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12. November 2011 kl

„Lemongrass“ in Darmstadt

Die Restaurantkritik: Das „Lemongrass“ ist auch abends einen Besuch wert – Sorgfältig zubereitete thailändische und vietnamesische Küche für kleines Geld

| Vergrößern | Tagsüber belebt, abends beschaulich: Das „Lemongrass“ im Westen Darmstadts. Foto: Claus Völker

Es ist beeindruckend, was die Deutsche Telekom, ihre Tochterunternehmen und andere Dienstleister in Darmstadts Westen an Büroflächen hochgezogen haben. Doch abends, nach Dienstschluss, wird das schicke Viertel südlich der Rheinstraße zur Geisterstadt. In einigen Büros brennt zwar noch Licht, doch auf Straßen und Gehwegen ist es still. Zwischen Glas und Beton gibt es aber eine kleine Oase der Gastlichkeit. In der Mina-Rees-Straße lädt das „Lemongrass“ ein zu asiatischer Kochkunst. Mittags hat das Team eine Menge zu tun, bietet es doch zu günstigen Preisen eine willkommene Alternative zum Kantinen-Alltag. Abends geht es in dem modern möblierten Lokal eher ruhig zu. Laufkundschaft verirrt sich dann kaum hierher, und die Mittagsgäste dürfte nach Feierabend die Nähe zum Büro wohl stören.Trotz dieser schwierigen Bedingungen wirbt das „Lemongrass“ montags bis samstags auch abends um Gäste – und dabei ist dem Team Erfolg zu wünschen. Denn ein Besuch in dem Restaurant lohnt sich. Die Atmosphäre ist angenehm, der Service flink und überaus freundlich, das Essen sehr ordentlich. Der Schwerpunkt der übersichtlichen Karte liegt bei vietnamesischen und thailändischen Gerichten. Es gibt Vorspeisen und Salate für kleines Geld, auch die Hauptgerichte liegen alle unter zehn Euro. Dessert-Angebote sucht man leider vergeblich – mittags mag dazu die Zeit nicht reichen, abends wäre eine solche Abrundung des Angebots schön.
Als Vorspeise wählten die Tester eine Hühnersuppe Tom Kha Gai (3,80 Euro) und die gedämpfte Gemüse-Variation Choi „Lemongrass“ (3,50 Euro). Die pikant-exotisch, aber nicht zu scharf abgeschmeckte Suppe war mit ganz gebliebenen, rohen Champignons und reichlich Zitronengras bestückt. Mit der Kokosmilch und dezenter Säure ergab das ein feines, frisches Aroma. Eher enttäuschend hingegen das Choi: Zwar schmeckte die süßliche Soße angenehm mild, doch das versprochene Gemüse der Saison entpuppte sich als Portion Chinakohl ohne weitere Beigaben. Dabei hat die Saison doch mehr zu bieten als dieses eher langweilige Gewächs, ein paar Streifen Karotten oder ein bisschen Lauch hätten dem Gericht jedenfalls gutgetan.
An diesem Abend blieb das jedoch der einzige Kritikpunkt. Denn bei den Hauptgerichten hinterließ die Küche einen durchweg sehr guten Eindruck. Zur Auswahl stehen mehrere Pho- und Mi-Suppen – laut Karte traditionelle vietnamesische Eintöpfe mit Reis- oder Eiernudeln und diversen weiteren Zutaten. Außerdem kann sich der Gast Garnelen, Rind oder Huhn nach drei verschiedenen Varianten zubereiten lassen: süß-sauer mit Ananas, als würziges Krapao mit thailändischem Basilikum oder – ebenfalls scharf – mit Kokosmilch und rotem Thai-Curry. Alle Gerichte sind für Vegetarier auch ohne Fleisch möglich.

Visitenkarte

Restaurant Lemongrass
Mina-Rees-Straße 7
64295 Darmstadt
Telefon: 06151 5003872

Montag bis Freitag 11 bis 15
und 18 bis 21.30 Uhr
Samstag 16 bis 21 Uhr,
Sonntag Ruhetag

Raucherbereich: nein
Barrierefrei: zwei Stufen am Eingang

Geschmackvolle vietnamesische und thailändische Küche in freundlichem Ambiente zu günstigen Preisen.


Zur Krapao-Zubereitung passt das Rindfleisch besonders gut (7,50 Euro). Zu den zarten Fleischstreifen gesellten sich Paprika, Zwiebeln, Möhren, Bambussprossen, Bohnen und Maiskölbchen, alles nur ganz kurz gegart und mit einer dunklen Soße verbunden. Deren Aroma war leicht scharf und sehr gehaltvoll, das spezielle Basilikum konnten die Tester allerdings nicht herausschmecken.
Die süß-saure Variante wird von den Ananas-Stückchen dominiert, Paprika, Bambus, Zwiebeln und Tomaten kamen hinzu. Dazu passen Huhn (7,20 Euro) ebenso wie die Garnelen (neun Euro). Auch hier lässt sich sagen: Die Küche hat ein Händchen fürs Würzen, alle Zutaten machen einen frischen Eindruck, die Anmutung des Ganzen ist appetitlich.
Wer dazu ein Bier trinken möchte, kann zwischen Beck’s in der Flasche (2,30 Euro, 0,33 Liter) oder einem Hefeweizen (2,90 Euro, 0,5 Liter) wählen. Auch ein paar Weine hat das „Lemongrass“ im Ausschank. Am besten passt zur asiatischen Küche jedoch ein Jasmin- oder Oolong-Tee (2,60 Euro), der in schönen Tassen an den Tisch kommt.
Wer zum Finale einen Saigon-Kaffee (2,80 Euro) bestellt, sollte etwas Zeit mitbringen. Er bereitet sich traditionell selbst am Tisch zu: Das heiße Wasser sickert nur angetrieben von der Schwerkraft gemächlich durch einen Metallfilter und die gemahlenen Bohnen hindurch in das darunter stehende Glas. Dieses füllt sich ganz allmählich mit der schwarzen Flüssigkeit. Espresso-Trinker werden das recht durchsichtige Resultat kaum als Kaffee ansehen, doch schmeckt der mit süßer Dickmilch versetzte Saigon-Kaffee erstaunlich aromatisch.

 
 


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