Schleichend, tastend kommt der Wagen auf der kurvigen Strecke voran. Durch dicke Suppe und Nebelnässe geht es hoch auf die Juhöhe über Heppenheim. Aber warum? Ein erster Hinweis ist im Windfang der „Waldschenke Fuhr“ zu finden: „Findsch's dahoam mol net grad schäi, machsch de nuff uff die Juchei“ hat ein Dauergast im Überschwang gereimt und seiner Ode einen Platz unter Glas im Rahmen gesichert. Nun ist es daheim gewiss nicht übel, aber bei dieser Witterung kann das erleuchtete Halbrund des Hoteltrakts im dichten Dunst gar nicht anders als einladend wirken.
Überhaupt halbrund. Eine große Bar prägt mit dieser Form das Gastzimmer mit, und das macht sich ganz gut. Anderes ist gerade mal so halbrund geraten, auf dem Weg zur Vollendung stehengeblieben, aber zumeist doch schon so weit gediehen, dass der Besuch der Waldschenke im Ganzen eine runde Sache wird.
Die Heizkörper am Tisch zum Beispiel sind an diesem Februar
abend kühl, das Bier (0,4 Liter Binding: 2,90 Euro) auch; diese hätten wärmer sein können, jenes noch kälter. Starke Aromen - es scheint sich um Wacholder und Nelken zu handeln - sind der Soße zum Hirschbraten (14,80 Euro) für den Geschmack des Dippeguckers derart üppig beigegeben, dass die Balance in Gefahr gerät.
Waldschenke Fuhr
Auf der Juhöhe 25
69509 Mörlenbach
Telefon: 06252 4967
Geöffnet Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 21 Uhr.
Barrierefreier Zugang: ja,
Raucherbereich: nein
Internet: www.waldschenke-fuhr.de
Gutes Gasthaus in einer der schönsten Wandergegenden des vorderen Odenwalds, freundlicher Service.
Zum Garnelenspieß (7,80 Euro) wird eine leckere Knoblauchsoße gereicht und zwei Scheiben knuspriges Toastbrot. Im Hintergrund muss Angela Merkels schwäbische Hausfrau wirken, denn die Bitte nach etwas mehr Toast wird mit einer einzigen Extra-Scheibe bedacht. Sparsam sind auch Kinder in ihrem Urteil. Auf die Frage, wie denn das etwas verkleinerte und damit drei Euro billigere Wiener Schnitzel, natürlich vom Kalb, mit Pommes frites (12,20 Euro) geschmeckt hat, muss ein nach Zufriedenheit aussehendes Nicken genügen. Dass die Panierung sogleich abblättert, mag für Augenmenschen ein Problem sein; schwerer wiegt, dass das Knusprige etwas Butterzartes umhüllt. Zur Kinderbratwurst für 5,50 Euro gibt es immerhin die Auskunft „Die war net schlecht“ - und dann nachgeschoben: „Die Pommes waren besonders gut.“
Viel mehr hat der Erwachsene, dem der Lendenspieß mit Pfefferrahmsoße und Salat (19,20 Euro) zufiel, auch nicht zu sagen; zart ist es allemal, die „Kartoffelvariationen“ laden zum Vergleich ein, und nur an den Rändern ist das Rind ein wenig trocken geworden. Die Birne Helene mit Eis und Schokoladensoße (4,60 Euro) ruft den nahezu gelungenen Schlussvers des Gastro-Poeten in Erinnerung: „Die Juchei is ganz gewiss e klanes Stück vom Paradies.“
Zumindest ist so manches wie in der guten, noch nicht so alten Zeit hier: die dunkle Täfelung, Holzbalken, rötliche Fliesen, Panoramafenster, aber auch die Getränkepreise: 0,2 Liter Kalter Kaffee, Zitronenlimonade, Cola oder Apfelschorle sind für jeweils 1,70 Euro zu haben, der annehmbare Espresso für 2,10 Euro. Und für 3,20 Euro gibt ein Glas Müller-Thurgau vom Laudenbacher Sonnberg einen unkomplizierten Begleiter zum Essen.

Merken
|










