal und den Kaffeemühlen aus Omas Zeit, die den Raum schmücken, viel auf Tradition gesetzt – und darin liegt auch die Stärke des „Hessischen Hofs“. Kräftig südhessisch ist das Bauernomelette mit Gewürzgurke (6,50 Euro) gelungen – und so üppig wie alle Speisen, weswegen es auch die sehr großen Teller dieses Hauses braucht, um all das aufzunehmen, was darauf gebracht wird.
Landgasthof Hessischer Hof
Oberdorf 5
64572 Worfelden
Telefon: 06152 93240
Geöffnet: Montag und Dienstag sowie
Donnerstag bis Samstag 17 bis 23 Uhr,
warme Küche von 17.30 Uhr bis 22 Uhr;
Sonntag 11 bis 14.30 Uhr;
mittwochs geschlossen.
Barrierefrei: nein,
Raucherbereich nein
Bürgerliche deutsche Küche mit internationalen Einsprengseln; sehr freundlicher Service.
Weniger gelungen scheint dem Dippegucker hingegen die feine Abstimmung. Das Rinderfilet mit Cognac-Pfefferrahm und Tagesgemüse (18,40 Euro) kam ohne jedes Problem mit den Bratkartoffeln auf den Tisch, die statt der in der Karte angekündigten Kroketten erbeten wurden – Nettigkeit ist eben Trumpf in diesem Haus. Doch wollte sich der Geschmack des Ganzen nicht runden. Der auf Wunsch durchgebratenen Fleischportion war Güte zuzusprechen, die von der Überschärfe der Soße jedoch ähnlich überdeckt wurde wie der versprochene Cognac-Beiklang. Das gemischte Gemüse musste also tüchtig nachgewürzt werden, um geschmacklich dagegenhalten zu können.

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