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07. September 2007 lex

„Café Extrablatt“ in Darmstadt

Systematische US-Schnellküche und enorm viele Sitzplätze

Extrablatt
| Vergrößern | Ins Rathauseck der Marktplatz-Ostzeile ist mit dem Café Extrablatt wieder Leben eingekehrt. Foto: Roman Größer
Extrablatt
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Ins Rathauseck der Marktplatz-Ostzeile ist mit dem Café Extrablatt wieder Leben eingekehrt. Foto: Roman Größer
Die signalrote Leuchtreklameschrift einer schwarzen Limonade strahlt als Sinnbild des US-Geschmacks über dem mächtigen Tresen. Die Lokalkultur amerikanischer Restaurants dringt hier aus jeder Ritze.

Das fängt vorne an den Hochtischen mit Polsterbänken wie in einem Fünfziger-Jahre-Diner an und hört hinten beim Fernseher auf, in dem das Musikvideo einer Rockband flimmert. Viel zu sehen gibt es im „Café Extrablatt“, das nach aufwendigem Umbau seit April auf dem Marktplatz residiert – als eine von rund dreißig Filialen bundesweit.

Ob Norderney, Berlin oder Darmstadt – überall gibt es nach dem pragmatischen Prinzip der Systemgastronomie dasselbe, nämlich: US-Schnellküche mit all ihren einwanderungsbedingten Einflüssen. Die verteilen sich hier auf so viele verschiedene Speisekarten, das man eine Spezialrunde Quartett spielen könnte. Allerdings braucht mancher dazu ein Wörterbuch, denn das Angebot hält so viele Amerikanismen bereit, dass der Verein Deutsche Sprache wohl alle erhobenen Zeigefinger über dem Kopf zusammenschlagen würde.

Das macht die Bestellung im Detail nicht einfach. Bei der Vorspeise „The Deal“ (5,45 Euro) etwa geht es unter anderem darum, welchen „Dip“ man zu welchem „Pick“ haben möchte. Hä? Dem Fragezeichen überm Gästekopf begegnet die sehr flotte und nette Bedienung mit einer kulinarischen Kurzeinführung und den Worten: „Ich komm’ gleich noch mal vorbei.“

Allerdings hält sie sich dann zunächst besorgt damit zurück, die komplette Bestellung zu akzeptieren: „Sind Sie sicher, dass Sie das alles wollen?“ Ein Nicken, und schwupp verschwindet sie kopfschüttelnd in die Küche.

Ihre Skepsis war unbegründet, wie der Zwischenstand nach den Vorspeisen zeigt: Die vier in Panade frittierten grünen Chilischötchen mit Frischkäsefüllung nebst ein paar gebackenen Kartoffelschnitzern à la New Orleans sind schnell in den kräuterig-herben Sauerrahm- und den rauchigen Barbecue-Dip getunkt und vertilgt. Alles in allem ein eher unspektakulärer Akt. Sehr überzeugend dagegen ist der „Salat Vegetariana“ (5,45 Euro): eine knackig-bunte Komposition vitaler und veritabler Frische mit ofenwarmem Pizzabrot.

Schnell geht es weiter mit dem Hauptgang. Alles andere wäre auch verwunderlich, schließlich gibt es hier Fast-Food. Der Gemüselasagne (6,45 Euro) steht das allerdings nicht gut: Sie macht den Eindruck, als habe jemand ein Fertiggericht in die Mikrowelle geschoben, auf einen Teller gelegt und als Ersatz für einen Gratiniervorgang Parmesan drübergestreut.

Labberig sind sowohl Nudelplatten als auch Zucchini- und Auberginenfragmente, Contenance bewahrt immerhin der draufgelegte Rucola. Punktwertung: ein Gramm Fett, 717 Kilokalorien, wie in der Karte zu lesen ist – seltsamerweise ausschließlich bei diesem Gericht. Wahrscheinlich, weil sonst niemand einen Hamburger bestellen würde.

Doch der Gedanke an diätische Zurückhaltung scheint hier unangebracht. Auch die Zusatzstoff-Legende auf der Karte mit ihrer Aufklärung über Antioxidationsmittel oder Farbstoffe kann den wahren „American Diner“-Gast nicht davon abhalten, einen Halbpfünder zu bestellen (7,25 Euro): 180 Gramm ordentliches Rindfleisch, jede Menge Tomaten- und Gurkenscheiben, das süßliche Brötchen angeröstet, mit Käse und Soße saftig geschmiert, ist der Cheeseburger ein Pfundskerl amerikanischer Küche. Stilecht serviert mit Pommes, stilvoll gegessen mit Besteck, weil man ihn in diesem Format ohnehin kaum zwischen die Finger bekäme.

„Service!“ Der junge Mann hinterm Tresen – wie alle Kräfte im Studentenalter – ruft eine Kollegin herbei und macht sich klappernd an die nächste Schankaufgabe. Geschäftiges Gewusel und Geräusch füllt das großräumige Lokal, das auf zwei Ebenen und draußen enorm viele Sitzplätze bereit hält. Hier schauen Mutter und Tochter nach dem Shopping vorbei und eine Abordnung Bodybuilder zum Schoppen oder legen ältere Semester bei einer herb-säuerlichen Brause auf zerstoßenem Eis namens „Lemon Squash Schorle“ (1,95 Euro) ein erfrischendes Päuschen mit Blick auf den Marktplatz ein. Darauf noch einen Amarena-Eisbecher (3,95 Euro)!

Die aufmerksame Bedienung registriert den Wunsch mit einem liebevollen Lächeln, das nun nichts mehr erschüttern kann. Und später wird sie vielleicht mal ihren Kindern erzählen: Es gibt Menschen, die wollen richtig speisen und nicht nur snacken – auch in einem amerikanischen Restaurant.


Visitenkarte

Café Extrablatt
Marktplatz 11
64285 Darmstadt
Telefon: 06151 5998820

Geöffnet Montag bis Donnerstag
von 8.30 bis 1 Uhr,
Freitag und Samstag von 8.30 bis 2 Uhr
und Sonntag von 9 bis 1 Uhr.

Raucherbereich: nein


Internet: www.cafe-extrablatt.com
 
 


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