Unterm Teller liegt ein Strand. Der Holztisch ist quadratisch ausgehöhlt und bildet den Rahmen für eine hübsche Installation aus bambusartigen Hölzchen: Ein asiatisches Haus mit einem Steg, Boote schwimmen herum, dazwischen ein paar Lotusblüten – darüber eine flächendeckende Glasplatte, die die betuliche Szenerie gleichzeitig schützt und preisgibt.
„13 Euro, bitte“, sagt der Herr zu der Bedienung, die ihm gerade die Rechnung gebracht hat. 13 Euro inklusive Trinkgeld. Dafür hat sich der Mann mehrmals am Abendbüffet (7,90 Euro pro Person) bedient und etwas getrunken. Er ist nicht der einzige, der an diesem Abend unter der Woche alleine ist und isst. Doch auch Paare, Kumpels oder eine Familie hat das Schnäppchenessen hergelockt in das Lokal, das mit seiner bräunlich eingeklinkerten Fassade in der wenig pittoresken Kasinostraße, seiner grellen Reklame und Asien-Kitsch-Elemente von außen gut ins Frankfurter Bahnhofsviertel passen würde.
Zur Vorspeise eine japanische Miso-Suppe mit Tofu und Gemüse (zwei Euro), sechs vegetarische Mini-Frühlingsrollen (zwei Euro) sowie zwei vietnamesische Frühlingsrollen mit Hühnerfleisch und Gemüse (2,50 Euro). Solider Standard. Das Gemüse in dem recht würzigen Suppensud ist schön knackig, die Frühlingsrollen außen toll kross, das Dazwischen unspektakulär. Süß-scharf und somit eine willkommene Geschmackserweiterung ist die rötlich-ölige Tunke, die zu den Rollen gereicht wird.
„Asien Sonne“
Kasinostraße 61
64293 Darmstadt
Telefon: 06151 1538267
Öffnungszeiten:
Sonntag bis Freitag
11 bis 15 Uhr und 17 bis 22 Uhr,
Samstag 17 bis 22 Uhr
Barrierefrei: nein,
Raucherbereich: nein
Spannung kommt auf: Wie scharf werden die jeweils als „scharf“ beschriebenen Hauptgerichte „Knusprige Ente Thai-Chili-Soße mit Gemüse und Reis“ (7,80 Euro) sowie „Gebratenes Gemüse Vietnam mit Tofu in vietnamesischem Curry und Kokosmilch“ (5,50 Euro) wirklich sein? Die Antwort: Von „scharf“ kann nicht die Rede sein. Da muss die rote Paste einspringen, die auf dem Tisch parat steht.
Auch sonst halten die Hauptgerichte wenig Aufregendes bereit. Die Ente glänzt zwar mit einer kross gebratenen Haut, doch ist das Fleisch für den Geschmack der Dippegucker eher von minderer Qualität. Am besten ist das Gemüse. Ob Pilze, grüne Bohnen, Paprika, Zucchini, Lauch, Brokkoli oder Zwiebeln: Alles ist auf den Punkt zubereitet und knackig, und die unterschiedlichen Aromen sind noch gut herauszuschmecken.
Diese Gleichbehandlung im Gemüsebereich passt perfekt zu der Tischmusik, die fortwährend aus den Boxen rieselt: Bei den Instrumentalversionen von Pophits wie „Lady in Red“ bis „Candle In The Wind“ wird jede einzelne Note mittels Zupfgitarre so gewissenhaft und zugleich dynamiklos gespielt, dass zwar alles gut hörbar ist, aber irgendwie die Gesamtkomposition flöten geht.
Eine in keiner Relation zu ihrer Dynamik stehende Präsenz entfaltet die Musik auch deshalb, weil in dem Lokal an diesem Abend eher wenig gesprochen wird. Dafür gibt es einiges zu gucken: Über den mittelbraunen Verschalungen an den Wänden hängen asiatisch anmutende Bilder mit Vögeln und Pflanzen. Gäste gehen zum Büffet im Zentrum des kleinen Raums und schöpfen Nachschlag aus metallenen Warmhaltewannen. Der Dippegucker hat schon deutlich besser gegessen, aber selten so günstig. Von daher ist diese Asien-Sonne ein Fixstern vor allem für Schnäppchenjäger.

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