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14. August 2010 job

,,Restaurant Grünberg" in Darmstadt

Restaurantkritik: Schmeckt gut, macht satt: Ein Ausflug in die ungekünstelte polnische Küche am früheren Rößler-Eck in Darmstadt

| Vergrößern | Deutsch-polnische Begegnung am früheren Rößler-Eck. Foto: Günther Jockel

Der Star ist grün und hat gerade noch ein wenig Biss. Eine gute Salzgurke ist nicht zu verachten, und sie schmeckt umso besser, je weiter man sich in Europa in Richtung Osten bewegt. Die Scheiben kommen, um den ersten Appetit zu befriedigen, mit einem Töpfchen Griebenschmalz und weichem Weißbrot auf den Tisch, viel kräftiger im Geschmack als die ins Süßliche spielenden Gewürzgurken, wie sie hierzulande üblich sind.

Niemand käme auf die Idee, vom ,,Gruß aus der Küche" zu sprechen oder gar vom Amuse-gueule. So vornehm geht es hier gottlob nicht zu. Das Restaurant Grünberg im früheren Rößler-Eck, wo über Jahre das einzige koreanische Lokal der Stadt untergebracht war, ist eine Gaststätte, wie sie ins Industriegebiet nördlich des Hauptbahnhofs passt, mit schlichten Tischen, Geldspielautomat, Dart-Ecke und Fernsehprogramm in polnischer Sprache. Seit Frühjahr ist hier nämlich ein polnisches Restaurant zuhause, und statt ,,Guten Appetit" kann man auch ,,Smacznego!" sagen - eine Einladung an die vielen in Deutschland lebenden Polen ebenso wie an die Deutschen, die auf das sympathische Nachbarland neugierig sind oder gar selbst polnische Erinnerungen pflegen.

Zuerst stellt man freilich fest, wie wenig man über die Nachbarn weiß. Grünberg, polnisch Zielona Góra, was im zweisprachigen Restaurantnamen ebenfalls auftaucht, ist eine Industriestadt in Schlesien, nicht viel kleiner als Darmstadt, Uni- und Bischofssitz und außerdem Ort des mit 200 Hektar größten zusammenhängenden Weinbaugebietes in Polen.

Diese freilich nicht sehr bedeutende Tradition bleibt im Grünberger Außenposten an der Landwehrstraße unbeachtet. Man hat die Wahl zwischen nicht näher bezeichnetem Weiß-, Rot- und Apfelwein. Eine größere Rolle spielt, ganz wie in Polen, das Bier. Neben dem Darmstädter Pils (zwei Euro für 0,3 Liter) werden auch drei polnische Sorten angeboten, darunter das gute Zywiec, vollmundig und bitter zugleich, allerdings so kohlensäurehaltig, dass man es besser in kleinen Schlucken genießt. Es gibt zudem die Wahl zwischen drei Wodkasorten, darunter ist die in Polen zu Recht besonders beliebte Marke Wyborowa (ein Schnapsglas für zwei Euro).

All das passt ausgezeichnet zum einfachen und deftigen Essen, wie es hier zu erstaunlich günstigen Preisen serviert wird. Das Staunen beginnt bei der einzigen Vorspeise, die garantiert nicht zur polnischen Küche gehört, wenn sie auch in Polen inzwischen überall serviert wird. Schon mit der kleinen Portion des Tomatensalats mit Mozzarella kommt ein reich bestückter Teller auf den Tisch, der anderenorts für eine Familie ausreichen müsste. Die größere Überraschung aber ist die Güte: Zum Preis von drei Euro kann das einfach kein Büffelmozzarella sein - aber selbst wenn er aus Kuhmilch gemacht sein sollte, ist dieser Käse mit seiner weichen, im Kern fast flüssigen Konsistenz von einer sehr guten Qualität, die kaum etwas zu tun hat mit geschmacklos-elastischer Ware, wie sie vielfach verkauft wird.

Überhaupt sind auch die kleinen Portionen schon sehr stattlich. Wer hier einkehrt, sollte Hunger mitbringen. Der Grünberg-Salat (die kleine Ausführung zu vier Euro) ist ein appetitlich anzusehendes Gebirge vornehmlich aus Tomaten, Salatblättern, Gurkenstücken und Zwiebeln. Die auf der Karte versprochene gegrillte Hähnchenbrustschnitte findet sich untergemischt in gut erbsgroßen und recht geschmacksfreien Stücken. Die Neigung, das Fleisch sehr klein zu würfeln und dafür die zuverlässig eintretende Trockenheit zu riskieren, ist auch am Gulasch zu betrachten, das wir bei einer unserer Stichproben als Mittagsmenü bekamen; in einer vorsichtig gewürzten, nur sehr behutsam angedickten Soße lagen die Stücke um die cremige Buchweizengrütze herum. Das werktags wechselnde Mittagsmenü kostet sechs Euro, die gute Gurke vorweg, ein frischer kleiner Salat dazu - das ist ein gutes Angebot.

Buchweizen zählt zur polnischen Küche wie die Pierogi, die polnische Antwort auf Ravioli oder Maultaschen. In Russland heißen sie Pelmeni und sind kleiner, hier liegen sieben große Halbkreise aus dickem und festem Nudelteig auf dem Teller, kräftig gewölbt von der saftigen Wurstbrätfüllung, garniert mit nichts als ein paar gerösteten Zwiebelstücken (sechs Euro). Das schmeckt und macht satt. Es gibt die Pierogi auch mit Kraut und Pilzen gefüllt oder, für Kohlenhydrate-Fans, mit Kartoffeln und Käse. Kraut- oder Hackfleischfüllung zeichnet auch die Krokiety aus (sechs Euro): Sie werden aus Pfannkuchenteig akkurat zum Rechteck gefaltet und anschließend ausgebacken. Dann sind sie außen knusprig und innen teigig-weich. Die drei Pakete wären kaum zu schaffen, würde zu ihnen nicht, wie in Polen üblich, Barszcz gereicht, eine Tasse klarer, pfeffriger Rote-Bete-Suppe mit Nelken- und Pimentnote.

Natürlich wird in diesem Lokal auch das polnische Nationalgericht Bigos serviert. Der Teller zu vier Euro zeigt den schnörkellos-deftigen Stil, der keine gekünstelte Spezialitätenküche versucht, sondern einfache Gerichte in zuverlässiger Qualität auf den Tisch bringt. Die kleinen Schweinefleischstücke in dem wärmenden Eintopf haben eine gewisse Festigkeit bewahrt, dafür ist das sehr mild gesäuerte Weißkraut so wunderbar weich geschmort, dass es Vorbild sein könnte für den stimmhaft-weichen Zischlaut, mit dem man das polnische Wort ,,dobrze" korrekt aussprechen sollte, wenn die Frage kommt, ob es denn geschmeckt habe. Dobrze heißt gut.

Visitenkarte

Restaurant Grünberg
Zielona Góra
Landwehrstraße 64
64293 Darmstadt
Telefon: 06151 4607840

Geöffnet 11 bis 22 Uhr,
samstags 13 bis 24 Uhr,
sonntags 13 bis 22 Uhr.
Warme Küche bis 20 Uhr.

Raucherbereich: nein,
barrierefrei: nein


Sympathisches, einfach eingerichtetes Lokal. Herzhafte polnische Küche, gutes Essen zu sehr günstigen Preisen.
 
 


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