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Die stärkende Einkehr in der Alten Dorfmühle an der Auerbacher Bachgasse wird nicht nur von Wanderern geschätzt. Foto: Günther Jockel
Der Traum von einem perfekten Spätsommer-Tag: Spaziergang im Fürstenlager in Bensheim-Auerbach und anschließend frischen Obstkuchen essen in der »Alten Dorfmühle« in der Bachgasse. Doch nicht nur für hungrige Wanderer ist die urige Gaststätte eine willkommene Anlaufstation. Auch zahlreiche Doppelkopf- oder Skatrunden und Frauen-Stammtische fühlen sich von der Gemütlichkeit angezogen.Sitzt man nicht gerade im verglasten Wintergarten, dann erwarten den Gast niedrige Holzdecken und jede Menge Abwechslung wie eine hauseigene Zeitung, die »Mühlenpost«, oder Gesellschaftsspiele auf jedem Tisch. Wir haben glücklicherweise den Würfel-Klassiker »Kniffel« vorgefunden. Auch Liebhaber alter Kaffeekannen kommen auf ihre Kosten. Langweilig wird es also nie in der »Alten Dorfmühle«. Der Name ist übrigens berechtigt. Das Müh
lenanwesen wurde erstmals 1475 erwähnt.
Bei derlei Abwechslung gerät das Essen leicht ins Hintertreffen, allerdings zu Unrecht. Doch schon die Speisekarte bietet mit ihren liebevoll gezeichneten Details wie lustigen Männchen oder Schweineköpfen erneutes Ablenkungspotenzial. So fällt es schwer, sich auf die kleine Karte zu konzentrieren. Eine Schiefertafel informiert über die frischen Spezialitäten der Woche. Die Zutaten kommen alle aus der Region, das Bier aus Weinheim, die Fruchtsäfte von der Süßmosterei Fries aus Jugenheim. Auch der Wein - wie sollte es anders sein - wird ausschließlich von Winzern aus Auer
bach bezogen. Uns hat der angenehm trockene Merlot (0,1 Liter zu drei Euro) des Weinguts Hanno Rothweiler sehr gut geschmeckt. Außerdem erwähnenswert: Mit zwei Euro ist die Halb-Liter-Karaffe Wasser sehr fair kalkuliert.
Nach längerer Beratungszeit fällt die Wahl unserer Runde auf einige hessische Klassiker. Die Odenwälder Wurstplatte (7,50 Euro) - Blut- und Leberwurst sowie Schwartenmagen - sprechen für die Qualität von Metzger Mehl in Fehlheim, und auch der Kochkäse mit Musik (fünf Euro) ist so, wie er sein soll: mild und cremig. Dazu werden jeweils drei Scheiben hausgebackenes Sauerteig-Brot und ausreichend Butter gereicht. Aber auch die Basilikum-Suppe (4,50 Euro) kann geschmacklich voll überzeugen. Das schönste Kompliment an die Küche kommt allerdings von unserem Gast aus Chile: »Das ist der beste gemischte Salat, den ich in Deutschland gegessen habe.« Dem ist nicht viel hinzuzufügen.
Wer von Kochkäse nicht genug bekommen kann, dem ist das Kochkäse-Schnitzel (zehn Euro) zu empfehlen. Das zarte Schweinefleisch mit kräftigem Geschmack harmoniert sehr gut. Dazu gibt es knackige Kartoffel
ecken. Pommes frites, so ist zu vermuten, gibt es hier aus Überzeugung nicht. Etwas weniger überzeugt allerdings an diesem Abend der Elsässer Flammkuchen (acht Euro), der frisch im roten Holzofen jeden Mittwoch und Donnerstag zubereitet wird. Der Teig ist für den Geschmack der Dippegucker zu dick. Die hausgemachten Nudeln mit Cocktailtomaten, Oliven und Spinat (13,50 Euro) sind bissfest und schwimmen in nicht allzu viel Kräuter-Olivenöl. Die gerösteten Pinienkerne runden das Gericht auch geschmacklich sehr gut ab, nur hätte in diesem Fall der Koch mit dem Salz ein wenig sparen sollen.
Da die Portionen reichlich sind, bleibt nicht viel Platz für einen Nachtisch. Wer möchte, kann sich Obstkuchen auswählen. Unser Augenmerk fällt zusätzlich auf ein Aprikosen-Crumble (5,50 Euro). Die freundliche Bedienung, die uns an diesem Abend durchweg duzt, bringt eine sehr heiße Auflaufform, in der außerdem noch frische Johannisbeeren unter den leckeren Streuseln schlummern. Auch zwei Personen erfreuen sich an diesem Dessert. Es empfiehlt sich daher noch ein Trester (drei Euro) oder ein nicht zu süßer Holunderlikör (3,50 Euro) zum Abschluss.
Ein Örtchen, nämlich das stille, muss im Falle der Alten Dorfmühle unbedingt erwähnt werden. Denn die neckischen Wandmalereien - wohl von einem Harem inspiriert - sind sehenswert. Auch hier zeigt sich wieder viel Liebe fürs Detail. Das macht einen Aufenthalt in der »Alten Dorfmühle« zum echten Vergnügen.
Visitenkarte
Alte Dorfmühle
Bachgasse 71
64625 Bensheim
Telefon: 06251 788496
Geöffnet von Montag bis Freitag ab 18 Uhr,
Samstag ab 15 Uhr
und Sonntag ab 12 Uhr.
Kein Raucherraum,
kein barrierefreier Zugang.
Rustikales, gemütliches Restaurant mit schmackhafter regionaler Küche zu günstigen Preisen.Internet:
www.alte-dorfmuehle.de
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