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16. Juli 2011 job

„Yang-Ji - Sushi & More“ in Darmstadt

Restaurantkritik: Das frühere „Yang-Ji“ aus dem Rössler-Eck ist zum Schnellrestaurant an der Darmstädter Grafenstraße geworden

| Vergrößern | Sushi werden traditionell mit Stäbchen gegessen, so wie auf dieser Aufnahme aus einem japanischen Restaurant in Berlin. Wer sich im Darmstädter „Yang-Ji“ ungeschickt anstellt, wird vom aufmerksamen Service mit einer Gabel versorgt. Archivbild: dpa

Früher galt die untere Bleichstraße wegen ihrer vielen Restaurants als Darmstädter Genießermeile. Diesen Rang hat inzwischen die Grafenstraße erobert, wo in den vergangenen Jahren ein Lokal das nächste angelockt hat. Inzwischen ist eine internationale kulinarische Nachbarschaft gewachsen, die das Bedürfnis nach rascher Verpflegung stillt, und mit ihr ein großer und lebhafter Publikumsverkehr.
Jüngster Neuzugang ist das auf Sushi spezialisierte „Yang-Ji“, dessen Eingang sich am Anfang der Adelungstraße befindet. Yang-Ji heißt „sonniger Ort“, was in Darmstadt nicht unbekannt ist: Das neue Lokal ist, unter gleichem Namen und gleicher Leitung, aber mit verändertem Konzept, die Wiederkehr des einzigen koreanischen Restaurants der Stadt, das bei seiner Schließung im Herbst 2008 etliche betrübte Stammgäste hinterließ. Für sie ist die Sonne nun wieder aufgegangen im Eckhaus von Grafen- und Adelungstraße, wo dank des brummenden Verkehrs und der direkten Nachbarschaft zum „San Remo“ Darmstadt ausgesprochen italienisch wirkt. Das passt nicht schlecht, denn die Koreaner bezeichnen sich gerne als die Italiener Asiens, was nicht nur die gelassene Lebensart meint, sondern auch die Lust an einer bodenständigen, traditionsverbundenen und doch sehr feinen Küche. Sushi, die im „Yang-Ji“ den Mittelpunkt des Angebots bilden, gehören eigentlich nicht dazu, aber ihre japanische Heimat liegt ja in direkter Nachbarschaft zu Korea.Das Verhältnis der Nachbarn zueinander war nicht immer ungetrübt. Aber der Geschmack offenbart kulinarische Völkerfreundschaft: Die Sushi in diesem Lokal sind von ausgezeichneter Qualität und darüber hinaus wunderschön anzuschauen. In der offenen Küche wird eine geschickte Bastelarbeit mit erstklassigen Zutaten verrichtet; das Ergebnis kostet zwischen 2,50 (zwei „Maki“ mit Gurke) und 18,50 Euro (Premium-Menü mit einer großen Auswahl der unterschiedlichsten Päckchen).

Visitenkarte

Yang-Ji – Sushi & More
Grafenstraße 33-35
(Eingang Adelungstraße 11)
64283 Darmstadt
Telefon: 06151 3528554

Geöffnet: Montag bis Samstag 11 bis 22 Uhr

Barrierefrei: eine Stufe am Eingang,
Raucherbereich: nein.

Schnellrestaurant mit freundlicher und gepflegter Atmosphäre. Sushi und einige koreanische Gerichte in sehr guter Qualität. Kein Alkohol.

Dass kalter Reis und roher Fisch zu den häufigsten Grundzutaten gehören, weiß auch der Sushi-Laie. Die Speisekarte des „Yang-Ji“ lehrt, dass nicht nur die Zutatenliste vielseitig ist – ob Trogmuschel oder Rettich, Aal oder Avocado, Fischrogen oder Tunfischbauch. Auch die Zubereitung kennt Varianten: Für „Nigiri-Sushi“ werden aus dem vorschriftsmäßig sehr klebrigen Reis längliche Würste geformt und dann belegt, „Maki-Sushi“ sind die von Seetang-Blättern umhüllten und dann in Scheiben geschnittenen Rollen, die es auch in der Variante „Inside Out“ gibt. Dann fehlt das Seetangblatt, und für die Außendekoration sorgen beispielsweise Fischrogen oder Sesam.
„Kimbab“ hingegen sieht zwar aus wie ein Maki-Sushi und schmeckt auch ziemlich ähnlich, ist aber eine koreanische Reisrolle, die traditionell mit gekochten Zutaten gefüllt wird (acht Stück für vier bis 6,50 Euro). Vor dem Verzehr tunkt man die Sushi in Sojasoße, die man mit Wasabi zusätzlich schärfen kann; der durchdringende Geschmack der braunen Tunke überdeckt freilich alle anderen Aromen, und im Mund bleibt vor allem ein sehr salziger Eindruck zurück. Das Ganze ist mit Stäbchen zu bewerkstelligen. Wer sich dabei ungeschickt anstellt, wird beobachtet und bekommt dezent eine Gabel gereicht. Ein Messer wäre noch besser, denn gerade die mit rohem Lachs oder Tunfisch belegten Nigiri haben eine Größe, die man schicklicherweise nicht ganz in den Mund steckt.
Aber der regelmäßige Sushi-Freund wird darin Routine erwerben können. Für alle anderen bietet das „Yang-Ji“ ausgezeichnete Alternativen. Natürlich steht Kimchi auf der Karte, das koreanische Nationalgericht aus sauer-scharf eingelegten Kohlblättern (als Salat für 3,50 Euro). Und wer je in Korea war, freut sich über die Wiederbegegnung mit „Bibimbab“: In Korea wird es am Tisch zubereitet, indem man Reis, Gemüse und Fleisch in ein Salatblatt-Paket faltet. Hier kommen die Zutaten in einer Schüssel sehr hübsch arrangiert, die Schärfe ist ausgesprochen mild dosiert, das Zusammenspiel der verschieden bissfesten Gemüse sorgt für schöne Abwechslung im Mund. Mit „Bulgogi“, den marinierten und kurzgebratenen Rindfleischstreifen, kostet dieses schmackhafte Gericht zehn Euro.
Dazu würde man ja ein frisches Pils trinken, das auch in Korea gerne gereicht wird. Aber Alkohol wird im „Yang-Ji“ leider nicht ausgeschenkt. Dann wäre die Gefahr auch groß, dass man gemütliche Gefühle entwickelt und sitzenbleibt. Und dafür ist dieser ebenso geschmackvoll wie nüchtern eingerichtete Raum nicht gedacht, sondern als Anlaufstelle für schnelle, gleichwohl hochwertige Verpflegung zwischendurch.

 
 


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