Moritz Bleibtreu ist kein Nazi. Und auch der Film „Jud Süss – Film ohne Gewissen“ aus dem vergangenen Jahr, in dem Bleibtreu den Joseph Goebbels gibt, gehört keineswegs auf den Index: Es ist ein Künstler-Drama um die Entstehung des NS-Propagandafilms „Jud Süß“ von 1940 und ist von der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) ab 12 Jahren freigegeben.
Trotzdem bekam Christian Betschel (38) Probleme, als er den Film auf DVD über das Internet-Auktionshaus „Ebay“ verkaufen wollte: „Wir haben Ihr Angebot beendet, da es den folgenden Ebay-Grundsatz verletzt: Jugendgefährdende Medien“, hieß es in einer automatisierten Mitteilung. Der Darmstädter war schockiert. Hält Ebay ihn etwa für einen Nazi? Führt ihn der Online-Riese jetzt auf irgendwelchen Negativlisten? Besorgt meldete sich Betschel bei der Redaktion.
„Ebay will nicht anerkennen, dass es sich bei meinem Angebot um einen neuen Film handelt“, klagte der Film-Fan, der regelmäßig bereits gesehene Film-DVDs im Netz anbietet – bisher ohne größere Probleme. Auch in einem Live-Chat habe sich ein Mitarbeiter des Auktionshauses nicht von der Harmlosigkeit des Streifens von Oskar Roehler überzeugen lassen. „Obwohl ich ihn gefragt habe, wie es wohl einen Film von 1940 auf DVD geben kann“, erinnert sich Betschel.
Ebay, die größte Plattform für Online-Auktionen, wurde im Jahr 1995 in Kalifornien gegründet. Nach eigener Angabe ist eBay weltweit derzeit in 38 Märkten vertreten. Der börsennotierte Konzern zählt 83 Millionen aktive Nutzer. Im dritten Quartal 2011 setzte das Unternehmen 2,2 Milliarden Euro um. Zu Ebay gehört auch der Online-Bezahldienst „Paypal“.
Einige Tage später knickte Ebay plötzlich ein: Der Film, der laut Betschel zuvor gar nicht auf der Plattform gehandelt wurde, war auf einmal ohne Weiteres käuflich zu erwerben. Am Dienstag erhielt Betschel eine E-Mail: Der Film sei wieder handelbar. Auf ECHO-Anfrage bestätigte eine Ebay-Sprecherin die Verwechslung und sprach von einer „versehentlichen Löschung“.
Betschel hätte sich zwar eine schnellere Reaktion gewünscht, aber die Freude überwiegt, als Online-Händler rehabilitiert zu sein. Angst, im Netz künftig kritischer beäugt zu werden, hat Betschel nicht. Aber das System des Online-Händlers misfällt ihm trotzdem: Wenn man von Ebay automatisiert gesperrt werde, sei man „irgendwo registriert und weiß nicht, was mit den Daten passiert“.
Eigentlich dürfe es nicht sein, dass man von Maschinen eines Vergehens verdächtigt werde. „Sowas darf man eigentlich nicht automatisch verschicken lassen.“
Dennoch will Betschel auch weiterhin die Plattform nutzen. „Es ist eben der größte Anbieter. Aber eine Belebung des Markts durch mehr Wettbewerb halte ich für nötig.“

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