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27. Juni 2008 wow

„Corroboree“ in Darmstadt

Känguruh schmeckt wie Wild, Krokodil erinnert an Hühnchen

Corroborree
| Vergrößern | Von Italien aus hat das ,,Bruschetta" genannte Röstbrot selbst die australische Küche erobert - hier eine Variante mit Tomatenwürfeln. Foto: Pixelio
Corroborree
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Von Italien aus hat das ,,Bruschetta" genannte Röstbrot selbst die australische Küche erobert - hier eine Variante mit Tomatenwürfeln. Foto: Pixelio
Pioniergeist hat selten mit Etikette zu tun. Australien, das mehr noch als der wilde Westen Amerikas den Geschmack von Freiheit und Abenteuer verspricht, ist darum gewiss nichts für Feingeister. Wahrscheinlich gerade deswegen hat das australische Lokal „Corroboree“ im Ibis-Etap-Block bei Darmstadts Jugend inzwischen Kultstatus. Die Musik – querbeet von Rock’n’Roll bis Hiphop – ist stets laut, aber nie laut genug, um im Sommer bei geöffneter Fensterfront den Lärm der Kasinostraße zu übertönen. Das junge, nicht immer kundige Personal ist von jener überströmenden Herzlichkeit, wie man sie auch in der Einsamkeit der Outbacks dem fremden Gast gegenüber erwarten würde. Doch die Herzlichkeit schlägt unversehens in schroffe Zurechtweisung um, wenn dieser Gast zur Unzeit die Toilette aufsuchen möchte. Dazu muss er den Weg über die Empore nehmen, die indes erst um 19.30 Uhr freigegeben wird. Schon wird man angeblafft, als habe man ein Schaf entwendet. Der Beliebtheit des „Corroboree“ – dieses Aborigine-Wort steht für Feiern und Festlichkeit – steht diese saloppe Haltung indes ebensowenig im Wege wie die teils saftigen Preise für zumeist höchstens durchschnittliche Qualität. In dieser Hinsicht hat sich gegenüber dem Besuch der Dippegucker-Kollegin vor fünf Jahren nichts geändert. Auch das rustikal-elegante Interieur ist noch dasselbe, mit einer meterlangen Bar und allerlei australischem Dekor, vom originellen Straßenschild bis zum touristischen Foto. Einen legendären Ruf hat das „Corroboree“ für seine gigantischen Burger, die mit den Vorbildern der amerikanischen Ketten wenig gemein haben, dafür aber drei- bis viermal so viel kosten. Wir haben indes einen ersten Einblick in die Schmelztiegel-Küche Australiens, in der Einwanderer aus aller Herren Länder ihre Spuren hinterlassen haben, über die sehr empfehlenswerte Vorspeisenplatte „Tucker 4 two“ gewonnen. Die kostet pro Person 7,50 Euro, die Zweier-Version reicht aber leicht für drei oder vier Esser, bereitwillig werden auch zusätzliche Teller und Bestecke gebracht. Sowieso kann man das meiste davon mit den Fingern essen: Bruschetta mit Tomaten und gehackten Nüssen etwa, Hühnerteile mit würziger Kruste oder frittierte Gemüsestücke mit diversen Dips. Auch die ordentlich gewürzten Spareribs (9,90 Euro) isst man am besten mit den Fingern; für Freunde dieser gegrillten Schweinerippen („Leiterchen“) ist der Dienstag wichtig: Da gibt es für diesen Preis Rippchen und Hühnerflügel satt bis zum Abwinken. Besteck ist bei den Wraps – das klingt viel exotischer als die deutsche Übersetzung „Wickel“ – indes dringend erforderlich, die gefüllten Fladen sehen hübsch aus, zerfallen aber leicht; es gibt sie vegetarisch, mit Huhn, Lachs oder Kängurufleisch (5,90 bis 7,50 Euro). Während Känguru irgendwie vertraut nach Wild schmeckt, erinnert beim Krokodil (Croc Tornedos für 17,70) der süßliche Geschmack entfernt an Huhn. Wer schon einmal in Florida war, weiß vielleicht, dass Alligator ganz ähnlich schmeckt, was aber kaum überraschen dürfte. Als Beilage trifft man mit einer Folienkartoffeln und Sauerrahm meist die bessere Wahl, die gebackenen Kartoffelecken (Aussie Cut Fries) empfanden wir als eintönig. Sie schmeckten, als stammten sie aus der Tiefkühltruhe. Am Macadamia-Reis hat die Kollegin schon vor fünf Jahren bemängelt, dass die Nüsse kaum zu ahnen seien. Das außerdem gereichte „Wokgemüse“ ist dezent gewürzt und knackig. Wer das australische „Foster“-Bier nicht mag (dafür gibt es triftige Gründe), kann auf Franziskaner oder das beliebte Newcastle Brown Ale ausweichen; die Preise – 3,70 Euro für die Halbe – sind noch im Rahmen. Der australische Hauswein für 3,90 Euro pro Glas (0,2 Liter) ist jedoch belanglos, die besseren Sorten mit 6,40 Euro deutlich überteuert. 2,40 Euro für eine Cola (0,3 Liter) schließlich treiben Familienvätern die Tränen in die Augen. Allerdings pflegen colatrinkende Teenies dieses Lokal eher nicht in Begleitung ihrer Väter zu betreten.


Visitenkarte

Corroboree - Aussie Bar & Grill
Kasinostraße 4-6
64293 Darmstadt
Telefon: 06151 4286824

Täglich ab 18 Uhr geöffnet.

Raucherbereich: nein


Internet: www.corroboree.info
 
 


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