Mit Namen ist das so eine Sache. Für ein Gasthaus kann er zum Problem werden, wenn Erwartungen geweckt, dann aber enttäuscht werden. So musste man sich vor Jahren über einen Odenwälder Gasthof ärgern, der den Hirsch zwar stolz im Namen führte, das Wild jedoch nicht auf der Karte hatte – mitten in der Jagdsaison.Auch der Name „Kaiserlich“ erscheint etwas gewagt für den Restaurationsbetrieb einer Stadthalle. So zu finden in Babenhausen, wo der Gast weder kaiserlich speist noch wie ein König, aber doch sehr gut bürgerlich. Und das ist ja schon etwas, zumal gerade Bürgerhäuser und Stadthallen mancherorts zur kulinarischen Vorhölle zu gehören scheinen. Ganz anders in Babenhausen. Dort sind die Wirtsleute Jens und Veronika Kaiser (daher der Name) vor sechseinhalb Jahren mit ihrem Restaurant an den Start gegangen. Sie haben sich einen Spitzenplatz in der regionalen Gastronomie erkocht – einige im großzügigen Gastraum aufgehängte Urkunden legen davon Zeugnis ab.Die Kaisers fühlen sich nach eigenem Bekunden der „kreativen deutschen Küche“ verpflichtet. Die übersichtliche Karte zeigt, was darunter zu verstehen ist: Klassiker wie das Wiener Schnitzel, Leber Berliner Art, Rehragout, Tafelspitz und Sauerbraten finden sich dort ebenso wie mediterran angehauchte Fischgerichte, ein wenig Pasta oder ein hausgemachtes Cassis-Sorbet. Das mag in der Aufzählung ein bisschen nach Sammelsurium klingen, ist aber als Ganzes gut durchdacht. Ergänzt wird das permanente Angebot durch Saisonales. So gibt es in den Wochen vor Weihnachten eine eigene Karte für Gans und Ente. Bemerkenswert auch das Weinangebot. Zum Ausschank kommen fast ausschließlich die Erzeugnisse zweier deutscher Winzer: von Arno Kronenberger aus dem rheinhessischen Vendersheim und von Markus Schwaab aus Kirrweiler in der Pfalz. Zur Wahl der Weingüter kann man das „Kaiserlich“ nur beglückwünschen – was die Tester im Glas hatten, war absolut überzeugend.Zum guten Ton in der Gastronomie gehört heute der sogenannte „Gruß aus der Küche“. An diesem Samstagabend trägt die freundliche Servicekraft ein wenig Kartoffelsuppe im Schnapsglas an den Tisch. Man löffelt sie mit einem Teelöffel, genießt die wohlig-würzige Wärme – und wartet frohgestimmt auf die Fortsetzung.
Restaurant „Kaiserlich“
Bürgermeister-Rühl-Straße 6
64832 Babenhausen
Telefon: 06073 61949
Internet: www.restaurant-kaiserlich.de
Öffnungszeiten:
Montag, Donnerstag,
Freitag und Sonntag
11.30 Uhr bis 14 Uhr und
17.30 Uhr bis 1 Uhr;
Samstag 17.30 Uhr bis 1 Uhr;
Dienstag und Mittwoch Ruhetag.
2. Januar bis 6. Januar 2012 wegen Urlaubs geschlossen.
Raucherbereich: nein.
Für Rollstuhlfahrer geeignet.
Traditionell bürgerliche Küche hervorragend zubereitet, freundlicher Service, angemessene Preise.
So geht es mit den Hauptgerichten weiter. Das Rehragout (14,90 Euro) ist butterzart, die Soße schön reduziert und entsprechend kräftig. Das geheimnisvolle Aroma mag von Wacholder oder Nelken geprägt sein, jedenfalls passt der Geschmack zur weihnachtlichen Stimmung. Dazu gibt es die obligatorischen Klöße und ein feines Rotkraut. Der Zwiebelrostbraten ist vom Rind (15,90 Euro) und ebenfalls ein Genuss. Nur den Bratkartoffeln hätten ein paar zusätzliche Minuten in der Pfanne gut getan.
Zum dunklen Fleisch wählen die Tester den Cabernet Sauvignon vom Kirrweiler Römerberg. Er schlägt mit 5,80 Euro für das Glas (0,2 Liter) zu Buche – ein stolzer Preis. Doch die Investition lohnt: Der Tropfen zeigt eindrucksvoll, wie stark sich die deutschen Roten in den vergangenen Jahren entwickelt haben – warm, kraftvoll-würzig, tanninreich, gradezu gravitätisch präsentiert sich dieser Pfälzer. Ebenfalls sehr zu empfehlen ist der rassige Chardonnay aus Vendersheim (4,80 Euro), dessen fruchtige Aromen noch lange auf dem Gaumen nachklingen.
Noch ein Dessert? Eigentlich geht kaum noch etwas, doch hat der Abend einen süßen Ausklang verdient: Die Lebkuchenmousse (5,80 Euro) ist ein mit Gewürzen aus der Weihnachtsbäckerei verfeinertes Mousse au chocolat, sehr ordentlich, aber auch eine Kalorien-Herausforderung. Die leichte Alternative ist das hausgemachte Cassis-Sorbet – wahlweise mit oder ohne Sekt (fünf Euro). Die drei Kugeln sind ein wunderbar herb-frisches Finale dieses rundum gelungenen kulinarischen Ausflugs in die Stadthalle von Babenhausen.

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