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Kunst und Genuss in guter Nachbarschaft: Das Theaterlokal gehört zur Comedy Hall in Bessungen. Foto: Günther Jockel
Das Ambiente ist wohl einzigartig in der südhessischen Gastronomie: der rote Theatervorhang hinter der Tür, die vielen alten Puppentheater-Figuren an den Wänden, die schön altmodischen Tische und das heimelige Halbdunkel. Und nun liegt er da auf dem Teller. »Erwin« ist schön flach geklopft, braun gebrutzelt und garniert mit Gereesde und Kochkäs. »Erwin« hat Hausrecht in der Darmstädter Comedy Hall mit ihrem Kikeriki-Theater. Seit bald 20 Jahren ist er der erfolgreiche Titelheld im Kikeriki-Stück »Erwin - ein Schweineleben« - und nimmt dafür auch den Ehrenplatz im Namen von gleich fünf Schnitzel-Posten auf der Speisekarte des Theater-Lokals ein.
Wobei das Schwein auf dieser Karte freilich nur halb hessisch daher kommt, denn dort heißt es bei den Beilagen nicht »Gereesde« und auch nicht »Kochkäs«. Er wird von »Bratkartoffeln« und »Kochkäse« begleitet, was wohl auch besser hierhin gehört, schließlich sprechen die meisten Gäste ringsum gepflegtes Hochdeutsch. Ein bisschen Heiner-Deutsch kann, wer will, dennoch beim Bestellen lernen. Denn neben dem Menüangebot stehen gastronomische Begrifflichkeiten der Darmstädter Geschichte, wie der »Flaatscher« (ein großes Stück Fleisch, das zum Schnitzel ja gut passt) und der »Stinkadores« (Handkäse, den man für den Kochkäse verwenden kann, wenn dieser kräftig werden soll im Geschmack).
»Erwin« mit dem Kochkäse (11,80 Euro) kommt in der Comedy Hall beim Dippegucker-Essen jedoch gepflegter an den Tisch. Da stinkt nichts, dagegen wird üppig und sehr gepflegt serviert. Zwei kleinere Schnitzel und die Bratkartoffeln teilen sich einen großen Teller, der warme, eher sanfte Kochkäse kann aus der Sauciere selbst dazu gegossen und damit in der Menge bemessen werden - im Ganzen kein überraschendes Erlebnis, aber sehr solide. Solide ist auch die Qualität der Bratkartoffeln, die eine Dippegucker-Vorliebe sind und weit mehr Geschick in der Küche verlangen als zunächst anzunehmen. Denn die gebratenen Kartoffeln mit Zwiebeln und oft auch Speck müssen auf den Punkt braun und nicht zu fett gebraten sein, dazu im Zusammenspiel mit den Zutaten nicht zu streng, aber auch nicht langweilig schmecken.
Beim »Halwe Fladdermann« kommt es durch die Dippegucker-Bestellung zu kräftigen Veränderungen zum Kartenangebot. Auf Wunsch wird aus dem halben Brathähnchen mit hausgemachten Kartoffelchips, Kräuterquark und Krautsalat (12,80 Euro) das Hähnchen mit Pommes frites und grünem Salat - »kein Problem«, wie die freundliche Bedienung sagt und Ketchup und Mayonnaise gleich mit dazubringt. Der »Fladdermann« beweist auch in dieser Kombination die - heutzutage oft schon fast vergessenen - Möglichkeiten eines Hähnchens vom Grill: viel frisches Geflügel mit einer kräftigen braunen Kruste, unter der dieses Fleisch zart geblieben war.
Der dritte Esser im Bund macht »Urlaub deham« (8,20 Euro) an diesem Abend: ein bisschen mediterran, ein bisschen deutsch türmt sich der große Makkaroni-Berg mit seinen Zucchini, Oliven, Tomaten, Gartenkräuter und Thunfisch (der auf Wunsch auch wegbleiben kann) auf dem großen Teller. Das Gericht ist eine sehr schmackhafte Alternative, nicht nur für Vegetarier. Einziges, dafür aber im Sinn des Wortes von Gabel zu Gabel zunehmendes Manko (das sich auch auf den grünen Salat zum Hähnchen übertragen lässt): Die vielen starken Kräuter überlagern nach dem Empfinden der Dippegucker den Grundgeschmack der Makkaroni und ihrer Gemüsebeilagen zu stark.
Visitenkarte
Comedy Hall Theater-Lokal
Heidelberger Straße 131
64285 Darmstadt
Telefon: 06151 964280
Reservierung empfohlen.
Geöffnet Montag bis Samstag von 17.30 Uhr bis 1 Uhr,
warme Küche bis 23 Uhr.
Sonntag Ruhetag.
Raucherbereich: nein
Barrierefrei: nein
Restaurant mit hessischem Speiseangebot und ungewöhnlichem Ambiente. Solide Qualität, durchschnittliches Preisniveau. Freundlicher Service.
Internet:
www.comedy-hall.de/lokal
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