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26. März 2011 bet

„Bauernhofcafé Grünewalds“ in Ober-Klingen

Restaurantkritik: Das „Bauernhofcafé Grünewalds“ in Ober-Klingen bietet regionale Produkte in gemütlicher Atmosphäre – Selbstgebackener Kuchen

| Vergrößern | Deftige Genüsse in uriger Umgebung bietet das Bauernhofcafé Grünewalds in Ober-Klingen bei schönem Wetter auch im Hof vor der großen Gaststube. Foto: Günther Jockel

Früher haben hier Kühe im Stall gestanden, jetzt essen hungrige Wanderer Kuchen oder am Abend vorzugsweise Schnitzel. Die Familie Lutz hat den ehemaligen Viehtrakt ihres Anwesens im Otzberger Ortsteil Ober-Klingen zu einem gemütlichen Bauernhofcafé umfunktioniert, benannt nach dem Mädchennamen der Urgroßmutter Eva Grünewald. Dunkle Holzmöbel stehen im Gastraum, der liebevoll dekoriert ist mit Kunsthandwerk. Das kann auch gekauft werden. Uns hat übrigens der Garten-Metallspieß mit der dicken Ton-Madame besonders gut gefallen. Ebenso werden frische Eier, Äpfel, Kochkäse, Spirituosen und Wurst im Hofladen angeboten.Gleich am Eingang des großen Gastsaals, der räumlich durch einen Holz-Paravent unterteilt ist, steht die gläserne Kuchenvitrine. Selbstgemachter Käse-, Streusel- oder Apfelkuchen sowie Torten – mindestens 15 Zentimeter hoch – warten hier am Wochenende nicht lange auf Abnehmer. Eventuell verloren geglaubte Kalorien beim Erklimmen der nahe gelegenen Veste Otzberg haben so keine Chance. Eine Hüftgold-Sünde ist das Angebot aber allemal wert. In jedem Stück Apfelkuchen wurde mindestens ein ganzer Apfel verarbeitet.
Auch wer sich gegen Abend im Bauernhofcafé einfindet, muss den Kalorienzähler daheim lassen und vor allem der Hausmannskost zugetan sein. Denn auf der Speisekarte steht durchweg Deftiges zu günstigen Preisen. Wir haben uns für ein Kochkäseschnitzel (9,80 Euro) und ein Hacksteak (8,20 Euro) jeweils mit Bratkartoffeln (50 Cent Aufschlag) entschieden. Außerdem werden ein kleines Zwiebelschnitzel (7,90 Euro) sowie Schweinemedaillons mit Champignons (11,50 Euro) geordert.
Zu allen Gerichten gibt es einen Salat, den man sich am Buffet selbst zusammenstellen darf. Gurke, Karotten, grüner Salat, Bohnen, Paprika, Blumenkohl sowie Kartoffelsalat stehen hier zur Auswahl. Dazu drei leckere Dressings – Joghurt, Sahne-Senf sowie Essig und Öl. Als Plus für obendrauf stehen Sonnenblumen- und Kürbiskerne sowie Croûtons bereit. Ein gesunder, frische Auftakt, der auch noch im Preis inbegriffen ist und mengenmäßig ganz individuell ausgestaltet werden kann.

Visitenkarte

„Bauernhofcafé Grünewalds“
Bachstraße 4
64853 Otzberg/Ober-Klingen
Telefon: 06162 72425

Geöffnet Mittwoch und Donnerstag 18 bis 23 Uhr,
Freitag bis Sonntag 14 bis 23 Uhr,
Montag und Dienstag Ruhetag.

Barrierefrei: ja,
Raucherbereich: nein

Deftige Hausmannskost und leckere Kuchen zu fairen Preisen.


Die Produkte, die es im „Grünewalds“ gibt, werden übrigens aus der Region bezogen. Eine Liste der Lieferanten ist in der Speisekarte eingeheftet. Das Bier kommt beispielsweise von der Schmucker-Brauerei. Fürs Pils (0,3 Liter) werden zwei Euro verlangt, der halbe Liter Weizen kostet drei Euro. Weintrinker haben eine kleine Auswahl zwischen zwei Erzeugern – Brücke-Ohl aus Groß-Umstadt und Becker aus Zornheim/Rheinhessen. Wir entscheiden uns für den trockenen Groß-Umstädter Silvaner (0,2 Liter zu 3,10 Euro).
Wie erwartet, füllt das Kochkäseschnitzel den großen Teller fast komplett aus. Hier tritt „Grünewalds Bauernhofcafé“ aber den Beweis an, dass Masse auch Klasse sein kann. Das Fleisch ist zart, die Panierung nicht zu dick. Den leckeren Kochkäse gibt es natürlich auch ohne Schnitzel mit Brot. Die Bratkartoffeln, die in einem Extra-Schälchen gereicht werden, hätten eine Spur krosser sein dürfen.
Das Zwiebelschnitzelchen für den kleineren Hunger – in einem anderen Restaurant würde es als normale Portion durchgehen – ist für den Geschmack der Dippegucker ein bisschen trocken. Und mit der Zwiebelsoße hat es die Küche zu gut gemeint. Die Pommes frites allerdings sind so, wie sie sein müssen: kross und nicht fettig. Die drei Schweinemedaillons zieren frische Champignons – was keine Selbstverständlichkeit ist. Doch Dosenware kommt hier nicht auf den Tisch. Saftiges Fleisch und Soße können überzeugen, die leicht matschigen Spätzle sind eine Spur zu lange im Wasser gelegen. Das Hacksteak war angenehm gewürzt, die pikante Zwiebelsoße diesmal weniger üppig über den Teller verteilt.
Für einen Nachtisch ist der Magen nach diesen Portionen nicht mehr aufnahmebereit. Da verlangt es doch eher nach einem Gaumenschmeichler von den hauseigenen Streuobstwiesen. Also werden Schnäpse quer durch den Apfelgarten geordert – Boskop, Goldparmäne und Braeburn (je 2,10 Euro) sowie ein Apfel-Vanille-Likör (zwei Euro). Gaumenschmeichler ist untertrieben: Die klaren Brände sind fein im Aroma und ganz mild im Abgang. Schade nur, dass wir mit dem Auto gekommen sind. Die Testreihe durch den Obstgarten hätten wir gerne noch fortgesetzt.

 
 


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