Nein, die Hexen, die an den Balken zu kleben scheinen und von der niedrigen Decke hängen, sie werden nicht schöner – auch beim zweiten Hinsehen nicht. Überall lauern die grimmigen Damen – auf ihren Besenstielen reitend – im Gastraum des kleinen „Odenwälder Hexenhauses“ in Fränkisch-Crumbach. Man mag sich gar nicht ausdenken, was hier in der Walpurgisnacht los ist.
Ob Kartenspiel- oder Frauenrunde, das urgemütliche Bier- und Weinlokal ist gut besucht, zumal es insgesamt nur 50 Sitzplätze gibt. Und die verteilen sich in dem Häuschen auf zwei Etagen, verbunden durch eine steile Holztreppe. Eine Tischreservierung scheint also dringend geboten. Diese nimmt seit Oktober Kathrin Göttmann entgegen. Sie ist als neue Inhaberin sozusagen die Oberhexe. Die junge Wirtin – gelernte Bäckerin – folgte Christa Diez, die nach 23 Jahren im gastronomische Zauber-Einsatz etwas kürzertreten wollte, aber ihrer Nachfolgerin noch mit Rat und Tat zur Seite steht. Die Staffelübergabe erfolgt also nicht abrupt, und an den bewährten Klassikern auf der Speisekarte hält Göttmann fest. Das Einzige, an das sich Gäste und die überaus aufmerksame und freundliche Bedienung noch gewöhnen müssen, ist das computergesteuerte Kassensystem. Die erweiterten Öffnungszeiten sehen jetzt sonntags ab 14 Uhr Kaffee und Kuchen vor.
Von der Einrichtung – rustikale Holzstühle mit Kisschen – lässt sich im „Hexenhaus“ durchaus auf das kulinarische Angebot schließen. Urig ist es. Im Mittelpunkt der regional ausgerichteten Karte stehen Kartoffelgerichte. Das Angebot beginnt mit der sahnig-würzigen Kartoffelsuppe (3,50 Euro) und hört mit der sogenannten Hexenkartoffel (5,80 Euro) – mit frischem Kräuterquark und Speck garniert – noch lange nicht auf. Ein dickes Lob gilt den Bratkartoffeln: angenehm kross und nicht fettig. Dazu wird beispielsweise Schweinenacken in Aspik mit Zwiebelmarinade gereicht, ein rustikaler Bauernschmaus für 8,10 Euro. Ganz klassisch begleiten die Bratkartoffeln aber auch zwei grobe Bratwürste (6,90 Euro), die auf einen sehr guten Metzger als Lieferanten schließen lassen.
„Odenwälder Hexenhaus“
Pretlackstraße 7
64407 Fränkisch-Crumbach
Telefon: 06164 4666
Geöffnet Montag und Mittwoch bis Samstag
ab 18 Uhr,
Sonntag ab 14 Uhr,
Dienstag Ruhetag.
Barrierefrei: ja,
Raucherbereich: nein
Nicht schrecken lassen sich die Dippegucker von dem angekündigten „Misthaufen“. Dahinter oder besser gesagt darunter verbergen sich ebenfalls die leckeren Bratkartoffeln, diesmal mit Kochkäse überbacken (7,20 Euro). Ebenfalls hausgemacht und wunderbar cremig-aromatisch ist der Handkäse (4,50 Euro) – unsere Empfehlung.
Auch Salat-Fans kommen nicht zu kurz: Der grüne Klassiker – Bauernsalat genannt (6,50) – schwimmt in einer würzigen Vinaigrette, getoppt von Dörrfleischwürfeln, die in Knoblauchbutter angenehm geröstet wurden. Das kräftige Odenwälder Bauernbrot ist nicht nur hier ein passender Begleiter.
Auf der Karte stehen ausschließlich offene Weine. Wir wählen einen soliden Groß-Umstädter Riesling vom Weingut „Brücke Ohl“ (3,30 Euro) sowie einen Pfälzer Dornfelder (3,30 Euro), der sich als etwas flach erweist. Erfreulich: Die große Flasche Mineralwasser schlägt nur mit 3,50 Euro zu Buche.
Die Portionen sind üppig, so dass sich die Dippegucker außerstande sehen, noch die ausgebackenen Apfelringe mit Vanilleeis als Dessert zu kosten. Aber ein „Hexenkaffee“ (3,50 Euro) mit Eierlikör und Sahne trägt zum gelungenen und passenden Abschluss bei.

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