Auf dem Weg hinab in den Gewölbekeller des Palais von Hausen steigt der Gast ein Stück weit auch in die von Tragik umwehte Lorscher Gastronomie-Geschichte. Einst war in der 1776 errichteten Villa ein Sternerestaurant zu finden; später setzten eine Markthalle, diverse Kaschemmen und langer Leerstand dem guten Namen zu. Dass die Stadt Lorsch jüngst die Immobilie in einer Nacht- und Nebelaktion kaufte, fügte sich zur Petite Chronique scandaleuse; doch immerhin zog bald darauf neues Leben ein.
Vor allem soll es hier offenbar an nichts lange fehlen, da sind schon die drei Bedienungen für gerade einmal zehn Tische vor. Auch im Raum nebenan herrscht Zuvorkommenheit. Dort liegen Haar- und Deospray, Handcreme, Tampons, Zahnseide, Haargel und ein Parfum-Zerstäuber bereit für die geschwinde Sanierung. In scharfem Kontrast dazu steht der Küchengruß: ein paar Scheiben Weißbrot, gewissermaßen ein knapp dahingeworfenes „Tach“.
Nun wäre es schade, den Magen mit Überflüssigem zu belasten, denn gleich der Auftakt hat es in sich. Das Karotten-Ingwer-Süppchen (wieso eigentlich -chen?) mit Riesengarnele für 6,90 Euro kommt in einer abenteuerlich geschwungenen Tasse auf den Tisch, sehr würzig, sehr sättigend und nicht ohne Tücke. Um die Garnele frühzeitig zu packen, muss man sie aus der heißen Flüssigkeit fischen. „Ja, das Problem hatte ich auch schon“, sagt die Servicekraft mit viel Verständnis in der Stimme.
Einfach super ist die Kombination Ziegenkäse-Saltimbocca auf Schmorgemüse mit Rucola für 8,50 Euro mit ihren angenehmen, kein bisschen stechenden Aromen. Eigenwillige Noten prägen eher die sehr gute Fenchel-Orangen-Lasagne mit geräuchertem Mozzarella-Käse (8,40 Euro); im Ganzen nämlich passt es, Trumpf aber ist die Kruste aus gerösteten Sesamkernen. Andere Dreingaben überzeugen den Dippegucker nicht in gleichem Maße. Den Bratkartoffeln zum Tournedos fehlt es vor allem an Knusprigkeit, den Mangel an Geschmack macht der scharfe Pfefferrahm wett. Dieser lässt gerade genug Freiraum, damit das ziemlich zarte Rinderfilet dem Gaumen schmeicheln kann; 18,20 Euro sind für dieses Vergnügen angemessen.
Die kleine Kartoffelkrise freilich greift auch auf die ebenfalls üppigen Chicken-Nuggets von der Kinderkarte (4,50 Euro) über. Das Kind ist zufrieden, hat aber nach eigener Aussage auch schon weniger käsige Pommes gegessen. Auf Wunsch des jungen Testessers werden die Bandnudeln mit frischen Pfifferlingen und Serranoschinken ohne mediterrane Soße serviert; bei gleichem Preis hat man neben dem Gemüse auch das Salz weitgehend weggelassen.
Restaurant Palais von Hausen
Bahnhofstraße 18
64653 Lorsch
Telefon 06251 1039771
Geöffnet montags bis freitags
von 17.30 Uhr bis 23 Uhr,
samstags von 10 bis 24 Uhr,
sonntags von 10 bis 23 Uhr.
Raucherbereich: nein,
barrierefreier Zugang: nein.
Internet: www.restaurant-palais.de
Gepflegte Atmosphäre, guter Service, üppiges Essen mit etwas Luft nach oben.
„So muss er schmecken“, lautet dagegen das Urteil über den Espresso für 1,80 Euro. Das trockene Küchlein dazu muss man ja nicht essen. Vielleicht ein Sinnbild für den Neustart im Palais: in der Hauptsache gut, in den Details noch zu verfeinern.

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